Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Das Scheidenblütgras gehört mit einer Höhe von nur einem bis maximal 15 cm zu den kleinsten Gräsern der mitteleuropäischen Flora (Kriechbaum & Koch 2001). Es besiedelt periodisch trockenfallende, dennoch im Wurzelbereich immer wassergesättigte, saure, nährstoffarme und sandig-schlammige Böden. Es wächst in kurzlebigen, lückigen Zwergbinsen-Gesellschaften im Uferbereich von nährstoffarmen bis mäßig nährstoffreichen Gewässern, im Schlamm trocken gelegter Teiche, an Bach- und Flussufern und Altwasserrändern. Es gilt als sehr selten und unbeständig, da es sobald der Boden überflutet wird, wieder verschwindet und für längere Zeit verschwunden bleiben kann (Rozhevits & Shishkin 1985). Die Samen können lange in überfluteten Böden überdauern, ohne ihre Keimfähigkeit zu verlieren, nach älteren Angaben bis zu 20 Jahre und mehr (Hejný 1969). Dank dieser langlebigen Samenbank kann selbst nach mehreren Jahren ohne Nachweis nicht auf das Erlöschen des Bestandes geschlossen werden (Bensettiti et al. 2002).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Der Lebenszyklus des Scheidenblütgrases ist extrem kurz und bereits nach 6 bis 7 Wochen abgeschlossen. In einem Sommer können daher teilweise sogar zwei Generationen auflaufen (Kriechbaum & Koch 2001). Dabei ist die Entwicklung des Scheidenblütgrases eng an die periodischen Wasserstandsschwankungen seines Lebensraumes gekoppelt. Fallen die Standorte trocken, keimen die Samen und wachsen schnell zu Jungpflanzen heran. Je länger die Landphase andauert, desto größer werden die Pflanzen und desto höher ist auch die Samenproduktion. Das Scheidenblütgras profitiert daher besonders von traditioneller Weiherwirtschaft und einer gelegentlichen Sömmerung der Weiher. Eine frühzeitige Überflutung der Standorte überleben die Pflanzen nicht. Die Blütezeit erstreckt sich in Deutschland meist von August bis Oktober (Hauke 2003). Es werden zahlreiche Samen ausgebildet, die lange im Boden überdauern können. Die Ausbreitung der Samen kann über Sumpf- und Wasservögel erfolgen, die die Samen mit dem an den Füßen haftenden Schlamm transportieren (Kriechbaum & Koch 2001). Nach der Blüte und Samenreifung sterben die Pflanzen ab. Bei guten Bedingungen kann die Art auch im Herbst keimen und den Winter überdauern.

Eine Besonderheit des Scheidenblütgrases sind die starken Schwankungen der Bestandsgröße. Auf ein Massenauftreten der Art kann ein mehrjähriges Ausbleiben folgen. Schlechte Keimbedingungen in den oberen Bodenschichten werden hierfür als Ursache vermutet.