Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Schlitzblättrige Beifuß kommt typischerweise im kontinentalen Osteuropa und den Steppengebieten Zentralasiens vor (Hegi 1987). Dort ist die Art relativ häufig und in ihrer Existenz ungefährdet. In Mitteleuropa dagegen sind viele ursprüngliche Vorkommen mittlerweile ausgestorben. Sie waren meist Bestandteil von Sonderstandorten, wie etwa den natürlicherweise seltenen Binnenlandsalzstellen (Hauke 2003). Derzeit existiert nur mehr ein Fundpunkt in Mitteleuropa. Diese Reliktpopulation liegt ca. 3.000 km vom Hauptverbreitungsgebiet entfernt. Am nordöstlichen Ufer des Neusiedler Sees im Burgenland siedelt die Art in einer wechselfeuchten, leicht salzbeeinflussten Pfeifengraswiese. Das nur mehr wenige Individuen umfassende Vorkommen dort reagiert sehr empfindlich auf ein Trockenfallen der feuchten bzw. wechselfeuchten Wiesenstandorte und verschwindet daher bei Absenkungen des Grundwassers sehr schnell (Ellmauer 2005).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Der Schlitzblättrige Beifuß besitzt ein unterirdisches Ausläufersystem, aus dem sich im Frühjahr die mehrjährige, sommergrüne Staude entwickelt. Die Blütentriebe der Pflanzen können mit bis zu 75 cm relativ hoch werden und besitzen zahlreiche Blütenköpfchen. Die Ausbildung des rispenartigen Blütenstandes ist in Mitteleuropa vermutlich stark von äußeren Bedingungen und dem Standort abhängig. Nimmt der Bewuchs im Lebensraum infolge unzureichender oder fehlender Pflege bzw. Veränderungen des Grundwasserhaushaltes zu, bleibt die Bildung eines Blütenstandes aus. Langfristig kann die Verbuschung der Lebensräume somit zum Verschwinden eines Vorkommens führen. Mit der Fähigkeit zur Bildung von Tochterindividuen ist die Art gut an Lebensräume angepasst, die regelmäßig gemäht werden. Die Blütezeit fällt in den Spätsommer bzw. Herbst und findet damit erst relativ spät im Jahr statt. Richtig gewählte Mahdzeitpunkte spielen daher eine entscheidende Rolle für die erfolgreiche Ausbildung der Samen. In der noch existenten österreichischen Population erfolgt die Vermehrung der Art in erster Linie vegetativ (Ellmauer 2005). Aufgrund der relativ unauffälligen Blütenköpfchen findet die Bestäubung der Blüten wohl hauptsächlich durch den Wind statt. Eine Bestäubung durch Insekten ist allerdings nicht grundlegend ausgeschlossen. Die Früchte werden hauptsächlich über kurze Strecken durch den Wind ausgebreitet, wobei größere Entfernungen und damit neue Lebensräume möglicherweise durch das Anhaften der Früchte an das Fell von Tieren erreicht werden könnten. Allerdings ist eine Wiederbesiedelung deutscher Standorte auf natürlichem Wege wohl weitgehend ausgeschlossen.