Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Wasserfalle schwebt direkt unter der Wasseroberfläche in Seen, Flussdeltas oder stehenden Gewässern. In Deutschland lebt sie in geschützten, sich sommerlich stark erwärmenden Buchten von Stillgewässern mit mittlerer bis guter Nährstoffversorgung oder in Schlenken von Flach- und Zwischenmooren.

Typischerweise findet man sie nahe am Ufer in weniger als einen Meter tiefen Bereichen, lose umgeben von anderen Pflanzen. Es wurde sogar nachgewiesen, dass die Gesellschaft anderer Arten, wie z.B. Schilf, Seggen oder auch Rohrkolben das Wachstum der Wasserfalle durch die Abgabe chemischer Substanzen fördert (Adamec 2005, Breckpot 1997). Voraussetzung dafür, dass sich die Nachbarschaft anderer Arten positiv auf die Wasserfalle auswirken kann, ist jedoch, dass die Pflanzendecke offen bleibt – die Wasserfalle kann sich nämlich nicht gegen höher wüchsige Pflanzen durchsetzen!

Die seit über 15 Jahren nicht mehr nachgewiesenen Vorkommen in Brandenburg (Choriner Endmoränenbogen) sind/bzw. waren die letzten Standorte der Art in Deutschland. Dort war die Wasserfalle in mittel-nährstoffreichen Schlenken im schütteren Schilfröhricht mit verschiedenen Wasserschlaucharten (Utricularia minor, U. australis, U. ochroleuca) vergesellschaftet (Herrmann 2002).

Die Pflanze bevorzugt zudem Gewässer mit leicht saurem pH-Wert und einer mittleren Nährstoffverfügbarkeit. Zu hohe Nährstoffkonzentrationen stellen eine Gefährdung dar, aber auch in nährstoffarmen Gewässern kann die Wasserfalle nicht leben (Kaminski 1987).

Als fleischfressende Pflanze ist die Wasserfalle zudem auf Beute angewiesen, welche sie mit zu Fallen umgebildeten Blättern fängt und zersetzt. Da diese Fangblätter sehr empfindlich auf Strömungen reagieren und sich schnell schließen, kommt die Wasserfalle nur in relativ unbewegten Gewässerbereichen vor. In fließendem Gewässer würden sich die Fallen immer wieder unnötigerweise schließen und zudem die wurzellose Pflanze leicht in ungünstigere Wasserbereiche weggetrieben. Frühere Vorkommen der Wasserfalle in Deutschland befanden sich immer an der Westseite von Gewässern, welche wärmebegünstigt sind und nur geringen Wellenschlag zeigen. Ein hohes Vorkommen von tierischen Kleinstlebewesen, wie etwa Wasserflöhen, Insektenlarven oder Einzellern, ist überlebenswichtig für die Wasserfalle.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Im Frühjahr treiben aus den Überwinterungsknospen der Wasserfalle beblätterte Sprosse aus. An der sich verlängernden Endknospe bilden sich immer neue Wirtel von Blättern aus, während am entgegen gesetzten Ende der Achse ein ausgewachsener Wirtel nach dem anderen abstirbt und sich schließlich ablöst. Dieser Alterungsprozess wird beschleunigt, wenn die Sprosse von Algen überwachsen werden, oder sich im Wasser gelöste Teilchen auf den Sprossen absetzen (Adamec 1995). Daher ist es für die Wasserfalle wichtig, dass das Wasser relativ klar ist und wenig gelöste Teilchen vorhanden sind. Unter für die Art optimalen Bedingungen kann die Wasserfalle sogar 1-2 neue Wirtel pro Tag ausbilden und sich reichlich verzweigen. Im Herbst bildet die Wasserfalle anstelle neuer Wirtel an den Enden der Verzweigungen Überdauerungsknospen (Turionen). Diese sind im Gegensatz zur Pflanze widerstandsfähig gegen Frost (Adamec 2003/4). Ihre Aufgabe besteht darin, im Herbst ins wärmere Wasser am Grund des Gewässers abzusinken und im Frühjahr wieder an die Oberfläche aufzusteigen und auszutreiben. Für das Absinken und Wiederauftauchen im Frühjahr haben sich der Huminsäuregehalt des Wassers und die Wassertemperaturen als entscheidende Faktoren herausgestellt (Kaminski 1987). Die Überdauerungsknospen sind relativ unempfindlich gegenüber dem Trockenfallen eines Gewässers – ganz im Gegensatz zur Pflanze selbst. In unserer Region kommt die Wasserfalle in der Regel auch unter optimalen Bedingungen nicht zum Blühen und Fruchten.