Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Sumpf-Siegwurz ist eine mittel- und südosteuropäische Art mit einem weltweit verhältnismäßig kleinen Verbreitungsgebiet. In Deutschland kommt sie vom Flachland bis ins Hügelland vor und erreicht am Alpenrand und in den Alpentälern auch höhere Lagen, sofern dort ein besonders wärmegetöntes Lokalklima mit vielen Strahlungstagen (z.B. in stark durch den Föhn geprägten Talzügen) gegeben ist. In Bezug auf den Wasserhaushalt kann die Art einen sehr großen Bereich von wechselnassen bis wechseltrockenen Standorten besiedeln (Ssymank 2006). Standorte, die durchgehend nass sind, werden gemieden. Die Sumpf-Siegwurz wächst in Kalk-Flachmooren und Knollendistel-Pfeifengraswiesen sowie in Erdseggen-Halbtrockenrasen (Riegel 2007). Da die Art nicht nur lichte Standorte besiedelt, findet man sie auch im Halbschatten von Gebüschrändern, sowie in Moor- und Sumpfwäldern. Zu den ursprünglichen Standorten der Sumpf-Siegwurz zählen in Deutschland wechselfeuchte Rutschhänge mit lockeren Pfeifengras-Kiefernwäldern, wechselfeuchte Flutrinnen und Umlagerungsstrecken von Flussläufen.

Die Sumpf-Siegwurz bildet jährlich zur Überwinterung eine neue Knolle, wobei die alte Knolle noch lange Zeit erhalten bleibt (Riegel 2007). Die Knollen sind sehr widerstandsfähig gegenüber Austrocknung, was ein relativ langes Überleben in stark entwässerten Flachmooren, wie z.B. im Münchner Raum, ermöglicht (Quinger et al. 1995). Auf länger andauernde Überflutungen reagiert die Pflanze mit verminderter Blütenbildung.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Sumpf-Siegwurz treibt von Mitte bis Ende Mai die ersten Blätter aus (Ssymank 2006). Zur Blüte kommt die Pflanze dann etwa einen Monat später. Die Hauptblütezeit der Sumpf-Siegwurz liegt zwischen Mitte Juni (Tieflagen) und Mitte Juli (montane Standorte). Die einzelnen Blüten am Stängel der Sumpf-Siegwurz blühen von unten nach oben auf, wobei die Blühdauer (ca. 7-10 Tage) relativ kurz ist (Steingen 1988). Zu dieser Zeit kann die Art auch am besten gezählt werden. Ohne Blütenstände ist die Sumpf-Siegwurz nur sehr schwer zu finden, da sich nichtblühende Individuen mit ihren grasähnlichen Blättern kaum im umgebenden Pflanzenbestand hervorheben. Um den Fruchtansatz nicht zu gefährden, sollte während der Blütezeit die Fläche nicht zu häufig betreten oder befahren werden.

Die Bestäubung der Sumpf-Siegwurz erfolgt durch Hummeln, wie z.B. durch die Gartenhummel (Bombus hortorum) (Herrmann 2000). Eine Selbstbestäubung ist möglich (Kirchner et al. 1934), wird jedoch durch Vormännlichkeit weitgehend vermieden. Vormännlichkeit bedeutet, dass sich die Narben erst nach dem Entleeren der Staubbeutel öffnen und somit kein eigener Pollen zur Befruchtung auf die Narbe der Blüte gelangen kann.

Die Entwicklung der Sumpf-Siegwurz ist auf Feuchtstandorten gegenüber jener auf Kalkmagerrasen um ca. eine bis zwei Wochen verzögert (Quinger et al. 1995). Äußere Witterungseinflüsse können sich sehr stark auf die Blühfähigkeit der Pflanze auswirken. So führen Überflutungen zu einer verminderten Einlagerung von Reservestoffen in die Knolle und damit im Folgejahr auch zu einer niedrigeren Blührate (Peintinger 2000). Auch hohe Temperaturen und damit erhöhter Stress durch Trockenheit führen zu einer geringeren Blührate (Peintinger 2000). Die Samenreife beginnt Mitte August und dauert bis September an. Je Fruchtstand entstehen 2 bis 4 Kapseln, in denen sich braune, ringsum geflügelte Samen befinden (Herrmann 2000). Der Fruchtansatz kann sehr stark variieren und liegt vor allem bei größeren Gruppen oft nur zwischen 25 und 50 % der blühenden Individuen. Die Samen der Sumpf-Siegwurz werden meist nur über relativ kurze Strecken durch den Wind ausgebreitet. Die meisten Samen fallen in der Regel in unmittelbarer Nähe der Mutterpflanze zu Boden. Nachdem die Pflanze verblüht ist, tritt nach etwa drei bis vier Wochen eine Vergilbung der Blätter und Blüten bzw. Fruchtstände ein, was ein Zeichen dafür ist, dass Reservestoffe in die Knolle zurückgezogen werden. Bis Ende September sind die oberirdischen Teile der Pflanze bereits fast vollständig abgestorben. Samen der Sumpf-Siegwurz sind nicht in der Lage, längere Zeit im Boden (in Form einer Samenbank) zu überdauern. Sie keimen im Frühjahr nach der Ausstreu. Daher ist es besonders wichtig, dass im Frühjahr Lücken in der Pflanzendecke für die Keimung vorhanden sind. Die Vermehrung der Sumpf-Siegwurz erfolgt überwiegend geschlechtlich (Ssymank 2006). Eine ungeschlechtliche Vermehrung führt zur Bildung kleiner Trupps von Pflanzen und ermöglicht keine Ausbreitung über größere Distanzen (Ssymank 2006). Zur Überwinterung bildet die Pflanze jährlich eine neue Knolle, die alte Knolle bleibt jedoch noch längere Zeit erhalten. Die unterirdische Knolle der Sumpf-Siegwurz kann auch als Überdauerungsorgan dienen. Bis jetzt gibt es noch keine genauen Angaben über die mögliche Dauer der Ruhezeit (geschätzt werden 5-10 Jahre).