Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Lebensräume der Zierlichen Moosjungfer sind flache Gewässer vorwiegend der tieferen Lagen. Besiedelt werden Gewässerbereiche, die einen dichten Bewuchs mit Wasserpflanzen wie z.B. Tausendblatt-Arten (Myriophyllum spicatum, M. verticillatum), Hornblatt-Arten (Ceratophyllum demersum, C. submersum) oder Armleuchteralgen (Characeae) besitzen. Hier halten sich die Larven auf. Die Gewässer haben oft – jedoch nicht immer – eine gut ausgeprägte Schwimmblattzone aus Seerose (Nymphaea alba), Teichrose (Nuphar lutea) oder Laichkrautarten (Potamogeton spp.). Die Gewässer weisen einen mittleren bis hohen Nährstoffgehalt und eine meist hohe Sichttiefe auf. Sie sind zumeist von Wald umgeben. Oft finden sich naturnahe Pflanzenbestände aus Schwimmblattrasen, Röhrichten und Schwingriedern (Mauersberger 2003).

Für die Art geeignete Gewässer sind demnach Kleinseen oder Buchten größerer Seen v.a. in den nordostdeutschen Seenlandschaften und im Alpenvorland, größere Altarme z.B. in der Oberrheinebene sowie Torfstiche. Daneben werden auch künstliche Lebensräume wie ältere Abgrabungsgewässer in Kies- und Tongruben sowie Braunkohlentagebauen besiedelt.

Die Zierliche Moosjungfer bevorzugt Gewässer mit einer artenreichen Fischfauna (Mauersberger 2003). Diese Fischlebensgemeinschaft ist gekennzeichnet durch ein naturnahes Gleichgewicht zwischen Fischen mit unterschiedlicher Ernährungsweise – z.B. räuberisch und nichträuberisch lebenden Arten. Da die Larven der Zierlichen Moosjungfer lange Hinterleibsdornen besitzen und sich in dichten Pflanzenbeständen unter der Wasseroberfläche aufhalten, sind sie vor räuberisch lebenden Fischen – wie z.B. Hecht und Barsch – wesentlich besser geschützt als andere konkurrierende Libellenarten. Fischarten, die auf der Nahrungssuche den Gewässergrund aufwühlen und die Unterwasserpflanzenbestände dezimieren – wie Blei, Karpfen und Karausche – wirken sich dagegen nachteilig auf die Bestände der Zierlichen Moosjungfer aus, wenn sie die Gewässer in höherer Dichte besiedeln. Dies gilt insbesondere auch für Graskarpfen, die nach Besatzmaßnahmen oft nachhaltig die für die Moosjungfern wichtigen Bestände der Wasserpflanzen zerstören. Bis zu einem gewissen Maße dürften sich so genannte „Raubfische“ positiv auf die Bestände der Zierlichen Moosjungfer auswirken, da sie die Friedfische dezimieren.

Die Nahrung der Larven besteht vermutlich aus kleinen Tieren, die im freien Wasser oder auf der Gewässersohle leben. Die Imagines (Geschlechtsstadium) ernähren sich überwiegend von kleinen Insekten.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Für die Entwicklung der Larven der Zierlichen Moosjungfer wurde von den meisten Autoren ein Zeitraum von zwei Jahren vermutet (z.B. Mauersberger 2003), bevor in den letzten Jahren mehrere Nachweise einer einjährigen Entwicklung für Gewässer in Brandenburg und der Oberrheinebene gelangen (Mikolajewski et al. 2004, Schirrmacher et al. 2007). Vermutlich dauert die Larvalentwicklung der Art je nach Temperatur der Gewässer und Witterungsverlauf ein bis zwei Jahre. Die Überwinterung dürfte bei einer einjährigen Entwicklung überwiegend im letzten Larvenstadium erfolgen.

Die Schlupfzeit beginnt meist in der ersten Maihälfte und endet Mitte Juni (Mauersberger 2009). Schon ab Ende Mai lassen sich Männchen mit Revierverhalten an den Gewässern beobachten. Die Flugzeit erstreckt sich zumeist bis in den Juli.

Die Männchen besetzen Reviere oft weit entfernt vom Ufer und nutzen Schwimmblätter oder andere aus dem Wasser ragende Elemente als Sitzwarten. Die Paarung findet am Gewässer oder in der unmittelbaren Umgebung statt. Die Weibchen kommen nur zur Paarung und zur Eiablage ans Gewässer zurück und sind ansonsten auch in der Umgebung der Gewässer nur selten zu sehen. Ihre Aufenthaltsorte sind bislang weitgehend unbekannt (vgl. Mauersberger 2003). Die Eiablage wird meist über dichten Beständen von Unterwasserpflanzen vollzogen, die bis an die Wasseroberfläche reichen.