Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Teichfledermaus ist eine in erster Linie gebäudebewohnende Art. Ihre Wochenstubenquartiere befinden sich an oder in Gebäuden wie Wohnhäusern, Ställen oder Kirchen (Dense et al. 1996, Mundt et al. 2010, Schikore & Zimmermann 2000, Sluiter et al. 1971), wobei sie ihre Hangplätze an Firstbalken im Dachraum oder in Spalten versteckt wählt (Dense et al. 1996, Dolch 2001, Mundt et al. 2010, Schikore & Zimmermann 2000, Sluiter et al. 1971). In den Wochenstubenquartieren können sich einige Dutzend bis zu mehrere Hundert erwachsener Weibchen versammeln (Limpens et al. 2000, Roer 2011). Neben dem Wochenstubenquartier nutzen diese zusätzlich mehrere Ausweichquartiere in der Umgebung (Dietz et al. 2007, Mundt et al. 2010, Petermann & Boye 2006). Die Männchen beziehen im Sommer einzeln oder in Männchenkolonien Quartiere in bzw. an Gebäuden oder in Nistkästen und Baumhöhlen (meist Einzelquartiere) in Gewässernähe (Ciechanowski et al. 2007, Dense et al. 1996).

Die Jagdgebiete der Teichfledermaus liegen oft 10-15 km vom Quartier entfernt (Boye et al. 2004, Limpens et al. 2000). Auf dem Weg dorthin orientiert sie sich an linearen Lebensraumelementen wie Baumreihen, Hecken, Wassergräben, langsam fließenden breiten Flüssen und Kanälen. Diese nutzt sie neben größeren Stillgewässern ebenfalls zur Jagd (Britton et al. 1997, Dense et al. 1996, Dietz et al. 2007, Kuijper et al. 2008, Limpens et al. 2000, Meschede & Heller 2000, Roer 2001, Schikore & Zimmermann 2000, Sommer & Sommer 1997, Van de Sijpe et al. 2004). Die Teichfledermaus jagt mit geradlinigem, schnellen Flug (bis zu 35 km/h) dicht über der Wasseroberfläche, häufig in Höhen von bis zu 60 cm. Gelegentlich fliegt sie über den Pflanzenbewuchs am Uferrand. Zeitweise kann sie dabei steil nach oben in mehrere Meter Höhe fliegen (Ciechanowski et al. 2007, Horn 2008, Limpens et al. 2000). Ihre Beute, überwiegend wasserlebende Insekten wie Köcherfliegen, Zuck- und Stechmücken, nimmt sie mit ihren Füßen, der Schwanzflughaut oder dem Maul von bzw. über der Wasserfläche auf (Dietz et al. 2007, Horn 2008, Limpens et al. 2000, Van de Sijpe 2008). Vereinzelt jagt die Teichfledermaus über Wiesen und entlang von Waldrändern. Dabei erbeutet sie Nachtfalter und Käfer (Boye et al. 2004, Britton et al. 1997, Dietz et al. 2007, Sommer & Sommer 1997, Van de Sijpe et al. 2004). Welche Bedeutung Wälder als Jagdgebiete für die Teichfledermaus haben, muss jedoch noch untersucht werden (Meschede & Heller 2000).

Als Paarungsquartiere dienen der Teichfledermaus neben Gebäudequartieren gewässernahe Nistkästen und Baumhöhlen. Paarungen können auch noch in den Winterquartieren stattfinden (Dieterich et al. 1998, Dieterich & Dieterich 1991, Dietz et al. 2007, Grimmberger 2002, Horn 2005, 2006, 2008, Meschede & Heller 2000, Ohlendorf 2004).

Die Teichfledermaus kann geeignete Winterquartiere in der Nähe ihrer Sommerlebensräume aufsuchen (Egsbaek et al. 1971) oder in bis zu mehrere Hundert Kilometer entfernt gelegene Winterquartiere fliegen (Haarsma & Tuitert 2009, Limpens et al. 2000, Mundt et al. 2010, Roer 2011). Die bislang maximal gemessene Entfernung beträgt über 300 km (Sluiter et al. 1971). Die Winterquartiere liegen überwiegend in den an das Tiefland angrenzenden Mittelgebirgsregionen (Dietz et al. 2007). Frostfreie Höhlen, Stollen, Bunker oder Keller werden als Winterquartiere bevorzugt. In den Winterquartieren hängen Teichfledermäuse meist frei an Wänden und Decken, können aber auch Spalten nutzen (Roer 2011).

Das bislang ermittelte Höchstalter der Teichfledermaus beträgt 20,5 Jahre (Masing 1987).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Teichfledermaus verlässt bis Ende März ihr Winterquartier. In dieser Zeit beziehen die ersten Weibchen die Wochenstubenquartiere (Mundt et al. 2010, Sluiter et al. 1971). Die Weibchen sind ab ihrem zweiten Lebensjahr geschlechtsreif und bringen ab Ende Mai, Anfang Juni in der Regel ein Jungtier zur Welt (Haarsma & Tuitert 2009, Roer 2011). Zwillingsgeburten sind selten (Limpens et al. 2000). Ab Mitte Juli, sobald die Jungtiere selbständig sind, lösen sich die Wochenstuben langsam wieder auf (Roer 2011, Schikore & Zimmermann 2000). Die Wochenstubenquartiere sind meistens ab Mitte Oktober vollständig verlassen, selten können einzelne Tiere noch im November dort angetroffen werden (Mundt et al. 2010). In der Zeit der Jungenaufzucht leben die Männchen überwiegend getrennt von den Weibchen in kleineren Gruppen. Diese Männchenkolonien können bis weit in den August hinein bestehen (Boye et al. 2004). Selten sind einzelne Männchen in den Wochenstubenquartieren anzutreffen (Boye et al. 2004, Sluiter et al. 1971). Zur Paarung im Spätsommer suchen die Weibchen die Männchen in den Paarungsquartieren auf. Ab September fliegen die Teichfledermäuse wieder in ihr Winterquartier (Roer 2011). In den Winterquartieren können in den Monaten Oktober bis Januar, sowie kurz nach dem Winterschlaf (März/April) ebenfalls Paarungen stattfinden (Boye et al. 2004, Dietz et al. 2007, Roer 2011).

Ein Zusammenhang zwischen der Lebensweise der Teichfledermaus und der Landnutzung besteht in der Aktivitätsphase der Tiere von Frühjahr bis Herbst. In dieser Zeit und besonders während der Jungenaufzucht (Ende Mai bis Mitte Juli) ist die Teichfledermaus auf insektenreiche Jagdgebiete angewiesen. Daher können Landnutzungen, die die Nahrungsverfügbarkeit verringern, zu starken Beeinträchtigungen der Teichfledermaus führen. Durch die Vergrößerung der Schläge in der Landwirtschaft verschwinden die für die Teichfledermaus wichtigen Lebensraumelemente wie Baumreihen oder Hecken. Diese benutzt die Teichfledermaus hauptsächlich zur Orientierung auf dem Weg von ihrem Quartier zu den Jagdgebieten und teilweise auch zur Jagd.