Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Larven des Scharlachkäfers entwickeln sich in stehendem und liegendem Laubtotholz, seltener im Totholz von Nadelholzarten. Bevorzugte Bruthölzer sind in den Auen Pappelarten (Populus spp.) und Silberweide (Salix alba), im Bergmischwald Rotbuche (Fagus sylvatica) und Bergahorn (Acer platanoides).

Im Gegensatz zu den Fundstellen der jüngeren Larven an den Bäumen sind die älteren Larvenstadien auch in Stammbereichen anzutreffen, deren Feuchtemilieu mäßig feucht bis mäßig trocken ist. Rinde und Splint dieser Stammbereiche sind durch Larventätigkeit anderer Insekten bereits stark zersetzt. Alles Holz, das von Larven besiedelt wird, ist auch verpilzt. Die Schichten zwischen Bast und Wachstumsschicht der Bäume sind weißlich bis schwärzlich und zum Teil von Pilzsträngen durchzogen. Es ist davon auszugehen, dass die Pilzbesiedlung den unter der Rinde befindlichen Lebensraum der Larven erschließt.

Die fehlenden Nachweise aus der Zeit zwischen 1950 und 1980 in Deutschland sind sicherlich auch Folge des großflächig sehr geringen Angebots an stärkerem Totholz in der Nachkriegszeit. Mit der Umstellung auf fossile Brennstoffe und einer Mitte der 80er Jahre einsetzenden Duldung und Förderung von Totholz im Wald hat sich das Brutmaterialangebot inzwischen wieder kontinuierlich und großräumig verbessert.

Eine verstärkte Totholzanreicherung als Folge der Tätigkeit von Bibern in den Fluss- und Bachauen in den letzten Jahrzehnten könnte ebenfalls den Aufbau individuenreicherer Vorkommen und eine Ausbreitung der Art ermöglicht haben (Bussler 2002). Der Scharlachkäfer ist in seinem räumlich begrenzten Gebiet in Deutschland keine seltene Art, sondern kommt dort heute häufig auch in vom Menschen stark beeinflussten Lebensräumen vor.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Larvenentwicklung des Scharlachkäfers dauert mindestens zwei Jahre, wahrscheinlich aber drei Jahre. Sowohl während der Larvalentwicklungszeit als auch während der Aktivitätsphase der Käfer können sich land- und forstwirtschaftliche Aktivitäten direkt auf die Vorkommen auswirken. Durch den begrenzten Aktivitätsradius der Art sind die von der Art eingenommenen Räume während des gesamten Lebenszyklus identisch. Die jüngeren Larven werden unter anderem an Bäumen gefunden, die vor circa sechs Monaten gefällt wurden. Jedoch wurden diese Larvenstadien auch in geringeren Stückzahlen an Bäumen angetroffen, die sicherlich seit zwei bis drei Jahren abgestorben waren, aber im Stammbasisbereich oder auf der Schattseite noch kleinflächig fest ansitzende Rinde und noch feuchte Bastzwischenschichten aufwiesen. Die älteren Larvenstadien sind in Bäumen zu finden, die seit über einem bis maximal fünf Jahren abgestorben oder gelagert wurden. Stärkere Dimensionen des Brutsubstrats werden bevorzugt vom Scharlachkäfer genutzt und ermöglichen die höchsten Besiedlungsdichten. Für ein dauerhaftes Überleben ist somit ein ausreichendes Angebot an stärkerem Totholz in Auwäldern und Bergmischwäldern durch entsprechende forstwirtschaftliche Maßnahmen notwendig.

Die Verpuppung der Larven erfolgt im Juli. Nach etwa zwei bis drei Wochen Puppenruhe schlüpfen die Käfer, wobei diese unter der Rinde bleiben. Diese sehr kurze Puppenzeit und die ungewöhnlich lange Verweildauer der Käfer bis zum nächsten Frühjahr an der Schlupfstätte, ist damit zu erklären, dass die Art die möglichen Hochwässer in den Auen auf diese Art und Weise meidet. Nur die Käfer sind aktiv in der Lage einem steigenden Wasserstand bei Überflutung zu entgehen.

Die Aktivitätszeit der Käfer mit Paarung und Eiablage ist relativ kurz und dauert je nach Höhenlage von April bis Juni. Ein zu geringes Angebot an geeignetem Brutsubstrat während der kurzen Aktivitätsphase der Käfer hat Einfluss auf die erfolgreiche Eiablage. Die ausgewachsenen Käfer sind wohl auch wegen der kurzen Aktivitätsphase selten und nur in dieser Zeit außerhalb des Entwicklungssubstrates nachzuweisen. So wurden mit Hilfe von Flugfensterfallen in einem böhmischen Auwald mehrere Exemplare der Art zwischen Mitte April und Ende Mai gefangen (Schlaghamersky et al. 2008). In den letzten Jahren wurde besonderes Augenmerk auf die Präsenz der Larven bei der Kartierung gelegt. Dadurch konnten viele vorher unbekannte Vorkommen des Scharlachkäfers entdeckt werden.