Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Als Steppenbewohner ist die Wechselkröte vor allem in der trocken-warmen und offenen Kulturlandschaft mit grabbaren Böden und lückigem bzw. niedrigem Pflanzenbewuchs beheimatet (Günther & Podloucky 1996). Besiedelt werden dort Brachflächen, Felder und Abbaugebiete, aber auch Industriebrachen und militärische Übungsplätze. Vielfach kommt die Wechselkröte in den gleichen Gebieten wie die Kreuzkröte vor, nutzt aber oft andere Lebensstätten. Als Kulturfolger ist die Wechselkröte häufiger in Ackerlandschaften sowie in Siedlungen („Dorfkröte“) anzutreffen als ihre Schwesterart. Während letztere bei den besiedelten Abbaustellen einen Schwerpunkt in Sand- und Kiesgruben aufweist, kommt die Wechselkröte durchaus auch in Steinbrüchen und Tongruben vor. Als ausgesprochene Pionierart kann die Art spontan neu entstandene Lebensräume annehmen.

Das Spektrum genutzter Laichgewässer ist vergleichsweise groß, wobei wenig bewachsene, voll besonnte, flache und fischfreie Gewässer bevorzugt werden. Vielfach handelt es sich um Tümpel und Pfützen – im Vergleich zur Kreuzkröte (Bufo calamita) sind es jedoch häufiger dauerhaft wasserführende, größere Gewässer (Tiefe > 20 cm).

Die Tagesverstecke finden sich meist auf offenen, unbeschatteten Flächen und liegen während der Fortpflanzungszeit meist in Gewässernähe unter Steinen, in Mauern, Erd- oder Felsspalten sowie Kleinsäugerbauten, wo manchmal ganze Gruppen von Kröten anzutreffen sind. In lockeren Böden können sich die Tiere auch eigene Höhlen graben, die dann über einen längeren Zeitraum genutzt werden. Als Winterquartier dienen ähnliche frostsichere Elemente im Boden. Die Geschlechtsreife erreichen die Tiere meist erst nach dem dritten Winter.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Etwa im März begeben sich die ersten Wechselkröten auf Wanderschaft zu den Laichgewässern. Hier erschallen ab Anfang April die trillernden Rufe der Männchen, die Günther & Podloucky (1996) mit dem Gesang von Kanarienvögeln vergleichen.

Die Wanderung zu den Laichgewässern fällt in den Zeitraum, in dem die Frühjahrsbestellung auf den Äckern durchgeführt und das Grünland gepflegt und gedüngt wird.

Der Laich wird in Schnüren mit 5.000 bis 10.000 Eiern abgelegt. Nach Beendigung des Fortpflanzungsgeschehens verlassen die erwachsenen Tiere das Gewässer und entfernen sich wenige 100 m, aber auch 1.000 m und mehr vom Gewässer.

Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich bis Mitte Juni.

Je nach Wassertemperatur schlüpfen 3 bis 6 Tage nach Eiablage die Larven. In Abhängigkeit von den Standortfaktoren (Temperatur, Konkurrenz, Nahrungsangebot) erfolgt die Umwandlung der Larve zur Kröte meist nach 2 bis 3 Monaten. Findet ein übermäßiger Nährstoffeintrag in das Gewässer statt (z.B. durch Düngemittel), können sich die Gewässerqualität und somit die Lebensbedingungen für die Larven maßgeblich verschlechtern. Aus der Landwirtschaft eingetragene chemische Substanzen können das Wachstum der Larven beeinflussen und sogar zu Missbildungen führen. Ab Juli/August verlassen die Jungkröten das Gewässer.

Die Winterquartiere werden in der Regel spätestens Ende Oktober aufgesucht.