Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Während die Sand-Silberscharte in ihrem Hauptverbreitungsgebiet auch auf Schwarzerde, Löss und tonigen Böden vorkommt, findet man sie in Mitteleuropa auf sommerwarmen, meist kalkhaltigen Sandböden. Laut Oberdorfer (2001) wächst sie in sonnigen, mageren Dünenrasen oder Kiefernwaldlichtungen. Sie bevorzugt offene Sandmagerrasen mit stark lückigem Pflanzenbewuchs, die bereits weitgehend festgelegt sind (Hauke 2003). Trotzdem ist sie keine ausschließliche Sandmagerrasenart und besiedelt auch sandige Überdeckungen über Porphyrfelsen, wie im Saaletal bei Halle, oder Kreidesandstein im nördlichen Harzvorland (Elsner 2001). Im nördlichen Oberrheingebiet gilt sie als Charakterart der sogenannten Sand-Silberscharten-Blauschillergras-Gesellschaft (Jurineo-Koelerietum glaucae), eine endemische Pflanzengesellschaft, die offene Kalkflugsande besiedelt. In Bayern gehört sie zur endemischen Pflanzengesellschaft der Sand-Steinkraut-Sand-Silberscharten-Gesellschaft (Alyssum gmelinii-Jurinea cyanoides-Gesellschaft) auf Sandgrasheiden.

Um mit den extremen Bedingungen dieses Lebensraumes, wie der Nährstoffarmut und den zeitweise austrocknenden Böden zurecht zu kommen, besitzt die Pflanze spezielle Anpassungen. Ein tiefgehendes (bis zu 2,50 m Tiefe) und weitverzweigtes Pfahlwurzelsystem ermöglicht es der Sand-Silberscharte auch Trockenphasen zu überdauern.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Sand-Silberscharte ist eine mehrjährige, ausgesprochen konkurrenzschwache Pflanze. Zur Blütezeit von Juli bis September erreicht die Sand-Silberscharte eine Wuchshöhe von 10-80 cm. Die Fruchtreife kann bis in den Oktober andauern (Hauke 2003). Die Keimung der Samen findet entweder direkt nach der Ausstreu oder im darauf folgenden Frühjahr statt (Hauke 2003). Insgesamt sind die Samen der Sand-Silberscharte nur für relativ kurze Zeit keimfähig, was dazu führt, dass keine dauerhafte Samenbank im Boden aufgebaut werden kann (Sautter 1994). Im Falle einer Standortverschlechterung und einem Ausbleiben der Blütenbildung können in den folgenden Jahren somit keine neuen Individuen aus einem Samenreservoir im Boden entstehen. Zwar können ungünstige Jahre durch die mehrjährige Lebensspanne der Pflanzen und ihre Fähigkeit zur vegetativen Vermehrung kurzzeitig überbrückt werden, allerdings kann das langfristige Überleben der Population nur durch fortpflanzungsfähige Individuen gewährleistet werden.

Die Früchte (Achänen) der Sand-Silberscharte besitzen ein spezielles Flugorgan (Pappus), können damit allerdings meist nicht mehr als 10 m überbrücken, da die Samen sehr groß und schwer sind. Obwohl die Samen zahnähnliche Anhänge besitzen, die sich auf den ersten Blick gut dafür eignen in Schafswolle hängen zu bleiben, kann Schafbeweidung die Fernausbreitung der Samen ebenfalls nicht ausreichend unterstützen (Eichberg & Wessels-de Wit 2011). Während Samen anderer Pflanzenarten oft über mehrere Kilometer bis zu entfernt liegenden Vorkommen bzw. geeigneten Lebensräumen im Schaffell transportiert werden können, fallen die meisten Samen der Sand-Silberscharte bereits nach wenigen Metern (meist bereits nach 5 Metern, maximal nach 17 Metern) wieder aus dem Fell der Schafe heraus (Eichberg et al. 2005). Trotzdem kann die Beweidung von Sandmagerrasen mit Schafen Vorteile für die Silberscharte bringen. Versuche zeigten nämlich, dass Samen, die durch den Tritt der Schafe etwas tiefer (ca. 2 cm) in den Boden eingebracht wurden, besser gegen Fraßfeinde, wie Vögel, geschützt waren und dadurch der oftmals hohe Verlust an Samen verringert werden konnte (Eichberg et al. 2005, Eichberg & Wessels-de Wit 2011).

Überwiegt aufgrund von Nutzungs- und Pflegedefiziten ein zu dichter Pflanzenbewuchs und ist der Anteil an Rohboden nur relativ gering, so bleibt eine erfolgreiche Verjüngung der Silberscharte durch Samen häufig aus. Lückige Bestände sind somit besser für das langfristige Überleben der Sand-Silberscharte geeignet als dicht bewachsene Bereiche (Tischew & Kommraus 2009). Häufig leidet auch die Blührate der Sand-Silberscharte unter der zu starken Beschattung der Pflanzen durch höherwüchsige und sich stark ausbreitende Arten, vor allem Gräser wie das Land-Reitgras. Diese Pflanzen nehmen zu, wenn Nährstoffeinträge (aus der Luft oder benachbarten landwirtschaftlich genutzten Flächen) oder der Wegfall traditioneller Nutzungsformen die Standorte verändern. Zumeist sind es Bäume (Robinie, Kiefer) und Stickstoff liebende Stauden, die auf den kleinflächigen Wuchsorten schnell Fuß fassen und die Sand-Silberscharte verdrängen (Herdam et al. 2001).

Die Sand-Silberscharte ist auch in der Lage, sich mit Hilfe von Tochterrosetten zu vermehren. Gerade ältere Pflanzen der Sand-Silberscharte bilden meist vielrosettige lockere Polster oder Ringe von Rosetten. Mit Hilfe von Wurzelsprossen können die Pflanzen relativ einfach in neu geschaffene, angrenzende Lebensräume mit geeigneten Bedingungen einwandern.