Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Europäische Sumpfschildkröte ist in offenen, nährstoffreichen, schlammigen Stillgewässern mit ausgeprägten und bewuchsreichen Verlandungszonen zu finden. Die Ufer weisen offene, besonnte, aber deckungsreiche Partien auf. Ihre Aufenthaltsgewässer sind Kleingewässer z.B. Weiher, Sölle (eiszeitliche Toteislöcher), Gewässer in Abtorfungen aber auch Seen und Altarme in Flussauen. In erreichbarer Nähe (günstigstenfalls näher als 300 m) zum Aufenthaltsgewässer müssen geeignete Eiablageplätze vorhanden sein, die einen offenen, trockenen und wärmebegünstigten Charakter aufweisen.

Die Europäische Sumpfschildkröte, die als „echte Wasserschildkröte“ gelten kann, hält sich aber nicht nur im Gewässer bzw. direkten Gewässerumfeld auf. In Folge der Austrocknung der Wohngewässer und zur Zeit der Fortpflanzung können Männchen wie Weibchen Wanderungen unternehmen. Weibchen können auf der Suche nach geeigneten Eiablageplätzen Strecken von mehr als 1.000 m zurücklegen.

Zur Regulierung ihrer Körpertemperatur sind die Schildkröten auf Sonnenplätze im und am Gewässer angewiesen. Diese liegen in den meisten Fällen so, dass die Tiere bei Störung direkt in das Gewässer flüchten können. Gerne werden im Gewässer liegende Baumstämme oder größere Äste zum Sonnenbaden aufgesucht. Zwischen den Phasen des Sonnenbadens verbringt die Europäische Sumpfschildkröte den größten Teil des Tages im Gewässer auf der Suche nach Nahrung.

Europäische Sumpfschildkröten überwintern in Deutschland für gewöhnlich im Gewässer. Überwinterungen an Land, in selbst gegrabenen Höhlen sind die Ausnahme und wohl die Reaktion auf ausgetrocknete Gewässer. In sehr trockenen Sommern, in Verbindung mit dem Austrocknen des Wohngewässers, kann es auch Phasen einer Sommerruhe geben, die die Tiere eingegraben im Gewässerschlamm verbringen.

Die Europäische Sumpfschildkröte nutzt im Frühsommer jede Gelegenheit zur Nahrungsaufnahme. Ihre Beute hängt überwiegend vom Angebot ab. Zu ihr zählen vor allem tierische Nahrung wie Würmer, Schnecken, Gliederfüßler, Kleinkrebse, Fische aber auch Amphibien und deren Larven. Es wird aber auch pflanzliche Nahrung aufgenommen.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Über den Lebenszyklus der Europäischen Sumpfschildkröte im Jahresverlauf liegen sehr unterschiedliche Informationen vor. Die Winterruhe endet in Abhängigkeit vom Wetter meist im März/April. Es sind aber auch frühere Beobachtungen bekannt. Die Paarungszeit liegt durchschnittlich zwischen Mitte März und Mitte Mai, spätere Beobachtungen von Paarungsversuchen liegen für die gesamte Aktivitätsphase vor. Die Eiablage fällt schwerpunktmäßig in die erste Junihälfte, kann aber auch schon Ende Mai erfolgen. Die Jungtiere schlüpfen von Ende August bis Ende September und überwintern in der Regel in den Nesthöhlen (Schneeweiß 2003). Sie sind in der Regel im September festzustellen. Im März/April des Folgejahres verlassen sie die Nester und wandern zum nächstgelegenen Gewässer. Die Winterruhe beginnt in Abhängigkeit vom Wetter gegen Ende Oktober (Fritz & Günther 1996).

Bei der Bewirtschaftung von Flächen innerhalb des Siedlungsgebiets der Europäischen Sumpfschildkröte sind die jahreszeitlich bedingten Aktivitätsphasen der Art zu berücksichtigen. Die Art ist insbesondere gefährdet, wenn im Bereich der Eiablageplätze ein Umbrechen von Gelegestandorten zu befürchten ist.

Mit Gefährdungen der Art während der Winterruhe ist immer dann zu rechnen, wenn in die Überwinterungsgewässer eingegriffen wird (z.B. Grabenräumung).

Zudem fielen in der Vergangenheit zahlreiche Sumpfschildkröten der Reusenfischerei zum Opfer.

Auf ihren Wanderungen sind Sumpfschildkröten zunehmend durch Straßen- und Wirtschaftsverkehr gefährdet.