Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

In Deutschland wächst das Vorblattlose Leinblatt hauptsächlich in wärmeliebenden Rasen- und Heidegesellschaften über sauren, sandigen Böden (Oberdorfer 2001). Neben diesen Borstgrasrasen, Sandmagerrasen und Heiden werden auch basenreiche anlehmige Standorte besiedelt (Garve 1994, Zach 1955). In Österreich findet man es sogar in Entwicklungsstadien von Pfeifengraswiesen (Ellmauer 2005). Das Vorblattlose Leinblatt scheint eine kulturabhängige Art zu sein, wobei viele der heutigen Vorkommen an Wegrändern und -säumen mit geringer Nutzung zu finden sind. Sie liebt eine niedrigwüchsige, nicht ganz geschlossene Pflanzendecke ohne störende höherwüchsige Konkurrenz, ist allerdings keine ausgesprochene Pionierpflanze (Hauke 2003). Vermutlich spielte die extensive bzw. sporadische Beweidung der Lebensräume in früheren Zeiten eine entscheidende Rolle bei der Schaffung günstiger Wuchsbedingungen.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Aus einer unterirdisch verdickten Sprossachse treiben im Frühjahr die ersten Triebe des Vorblattlosen Leinblatts aus. Im Mai erscheinen dann die unscheinbaren, grünlichen Blüten. Sie werden von Insekten bestäubt und blühen von Mai bis Juni. Bereits im Juni können erste Früchte vorhanden sein, die abfallen und hauptsächlich durch Ameisen ausgebreitet werden (Rothmaler 2002). Insgesamt werden allerdings meist nur noch sehr wenige Samen gebildet (Hauke 2003). Die Fernausbreitung der Samen könnte durch Weidevieh erfolgen bzw. erfolgt sein. Die Vereinzelung der noch vorhandenen Vorkommen und das Fehlen großflächiger Wanderschäferei verhindern allerdings eine Neubesiedlung geeigneter Standorte.

Mit Hilfe unterirdischer Ausläufer kann sich die Pflanze durch eine Vielzahl von Trieben auch vegetativ ausbreiten. Diese Ausläufer sind als Individuen nicht einzeln abgrenzbar und bilden alle zusammen ein sogenanntes Polykormon. Aus diesem Grunde sind die Vorkommen des Vorblattlosen Leinblatts durch eine geringe Anzahl genetisch verschiedener Individuen gekennzeichnet.

Im Herbst sterben die oberirdischen Pflanzenteile ab. Die Überwinterung wird durch die unterirdische Sprossachse gewährleistet (Wagenitz 1981).

Das Vorblattlose Leinblatt ist ein sommergrüner Halbschmarotzer, der mit Hilfe von Saugorganen (Haustorien) Nachbarpflanzen anzapft und damit Wasser und Nährsalze abzweigt. Eine einzelne Pflanze kann zur gleichen Zeit mehrere unterschiedliche Arten als Wirtspflanze nutzen (Hauke 2003).

In ungünstigen Jahren bildet das Vorblattlose Leinblatt keine oberirdischen Triebe aus, sondern überdauert vermutlich unter der Erde.

Verbreitung

Verbreitungskarte