Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Schweinswal lebt in kleinen Gruppen meist in Gebieten bis 200 m Wassertiefe, wo er bodenlebende Fische jagt. Dazu bedient er sich, wie alle Zahnwale, seiner Echoortung, mit der er – ähnlich wie Fledermäuse – sich orientiert und seine Beute findet und fängt. Die Reichweite dieser akustischen Orientierung mit Ultraschall hängt jedoch stark vom Umgebungslärm ab (Maskierung). Außerdem kann das empfindliche Gehör der Schweinswale leicht durch menschlichen Lärm geschädigt werden (Bräger & Zweifel 2009).

Für den Schweinswal sind bisher eine Vielzahl von Nahrungsfischarten festgestellt worden: Hering, Seehecht, Lodde, Sprotte und Wittling (Read 1999) sowie Sardine, Stint, Sandaal, diverse Plattfische, Stintdorsch und Aalmutter (Santos & Pierce 2003). Der Schweinswal wird daher oft als Nahrungsopportunist bezeichnet, doch zeichnen sich je nach Meeresgebiet und Jahreszeit deutlich Vorlieben ab. In der Ostsee finden sich z.B. Hering, Dorsch, Wittling, Sprotte und Sandaal häufig in Schweinswalmägen (Sveegaard 2011). Manche dieser Fischarten, wie z.B. der Hering, legen typische saisonale Wanderungen zurück, denen Schweinswale teilweise zu folgen scheinen, denn in bestimmten Jahreszeiten stimmt ihr Auftreten in hohem Maße mit dem ihrer bevorzugten Beutefische überein (Sveegaard 2011).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Im Vergleich mit anderen Zahnwalen haben Schweinswale einen relativ schnellen Lebenszyklus (Read & Hohn 1995): Weibchen werden bereits mit 3-4 Jahren geschlechtsreif und haben dann jedes Jahr ein Kalb, was bedeutet, dass sie ständig ein Junges säugen, während sie schon mit dem nächsten schwanger sein können. Die ältesten festgestellten Tiere waren immerhin 24 Jahre alt. Menschliche Nutzungsaktivitäten im Meer können den Lebenszyklus des Schweinswals in vielfältiger Weise beeinflussen, wobei sie meist die Gesundheit der Tiere beeinträchtigen. Insbesondere die Fischerei mit sogenannten Stellnetzen kann in Gebieten mit großer Netzdichte zu hohen Beifängen führen (z.B. Vinther & Larsen 2004). Auch das Überfischen der Nahrungsfische oder die Veränderung ihres Vorkommens z.B. durch Klimaveränderungen könnte schwerwiegende Folgen für die Schweinswale haben (MacLeod et al. 2007).

Schifffahrt und industrielle Offshore-Aktivitäten, wie z.B. seismologische Erkundungen und Explosionen oder das Rammen von Fundamenten für Windkraftanlagen oder andere Bauwerke erzeugen unter Wasser Lärmpegel, welche die Schweinswale zum Verlassen bevorzugter Jagdgründe zwingen können oder gar ihr empfindliches Gehör schädigen (z.B. Evans 2008). Die Anreicherung von Umweltgiften in der Nahrungskette führt zu hohen Konzentrationen in den Geweben der Schweinswale, welche ihr Immunsystem schädigen oder ihre Fruchtbarkeit reduzieren.