Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Würfelnatter besiedelt innerhalb Deutschlands inselartig kleine Teilabschnitte im Bereich der Flußauen von Mosel, Lahn und Nahe. An der Elbe bei Meißen wurde die Art seit 1999 wieder angesiedelt. In Deutschland besitzt die Würfelnatter als Wassernatter eine hohe Bindung an Lebensräume in großen, wärmegetönten Fließgewässerauen mit naturnahen Lebensraumelementen. Sie besiedelt fischreiche Gewässerabschnitte mit geringer Wasserströmung in denen sich auch häufig die Fischbrut aufhält. Die Uferböschungen (Spülsaum), oder je nach Wasserstand Flussschotter- oder Kiesbänke weisen günstigstenfalls ein Lückensystem auf, das zur Thermoregulation (Regulierung ihrer Körpertemperatur) und Flucht genutzt wird. Das nähere Gewässerumfeld weist häufig eine geringe Nutzung und einen Offenlandcharakter auf. Hier liegen auch die Eiablageplätze. Als „Brutstätte“ werden häufig Ansammlungen von verrottendem Pflanzenmaterial (z.B. Getreibsel, liegen gebliebene Mahdhaufen, o.ä.) genutzt, da in Folge der Zersetzungsprozesse Wärme entsteht, die die Schlangeneier quasi „ausbrütet“. Die frostfreien und hochwassersicheren Winterquartiere liegen meist im näheren Gewässerumfeld, selten mehr als 200 m entfernt. Oft handelt es sich um kluft- und spaltenreiches Gelände, auch Trockenmauern oder Blockschutthalden werden zur Überwinterung aufgesucht. Besonders günstige Bedingungen findet die Art offensichtlich in Weinberggebieten.

Die Nahrung der Würfelnatter besteht überwiegend aus Fischen, die aktiv schwimmend (jagend) oder an Strukturen im Gewässer verankert (lauernd) erbeutet werden.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Winterruhe endet bei der Würfelnatter durchschnittlich im April (frühestens Anfang April) (Gruschwitz & Günther 1996). Bei Wassertemperaturen oberhalb etwa 12°C sind Würfelnattern ausreichend beweglich, um auf Jagd zu gehen. Im Frühling nutzen die Schlangen sonnige Tage zur Thermoregulation (Regulierung ihrer Körpertemperatur) und sind dann häufiger sonnend im Gelände anzutreffen. Die Paarung erfolgt je nach Wetterverlauf meistens zwischen Mitte Mai und Ende Juni. Da sich die Tiere in dieser Jahreszeit meistens zur Beutejagd am Gewässer aufhalten, finden die Paarungen auch häufig in Gewässernähe, bevorzugt im deckungsreichen Gelände statt. Die Eiablageplätze (Rottehaufen) werden von den Weibchen meist Ende Juni bis Ende Juli aufgesucht. Die Jungtiere schlüpfen gewöhnlich in der Zeit zwischen Anfang August und Mitte September. Spätestens Ende Oktober werden die Winterquartiere wieder aufgesucht.

Bei der Bewirtschaftung von Flächen innerhalb des Siedlungsgebiets von Würfelnatterpopulationen sind zunächst die jahreszeitlich bedingten Aktivitätsphasen zu berücksichtigen. Während der Winterruhe ist kaum mit Konflikten zu rechnen, wenn nicht in geeignete Winterquartiere (z.B. Trockenmauern, Blocksteinschüttungen, Böschungen mit Verdacht auf Winterquartiere) eingegriffen wird. Zwischen April und Oktober steht die Aktivität der Würfelnatter im engen Zusammenhang mit dem täglichen Temperaturverlauf. Um Würfelnatterpopulationen nicht zu schädigen, können Bewirtschaftungsmaßnahmen nur an Tagen mit durchschnittlich kühlen Temperaturen und geschlossener Wolkendecke oder an sehr heißen Tagen, bei sonnigem Wetter mit Temperaturen weit über 25°C durchgeführt werden. In den Sommermonaten beschränkt sich die tägliche Aktivitätsphase meist auf die Morgen- und Abendstunden. Landnutzungsaktivitäten innerhalb dieser jahreszeitlichen Aktivitätsphase bei wechselnder Bewölkung und mittleren bis kühleren Temperaturen sollten unterbleiben, da die Tiere dann verstärkt das offene Gelände aufsuchen.


Verbreitung