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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der zentrale Bestandteil im Lebensraum eines Ziesels ist der Bau. Außerhalb der Zeit der Jungenaufzucht besetzt jedes Ziesel einen Bau für sich alleine, von dem es sich meist nicht weiter als 60-80 m entfernt. Bei zunehmender Trockenheit und damit einhergehender Nahrungsverknappung im Sommer verlassen Ziesel die direkte Bauumgebung und können sich bis zu einigen 100 Metern entfernen, um in benachbarten Feldern oder anderen feuchteren Flächen zu leben, in denen das Nahrungsangebot besser ist. Hier werden kleinere Schutzbauten angelegt. In Serbien fressen Ziesel bevorzugt die Knollen vom Zwiebel-Rispengras (Poa bulbosa) sowie die grünen Pflanzenteile von Wolfsmilcharten, Schafgarbe, Kleearten und Löwenzahn. Daneben werden auch Insekten wie Feldgrillen und Mistkäfer gefressen. Im Spätsommer ernährt sich das Ziesel auch von Kulturpflanzen wie Weizen, Gerste, Roggen, Hafer und Hirse sowie Zuckerrüben, Gurken und Tomaten (alle Angaben nach Ruzic 1978).

Neben einem grasigen Pflanzenbewuchs sind eine gute Wasserzügigkeit des Bodens und ein niedriger Grundwasserspiegel für Ansiedlungen des Ziesels bedeutsame Vorbedingungen, weil nur auf solchen Flächen gewährleistet ist, dass auch nach starken Regenfällen die Gang- und Bautensysteme nicht überflutet werden.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Ziesel halten fast ein halbes Jahr lang Winterschlaf in ihrem Bau. Während dieser Zeit nehmen sie keine Nahrung zu sich, sondern leben ausschließlich von dem Körperfett, das sie sich während des vorangegangenen Halbjahres angefressen haben. Ende März/Anfang April wachen die Tiere auf und beginnen sofort mit der Fortpflanzung. Nach 25-28 Tagen werden je Weibchen 5-8 Junge geboren (Ruzic 1978). Während der ersten 10 Tage bleiben die Weibchen bei den Jungen, dann ziehen sie in einen benachbart gelegenen Bau um und kommen nur noch zum Säugen zu den Jungen zurück. Die Weibchen bringen den Jungen später auch Futter, bis diese selbständig den Bau verlassen und mit der Nahrungssuche beginnen können. Bereits in der zweiten Augusthälfte ziehen sich die Alttiere zurück und beginnen mit dem Winterschlaf. Die Jungtiere dagegen sind meist noch bis Ende Oktober aktiv, weil sie ihr Wachstum noch nicht abgeschlossen haben und ihre Fettreserven für den Winterschlaf noch auffüllen müssen. Im Freiland können Ziesel ein Alter von über drei Jahren erreichen (alle Angaben nach Ruzic 1978).

Wesentlich für den Erhalt von Ansiedlungen des Ziesels ist, dass die von ihnen genutzten Flächen nicht in forst- oder landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt werden, sondern in ihrem Zustand belassen werden. Das Ziesel geht in weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes durch die Ausdehnung landwirtschaftlicher Nutzflächen (auch gefördert durch EU-Programme) und Aufforstungen stark zurück (Coroiu et al. 2008). Außerdem werden die ursprünglich nährstoffarmen, von der Art besiedelbaren Flächen durch den aus der Landwirtschaft und dem privaten und industriell bedingten Einsatz fossiler Energieträger bedingten Eintrag von Stickstoff durch die Luft überdüngt.

Merkmale

 Merkmale Ziesel

Verbreitung

Literatur

 Literatur