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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Von den drei mittelgroßen, ozeanischen Delfinarten des Nordatlantiks ist der Weißseitendelfin derjenige, welcher am küstenfernsten lebt und die kältesten Wassertemperaturen bevorzugt. Sowohl der Weißschnauzendelfin als auch der Gewöhnliche Delfin sind eher in geringfügig bzw. deutlich höheren Wassertemperaturen und gelegentlich auch in Küstennähe zu finden. Die Vorliebe des Weißseitendelfins für die Kontinentalabhänge und Meeresgebiete mit starkem Relief (z.B. sea mounts) hängt vermutlich mit einem höheren Nahrungsvorkommen in sogenannten Auftriebsgebieten zusammen, wo aufsteigendes Tiefenwasser reichliche Nährstoffe an die Oberfläche bringt. Auch am Mittelatlantischen Rücken scheinen Weißseitendelfine Gebiete mit Unterwasserabhängen zu bevorzugen. Als Hauptbeutearten werden Heringe und kleine Makrelen, aber auch Sandaale sowie eine Vielzahl anderer Fischarten genannt, die manchmal auch kooperativ in großen Gruppen gejagt werden. Weißseitendelfine sind dabei sehr mobil: Nach achtmonatiger Pflege in Gefangenschaft legte ein mit einem Sender markierter Weißseitendelfin in 64 Stunden über 300 km zurück, was einer mittleren Geschwindigkeit von etwa 5 km/h entspricht (Mate & Stafford 1994).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Wegen seines küstenfernen Lebensstils gibt es nur spärliche Kenntnisse über den Lebenszyklus des Weißseitendelfins. Auch ist er kaum jemals in Gefangenschaft gehalten worden und dann auch nur für wenige Monate. Auf See ist der Weißseitendelfin weniger zu sehen als andere ozeanische Delfine, er wirkt scheu und reitet selten auf Bugwellen. Als schneller Schwimmer fällt er oft durch akrobatische Sprünge und Schwanzschlagen auf. In großen Schulen können Dutzende oder gar Hunderte von Tieren (maximal beobachtet bis zu 2–4.000 Weißseitendelfine) zusammen auftreten. Normalerweise umfassen die Gruppen jedoch nur etwa 10 bis 140 Tiere (Camphuysen et al. 2006). Dabei vergesellschaften sie sich oftmals mit Finn- oder Buckelwalen oder Weißschnauzendelfinen. Im Alter von 6-12 Jahren werden die Tiere geschlechtsreif und bekommen nach einer Tragezeit von etwa elf Monaten meistens in der Zeit zwischen Mai bis August ihr Junges. Da die Kälber etwa im Alter von 18 Monaten entwöhnt werden, können erfolgreiche Weibchen höchstens alle zwei Jahre kalben. Genetische Untersuchungen ergaben bisher keinen Hinweis auf die Existenz von Familienverbänden, d.h. die Tiere scheinen nicht lebenslang in denselben Gruppen zu bleiben (Mirmin et al. 2011). Die bisher bekannt gewordenen Höchstalter betragen 22 Jahre für Männchen und 27 Jahre für Weibchen. Das Nahrungsspektrum der Weißseitendelfine ist relativ breit und umfasst sowohl Fische als auch Kalmare. Dabei handelt es sich in der Regel um schwarmbildende Fischarten wie Hering, Makrele, Dorsch, Stint, Pollack oder Sandaal.

Verbreitung

Literatur

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