Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

In Deutschland lebt die Wildkatze in waldreichen Landschaften, wo sie alte Laubwälder, vor allem Eichen- und Buchenmischwälder, bevorzugt. Gelegentlich nutzt sie aber auch Nadelwälder als Lebensstätte. Bei höheren Populationsdichten und in sehr abgeschiedenen Gegenden treten Einzelindividuen auch im Offenland auf.

Als Ruheplätze dienen deckungsreiche Waldbestände, Gebüsche, Dickichte und Höhlen. Zur Jagd werden vor allem Lebensraumelemente genutzt, die Mäusen und anderen Kleintieren Nahrung und Deckung bieten. Dies sind vor allem innere und äußere Waldränder, Windwurfflächen und wenigschürige Wiesen und Brachen im Wald oder in dessen Nähe. Bei ihren Wanderungen orientiert sich die Wildkatze vorwiegend entlang linearer Lebensraumelemente (Gehölzsäume, Bäche, Waldauen etc.) oder bleibt im Wald, während sie deckungsarmes Agrarland weitgehend meidet.

Die Wildkatze ist ein spezialisierter Kleintierjäger, der vor allem Wühlmäuse jagt und seine Aktivitätsschwerpunkte in der Abenddämmerung und Nacht hat.

Wildkatzen leben als Einzelgänger, haben aber regelmäßigen Kontakt zu benachbarten Individuen. Die Streifgebiete können sich auch bei Tieren gleichen Geschlechts überlagern. Für Weibchen werden als Streifgebietsgröße 3 bis 11 km2 und für Männchen 10 bis 50 km2 angegeben (Gärtner & Norgall 2008).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Wildkatzen erreichen üblicherweise in freier Wildbahn ein Alter von etwa 7-10 Jahren (Gärtner & Norgall 2008).

Weibliche Wildkatzen werden mit etwa einem Jahr geschlechtsreif, Männchen in der Regel erst später. Die Paarung findet zwischen Januar und März statt. Nach einer Tragzeit von 63 bis 69 Tagen werden im März bis Mai durchschnittlich 3-4 Junge geworfen. Mitunter kommt es zu einem zweiten Wurf.

Natürliche Wurforte sind vor allem Baumhöhlen, aber auch Felsbaue, Wurzelhöhlen, Dachs- und Fuchsbaue. Neben diesen werden vom Menschen geschaffene Strukturen wie Reisighaufen, Holzstapel, Wildfütterungen, ehemalige Bunkeranlagen und Hochsitze genutzt. Häufig besteht ein Mangel an Lebensraumelementen, die trocken und warm sind und die Tiere vor Fressfeinden schützen. Dann müssen die Katzen auf weniger geeignete Wurforte (Holzstapel, Reisighaufen, Gebüsche u.ä.) ausweichen, wodurch der Aufzuchterfolg sinkt. In den ersten Lebensmonaten ist die Überlebensrate der Jungen sehr niedrig, in einer Studie im Südharz überlebten nur 24,5% der beobachteten Jungtiere die ersten 4 Monate (Götz 2008). Nach 6-8 Monaten werden die Jungen selbstständig.

Die hauptsächliche, nutzungsbedingte Beeinflussung der Wildkatze geht von Forst- und Landwirtschaft und starker Freizeitnutzung aus. Intensive forstwirtschaftliche Nutzung zerstört durch die Reduktion von Lebensraumelementen (Säume, Baumhöhlen etc.) Jagd-, Fortpflanzungs- und Ruhestätten der Wildkatze. Vor allem die Förderung geradstämmiger, wenig beasteter Bäume und die regelmäßige Entnahme aller Bäume, die aus forstlicher Sicht ein hiebreifes Alter erreicht haben, führt zu einem massiven Verlust an tatsächlichen oder potenziellen Höhlenbäumen, die als sichere Aufzuchtorte der Jungtiere von zentraler Bedeutung sind. Windwurfflächen mit einem undurchdringlichen Gewirr aus Stämmen und Ästen sind vielerorts alternative Rückzugsräume, werden jedoch in der Regel kurzfristig geräumt und neu aufgeforstet. Mangelndes Angebot an Wurforten und häufige Störung durch Waldarbeiten oder Freizeitnutzungen im Wald zur Fortpflanzungszeit treffen die sehr störungsempfindliche Wildkatze an ihrem empfindlichsten Punkt.