Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Weltweit hat der Schwertwal vielfältige Lebensräume besiedelt und dabei unterschiedlichste Anpassungen entwickelt. Er ist ein ausgesprochen sozialer Delfin, der ständig in meist kleineren Gruppen lebt und jagt. Der tägliche Nahrungsbedarf wird auf 4 % des Körpergewichts geschätzt (Heyning & Dahlheim 1988). Manche Populationen ernähren sich ausschließlich von Fischen, z.B. vorwiegend von Lachsen (in Kanada), Heringen (in Norwegen) oder Haien und Rochen (in Neuseeland). Andere Vorkommen hingegen (z.B. im Nordpazifik, Argentinien, Kerguelen) jagen meist in Gruppen andere Meeressäugetiere, wie z.B. Robben oder sogar große Wale. Dabei verzichten sie dann vorübergehend auf ihre vielfältigen Lautäußerungen, um ihre Beute nicht zu warnen. Im Laufe eines Jahres können sie Hunderte von Kilometern zurücklegen: So wurden in anderen Teilen der Welt für mittels Foto identifizierte Individuen bereits Wanderungen von 300-700 km nachgewiesen (z.B. in Argentinien und Neuseeland, Harris 1998 bzw. Bräger & Schneider 1998). Als „Keiko“ (bekannt aus dem Film „Free Willy“) 2003 bei Island freigelassen wurde, schwamm er von dort nach Norwegen, bevor er starb.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Über den Lebenszyklus europäischer Schwertwale ist wenig bekannt. Allgemein leben Schwertwale in sozialen Verbänden, deren Mitglieder manchmal miteinander verwandt sind und ihr ganzes Leben in diesen stabilen Verbänden bleiben. In Westkanada, wo die am besten untersuchten Populationen leben, werden solche Gruppen meist vom ältesten Weibchen angeführt. Die Weibchen gebären alle 4-6 Jahre nach einer langen Tragezeit von 15-18 Monaten ein einziges Kalb, welches mehrere Jahre von der Mutter abhängig ist, bevor es selbständig wird. Für den Nordost-Atlantik wird die Paarungszeit zwischen Spätherbst und Mittwinter angegeben (Heyning & Dahlheim 1988), was zu einer Hauptkalbungszeit zwischen April und September führen würde. In Westkanada werden die meisten Kälber im Herbst geboren (Ford 2009). Geschlechtsreif werden die Jungtiere erst im Alter von 10-15 Jahren. Schwertwale können in der Freiheit bis zu 90 Jahre alt werden, doch dürften die meisten wohl kaum älter als 40-60 Jahre werden. Durch diese lange Lebenserwartung können sich jedoch auch relativ kleine Einflüsse aufsummieren und nachteilig auf Schwertwale auswirken. Menschliche Nutzungsaktivitäten im Meer können das Vorkommen und die Verbreitung des Schwertwals in vielfältiger Weise beeinflussen, indem sie entweder die zur Verfügung stehende Nahrungsgrundlage verändern oder die Gesundheit der Tiere beeinträchtigen. Fischfressende Schwertwale, wie z.B. die des norwegischen Bestandes, haben Schwierigkeiten, ihren hohen Energiebedarf zu decken, wenn die Bestände der pelagischen Fischarten, die in großen Schwärmen vorkommen, zu stark befischt werden. Die schleichende Vergiftung mit von Menschen gemachten Umweltgiften reichert sich im Körper dieser langlebigen Tiere an und kann das Immunsystem beeinträchtigen oder zu Unfruchtbarkeit führen. Unterwasserlärm kann das Gehör schädigen oder die lebensnotwendige Kommunikation behindern. Dichter Verkehr und schnell fahrende Fahrzeuge können zu Zusammenstößen führen, die zu schweren Verletzungen oder zum Tod des Schwertwals führen, oder den sozialen Zusammenhalt empfindlich stören, z.B. zwischen Mutter und Kalb. Da nordwesteuropäische Schwertwale im Jahresverlauf über Tausende von Quadratkilometern streifen, sind keine Gegenden mit besonderer Bedeutung für die Paarung oder zur Geburt der Kälber bekannt. Ein ostpazifischer Bestand im US-amerikanisch-kanadischen Grenzbereich (die sogenannten „Southern Residents“) mit kleinerem Jahresaufenthaltsgebiet lebt zum Teil ganzjährig in Gewässern mit starkem Schiffsverkehr und nimmt seit der kommerziellen Verfolgung in den 1970er Jahren ab