Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Sommer-Drehwurz gilt als ausgesprochen konkurrenzschwach und empfindlich gegenüber bereits leichten Veränderungen des Wasserhaushalts. Schwankt der Grundwasserspiegel sehr stark und trocknet der Wurzelraum der Drehwurz vor allem im Sommer zu stark aus, können die Pflanzen dort nicht dauerhaft überleben. Deshalb findet man die Orchidee besonders häufig in Grund- oder Quellwasser gespeisten, kalkhaltigen Nieder- und Hangmooren, sowie an überrieselten Stellen in Bereichen mit Quell- bzw. Grundwassereinfluss, in Verlandungsbereichen von Stillgewässern und Flussauen. Die Pflanze benötigt viel Wärme und Licht und wächst daher bevorzugt an eher schütter bewachsenen Stellen ihres Lebensraumes, an welchen das Sonnenlicht ungehindert bis zu den Rosettenblättern vordringen kann. Die Standorte der Sommer-Drehwurz sind geprägt durch Vorkommen vom Rostroten Kopfried (Schoenus ferrugineus), in selteneren Fällen auch vom Schwarzen Kopfried (Schoenus nigricans), der Stumpfblütigen Binse (Juncus subnodulosus) oder der Steif-Segge (Carex elata). Allerdings wächst sie nur an Stellen mit einer lückenreichen Pflanzendecke der genannten Sauergräser. Dort können sich kleinwüchsige Begleit-Pflanzen erfolgreich etablieren, so zum Beispiel die typischen Begleiter der Sommer-Drehwurz: der Langblättrige Sonnentau (Drosera longifolia), das Breitblättrige Wollgras (Eriophorum latifolium), die Gewöhnliche Simsenlilie (Tofieldia calyculata), die Mehlprimel (Primula farinosa) oder Fettkraut-Arten (Pinguicula vulgaris und P. alpina).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Aus einer unterirdischen Speicherwurzel entwickelt sich eine aus drei bis fünf hell- bis gelblichgrünen Blättern bestehende Blattrosette. Die Rosettenblätter sind bis zu 14 cm lang und wachsen aufrecht nach oben.

Die Fortpflanzung der Sommer-Drehwurz kann sowohl über Samen, wie auch vegetativ durch Speicherwurzeln erfolgen. Als Bestäuber der Orchideenblüte kommen Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und nachtaktive Motten in Frage (Käsermann 1999, Künkele & Baumann 1998). Die Blütezeit beginnt in Deutschland Anfang Juli (Hauptblütezeit Ende Juli bis Ende August), während erste Samen bereits im August, hauptsächlich aber Mitte bis Ende September reifen. Untersuchungen zeigten, dass der Fruchtansatz der Sommer-Drehwurz bis zu 70 % erreichen kann, was aber witterungs- und standortbedingt stark schwanken kann (Künkele & Baumann 1998). Die staubfeinen Samen der Sommer-Drehwurz werden vor allem durch Wind und mitunter auch durch Wasser ausgebreitet. Trotzdem kommt es kaum zur Neubegründung von Vorkommen, da geeignete Lebensräume meist sehr weit voneinander entfernt liegen und nicht durch die Samen erreicht werden können. Die vegetative Bildung von Speicherwurzeln führt dazu, dass mehrere Rosetten oft in enger Nachbarschaft zueinander zu finden sind und regelrechte Büschel von Blattrosetten entstehen. Die Bildung solcher Tochterrosetten wird besonders angeregt, wenn die Pflanzen während ihres Entwicklungszyklus, z.B. zur Blütezeit, abgemäht werden.

In Feuchtgebieten entstanden offene Bereiche vor allem durch traditionelle landwirtschaftliche Nutzungsformen. Streuwiesen, also ungedüngte Wiesen auf feuchten Böden, wurden früher jährlich im Herbst zur Produktion von Einstreu für den Stall gemäht. Die Mahd erfolgte relativ kleinflächig und zu verschiedenen Zeitpunkten im Herbst. Seit den 1960er Jahren wird dies aus wirtschaftlichen Gründen kaum noch gemacht. Viele der ursprünglichen Streuriedwiesen werden entwässert, intensiv gedüngt oder brach fallen gelassen. Die Zunahme konkurrenzkräftigerer Pflanzen durch den Eintrag von Nährstoffen auf der einen Seite und die schwere Schädigungen des Wasserhaushalts durch die Nutzung großer Landmaschinen auf der anderen Seite führen zu einer starken Bedrohung der empfindlichen Sommer-Drehwurz.