Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Schierlings-Wasserfenchel wächst an den schlickigen Ufern von Prielen und Buhnenzwischenräumen des Süßwasser-Gezeitenbereichs der Elbe. Diese Abschnitte werden von Ebbe und Flut der Nordsee beeinflusst, der Wasserkörper wird allerdings vom Süßwasser der Elbe bestimmt. Die regelmäßigen Tide-Überflutungen führen zu einem Wechselspiel von Bodenabtrag und -anschwemmung. Als kurzlebige Art mit eher gering ausgebildetem Wurzelwerk bevorzugt der Schierlings-Wasserfenchel wenig- oder unbewachsene Schlammböden in strömungsberuhigten Bereichen der Elbe (Below 2001, Hauke 2003). Neben Schlickböden besiedelt der Schierlings-Wasserfenchel auch Sandböden, allerdings zählen diese nicht zu seinen bevorzugten Wuchsorten, da er dort leicht ausgewaschen werden kann. Er wächst in einer spezifischen Gewässerzone: diese umfasst im Maximum einen Bereich von 170 cm unter dem mittleren Tidehochwasser bis 10 cm darüber. An seiner unteren Vorkommensgrenze stehen die Pflanzen bei jeder Flut ungefähr vier Stunden unter Wasser, die hoch gelegenen Pflanzen dagegen nur ca. zwei Stunden. Der Optimalbereich liegt laut Below (2001) zwischen 30 und 170 cm unter dem Mitteltidehochwasser.

Auch wenn der Schierlings-Wasserfenchel nicht als absoluter Erstbesiedler anzusehen ist, so ist er dennoch auf Lücken in der Pflanzendecke angewiesen (Neubecker pers. Mitt.). Er taucht entweder in einem sehr frühen Besiedelungsstadium zusammen mit typischen Arten wie dem Wasserpfeffer (Polygonum hydropiper) und der Echten Brunnenkresse (Nasturtium officinale) oder aber in Lücken von Röhricht (v.a. Schilfrohr – Phragmites australis) bzw. im Halbschatten von Baumweiden angrenzend an die Röhrichtzone auf (Below et al. 1996). Um geeignete Bereiche besiedeln zu können, müssen Samen diese direkt erreichen können (Hauke 2003). Dies geschieht hauptsächlich durch Wasserströmungen, die die zu tausenden pro Individuum gebildeten Samen verdriften. Eben diese Strömungen sind auch für das Verlagern von Boden und der darin befindlicher Samen (Samenbank) verantwortlich (Below 1999). Die Samen sind nicht an eine Ausbreitung durch Vögel angepasst, was die eingeschränkte Verbreitung im Elbgebiet erklären könnte.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Der Schierlings-Wasserfenchel blüht von Juni bis Juli und wird durch Schwebfliegen, Käfer und Bienen bestäubt. Eine Selbstbestäubung ist nicht möglich. Nach der anschließenden Samenreife sterben die Pflanzen Ende August ab (Below 1999). Die fast zwei Tage schwimmfähigen Samen werden mit den Wasserströmungen oder dem Bodenmaterial verbreitet und können sowohl am Grund als auch im Wasser keimen und werden anschließend an geeinigte Wuchsstandorte weiterverfrachtet (Below 1999, Hauke 2003). Untersuchungen haben gezeigt, dass die Keimung der Samen durch wechselnde Temperaturbedingungen gefördert wird und dadurch das Erkennen von Lücken in der Pflanzendecke bzw. von nicht überfluteten Bereichen möglich ist (Jensch & Poschlod 2008). Die Samen keimen vorwiegend im Herbst und überdauern den Winter als Rosette. Eine dichte Laubstreuauflage kann sich negativ auf die Überwinterungsfähigkeit auswirken. Ein zweiter Keimungszeitpunkt liegt im Frühjahr. Die Pflanzen benötigen dann ein weiteres Jahr, um zur Blüte zu gelangen.

Ein Teil der im Boden befindlichen Samen kann auf unbewachsenen und elbfernen Spülflächen, die durch Ausbaggerungen entstehen, kurzfristig neue Vorkommen gründen. Diese werden jedoch schnell von dichterem Pflanzenbewuchs verdrängt (Hauke 2003).