Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Braungrüne Strichfarn wächst in Deutschland ausschließlich auf Serpentin enthaltenden Felsen und Geröll. Er besiedelt schattige bis halbschattige, luftfeuchte Serpentinitfelsen (Vogel & Breckle 1992) und alte, bäuerliche Steinbrüche. Serpentinit wird seit Jahrhunderten abgebaut und inzwischen gibt es auch aufgelassene Steinbrüche. Diese kann der Braungrüne Strichfarn jedoch nur besiedeln, wenn die nötigen Kleinstrukturen (Relief und Klima) vorhanden sind (Vogel & Breckle 1992). Diese sind meist nur in den kleinen bäuerlichen Steinbrüchen gegeben, nicht allerdings in den großen industriellen. In Sachsen konnten serpentinithaltige Abraumhalden vom Braungrünen Strichfarn neu besiedelt werden.

Die deutschen Vorkommen sind auf die hügelige (kolline) bis bergige (montane) Stufe beschränkt. Besonders häufig findet man den Braungrünen Strichfarn in Deutschland in Höhenlagen zwischen 500-600 m ü. NN. Die Wuchsorte weisen oftmals eine starke Neigung von 60-90 % auf (Horn et al. 2001). Ein gehäuftes Vorkommen bei einer bestimmten Ausrichtung der Felsen ist jedoch nicht zu beobachten. Lediglich unbeschattete, südexponierte Hänge werden gemieden, während schattige, luftfeuchte Stellen bevorzugt werden (Vogel & Breckle 1992).

Der Braungrüne Strichfarn besiedelt frische bis mäßig frische Böden. Zumeist befinden sich die Wuchsorte im unteren Bereich von Hängen, wo die Böden schon weiter entwickelt sind und damit einen ausgeglicheneren Wasserhaushalt aufweisen, als die Hanglagen. Die Böden, auf denen der Farn zu finden ist, sind stets sauer, aber relativ stickstoffreich (Horn et al. 2001).

Wie die meisten Farnpflanzen ist auch der Braungrüne Strichfarn eher konkurrenzschwach. Dafür kann er an schattigen Standorten gut wachsen. An die Hälfte der deutschen Wuchsorte gelangt weniger als 20 % des Tageslichts und im Extremfall kommt der Braungrüne Strichfarn auch mit nur 3 % des Tageslichts aus (Horn et al. 2001). Optimal sind für den Strichfarn die Belichtungsverhältnisse in lichten Kiefernaltbeständen; aber auch in dunklen Forsten kann er überleben. Dennoch ist zu starke Beschattung eher abträglich für die Vitalität der Art, ebenso wie volle Besonnung.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Der Braungrüne Strichfarn ist ein mehrjähriger Farn mit kurzem Wurzelspross. Im Frühjahr treiben die Fiederblätter und anschließend auch die sporenproduzierenden Blätter aus. Durch seine farntypische, niedrige Stoffwechselrate ist auch der Braungrüne Strichfarn konkurrenzschwach und wird schnell von Moosen und wüchsigen Pflanzen überwuchert. Dies wird vor allem durch Nährstoffeinträge gefördert (Vogel & Breckle 1992). Viele Standorte sind von Sukzession, d.h. zunehmendem Gehölzaufkommen betroffen. Die optimalen Beschattungsverhältnisse zu schaffen ist schwierig, da zu starke Beschattung nachteilig ist, aber auch zu starke Freistellung der besiedelten Felsen (Horn et al. 2001). Besonders die Konkurrenz von Schlagflurarten und Gräsern wirkt sich negativ auf den Braungrünen Strichfarn aus.

Die Sporen reifen im Sommer (Juli bis August) aus (Käsermann 1999) und besitzen eine hohe Keimfähigkeit (Bennert 1999). Aus den Sporen entwickeln sich Vorkeime, sogenannte Prothallien oder Gametophyten, welche Keimzellen ausbilden. Nach der Befruchtung dieser Keimzellen, welche nur in Anwesenheit von Wasser stattfinden kann, entsteht eine neue Farnpflanze, der sporenproduzierende Sporophyt. Dieser Zyklus und damit die Verjüngung der Bestände werden jedoch verhindert, wenn die alten Farnstöcke durch Kräuter, Gräser und Moose überwachsen werden. So kommt es vor, dass sich trotz hoher Sporenproduktion der Altpflanzen und hoher Keimfähigkeit der Sporen, keine neuen Pflanzen entwickeln können, wenn die Standorte nicht ausreichend gepflegt werden.