Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Rotbauchunken leben heute in offenen, sonnigen Agrarlandschaften sowie in Überschwemmungsbereichen von Flussauen. Ihre ursprünglichen Lebensräume finden sich in den großen Auwäldern des Tieflandes sowie in Flachwasserzonen größerer Tieflandseen.

Rotbauchunken benötigen als Laichgewässer und Sommerlebensraum gut besonnte, möglichst fischfreie, stehende Gewässer mit einem üppigen Bewuchs von Unterwasserpflanzen. Zumeist liegen die Gewässer in der offenen Agrarlandschaft. Deren Größe spielt eine untergeordnete Rolle, jedoch sollten ausgedehnte Flachwasserzonen mit offener Wasserfläche vorhanden sein. So besiedeln Rotbauchunken Feldsölle, Tümpel, Teiche und Weiher, daneben auch verlandende Kiesgruben, ehemalige Tonstiche, Druckwassertümpel (Qualmwasser), überschwemmtes Grünland und Wiesengräben (Günther & Schneeweiß 1996). Insbesondere nach der Eiablage halten sich die Tiere auch in Gewässern auf, die nicht zur Fortpflanzung genutzt werden. Daher ist es für den Fortbestand der Rotbauchunke wichtig, dass in ihren Lebensräumen eine Vielzahl unterschiedlich gegliederter Kleingewässer vorhanden ist (vgl. Kniep 2010).

Rotbauchunken leben vorwiegend wassergebunden. Sollte das Laich- oder Aufenthaltsgewässer austrocknen, wechseln die Tiere mitunter mehrfach zwischen weiteren Gewässern und nahe gelegenen Landlebensräumen wie Feuchtwiesen, Feuchtwäldern oder Gehölzbeständen. Vor allem in den Feuchtwäldern finden sie auch ihre Winterquartiere: frostsichere Verstecke unter Totholz oder Steinen, im Wurzelbereich von Bäumen oder in Kleinsäugerbauen, die mitunter größere Ansammlungen von Tieren beherbergen (Günther & Schneeweiß 1996).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Rotbauchunken verlassen das Winterquartier bei günstiger Witterung (mild und feucht) Ende März bis Anfang April und suchen ihre Laichgewässer auf. Die Wanderung fällt somit in den Zeitraum, in dem die Frühjahrsbestellung auf den Äckern und die Pflege des Grünlands (Schleppen, Düngen) durchgeführt werden. Die Fortpflanzungszeit dauert von Ende April bis Juli, wobei das eigentliche Laichgeschäft ab einer Wassertemperatur von 15°C erfolgt. Es sind mehrere Laichperioden möglich, die häufig durch ergiebige Regenfälle und Hochwasserereignisse ausgelöst werden. In einer Laichphase werden ca. 20 bis 100 Eier pro Weibchen abgelegt (Schneeweiß 2009).

Abhängig von der Temperatur schlüpfen nach wenigen Tagen die Kaulquappen, deren Umwandlung zur Unke nach 5 bis 12 Wochen, je nach Witterung ab Juni, erfolgt. Die erwachsenen Tiere wandern im Spätsommer in die Landlebensräume, in denen sich auch die Winterquartiere befinden können. Letztere werden ab Mitte Oktober aufgesucht. Während der Zeit, in der sich die Tiere in den Sommerlebensräumen aufhalten, wird im Feuchtgrünland in der Regel eine zweite/dritte Mahd durchgeführt. Die Wanderung in die Winterquartiere kann mit Pflegemaßnahmen auf den Viehweiden zusammenfallen (Mulchen überständigen Aufwuchses).

Die Lebenserwartung von Rotbauchunken liegt etwa bei 10 Jahren, im Einzelfall auch höher. In der Regel pflanzen sich Rotbauchunken in einem Alter von zwei Jahren das erste Mal fort.