Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Lebensraum des Schwarzen Apollos sind sonnige, lichtdurchflutete Laub- und Mischwaldränder mit vor- oder eingelagerten blütenreichen Wiesen und Säumen, die reiche, aber lockere Lerchenspornbestände aufweisen. Die Art nutzt vor allem Übergangslebensräume zwischen geschlossenem Wald und offenen Flächen, sogenannte Ökotone. Dies können Waldmäntel, Säume und Raine sein, aber auch Lichtungen, Schneisen und Schlagfluren oder Hecken- und Gebüschkomplexe. In den Alpen findet man ihn außerdem auf verbuschenden Wiesen, Weiden und Alpendostfluren. Wesentlich ist dabei, dass die Raupennahrungspflanze Lerchensporn an sonnigen und frischen Standorten vorkommt (Drews 2003, Leopold et al. 2005).

Die Raupen sind auf Lerchensporn als Nahrung spezialisiert. Insbesondere der Mittlere und Hohle Lerchensporn (Corydalis intermedia und C. cava) sind als Raupennahrung bekannt. Regional wird jedoch auch auf andere Lerchensporn-Arten hingewiesen, wie z.B. in der Schweiz auf den Gefingerten Lerchensporn (Corydalis solida), während der Gelbe Lerchensporn (Corydalis lutea) dort nicht genutzt wird, da er im Allgemeinen nur eine Gartenpflanze ist (SBN 1987). Hasselbach (in Weidemann 1995) verweist dagegen auf die Nutzung des Gelben Lerchensporns in den Südalpen.

Die Falter benötigen ein großes Nektarangebot, sie sind bei der Wahl ihrer Nektarpflanzen aber nicht besonders wählerisch. Die Angaben der Nektarpflanzen (z.B. Drews 2003, Weidemann 1995, Ebert & Rennwald 1991, Kudrna & Seufert 1991) zeigen die breite Streuung. Für den Vogelsberg, wo der Schwarze Apollo inzwischen ausgestorben ist, gibt es eine alte Angabe: „Die Falter besaugen fast alle vorhandenen Blüten“ (Lederer 1938, in Ebert & Rennwald 1991).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Falter des Schwarzen Apollos fliegen von Mitte Mai bis Mitte Juli (Drews (2003) mit der Hauptaktivität meist Ende Mai bis Anfang Juni, in den letzten Jahren auch früher, im Extremfall mit einem Flugzeitbeginn um den Monatswechsel April/Mai. Dabei fliegen die weitaus aktiveren Männchen meist niedrig über der Pflanzendecke, um ruhende (frisch geschlüpfte und damit unbegattete) Weibchen oder Nektarpflanzen zu finden. Der Schwarze Apollo fliegt nur bei Sonnenschein. Bei aufkommender Bewölkung lassen sich die Tiere meist auf Pflanzen nieder und zeigen Sonnverhalten oder verkriechen sich in der Gras-/Krautschicht. Wichtig ist daher trotz der im Wald oder Waldnähe liegenden Lebensräume die gute Besonnung. Mit steigender Temperatur und Sonnenscheindauer erhöht sich gleichzeitig die Flugaktivität der Falter.

Nach der Begattung, die in der Regel kurz nach dem Schlupf erfolgt, beginnen die Weibchen mit der Eiablage. Sie landen dazu recht abrupt in niedrigen Schichten der Pflanzendecke und kriechen nach unten oder lassen sich regelrecht zu Boden fallen, wo sie oft herum kriechen, um die Eier an geeigneten Stellen abzulegen. Zu dieser Zeit ist der Lerchensporn schon vertrocknet und oft nicht mehr sichtbar, so dass die Weibchen die richtigen Stellen ohne grünende Nahrungspflanzen finden müssen. Es wird angenommen, dass sie chemische Signale über reibende Bewegungen mit den Geruchsorganen in den Vorderbeinen aufnehmen und so die Nahrungspflanzen lokalisieren (vgl. Konvička & Kuras 1999). Das Ei wird bodennah an dürre Pflanzenteile des Lerchensporns (soweit vorhanden), meist aber an Grashalme, andere Pflanzen, dürre Stängel, Holz, Steine, etc. abgelegt. Die Eier werden meist einzeln, manchmal auch bis zu 3-4 Eier zusammen abgelegt.

Die Weibchen legen nur sehr wenige Eier, maximal 40 bis 60 oder 70 Stück (Lederer 1937, Bink 1992, Trusch & Hafner 2005). Ein großer Teil der Eier entwickelt sich erst während der Flugzeit des Weibchens. Der Schwarze Apollo ist daher darauf angewiesen, dass ausreichend Nektarquellen für die Eientwicklung vorhanden sind und geringe Ausfallraten bei der Entwicklung der Eier und Raupen auftreten.

Die wenigen bisher beobachteten und dokumentierten Eiablagen zeigen eine Präferenz für lichte Stellen (Kudrna & Seufert 1991, Trusch & Hafner 2005, Konvička & Kuras 1999), während der Lerchensporn auch sehr viel schattiger wächst. Für die Raupen ist eine gute Besonnung lebensnotwendig, da sie sonst ihre Entwicklung im Frühjahr nicht vollziehen können. Wie lange die Besonnung genau sein muss, ist noch unbekannt. Auch inwieweit eine stärkere Besonnung unter Laubbäumen, die zur Zeit der Raupenentwicklung noch nicht ausgetrieben haben, vorteilhaft ist, konnte nicht geklärt werden. Es gibt jedoch verschiedene Beobachtungen, dass die Falter nicht in schattige Bereiche fliegen, dort also auch keine Eier ablegen.

Die Überwinterung erfolgt im Ei, wobei die Raupe bereits voll entwickelt ist. Sie schlüpfen im Frühjahr bei Austrieb des Lerchensporns, meist im März, in kühleren Lagen oder Jahren auch erst Anfang April. Die tagaktiven Raupen sind meist schwer zu finden, da sie nur zur Nahrungsaufnahme bei Sonnenschein an den Nahrungspflanzen hinauf steigen. Ansonsten sonnen sie sich ausgiebig, bevorzugt auf Steinen und letztjährigen, trockenen Laubblättern. Wenn es ihnen zu heiß wird oder es bewölkt und regnerisch ist, verkriechen sie sich in der Streu, unter Wurzeln oder Steinen. Die Entwicklung der Raupe verläuft in nur vier Stadien. Verpuppungsreife Raupen wurden Ende April bis Anfang Mai in der Rhön gefunden (Kudrna & Seufert 1991), auf der Schwäbischen Alb auch noch bis Mitte Mai. Die anschließende Verpuppung findet in einem dichten, fest gesponnenen Kokon unter dürrem Laub statt. Das Puppenstadium dauert etwa 26 Tage (Bink 1992).

Insgesamt wird damit deutlich, dass sowohl Nektarpflanzen als auch Raupennahrungspflanzen in ausreichender Nähe zueinander notwendig sind. Die lichten Baum- und Waldbestände mit Lerchensporn müssen offen erhalten werden. Bei den Landnutzungsaktivitäten muss dies berücksichtigt werden und solche Bereiche dürfen z.B. nicht als Lagerplatz genutzt werden, wie dies an Weg- und Waldrändern oft geschieht. Auch bei der Mahd von angrenzenden Nektarflächen muss die Funktion als Nahrungs-Lebensraum der Falter bis zum Ende der Flugzeit erhalten bleiben.