Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Rauhautfledermaus ist eine typische waldbewohnende Fledermaus. Ihre Wochenstubenquartiere bezieht sie in Baumhöhlen, Stammrissen und Spalten hinter loser Borke im Wald oder am Waldrand in der Nähe von Gewässern (Boye & Meyer-Cords 2004, Braun 2003, Heise 1982). Ersatzweise nimmt sie auch Nistkästen oder Spalten an Gebäuden z.B. in Rollladenkästen, unter Dachziegeln, in Mauerritzen, hinter Holzverkleidungen an (Heise 1982, Schmidt 2000, Schorcht et al. 2002, Zahn et al. 2002). Funde der Rauhautfledermaus gelingen auch an Spaltenquartieren von Jagdkanzeln und Forsthütten (Heise 1982). Die Wochenstuben umfassen meist über 60 (Petersons 1990, Schmidt 1991, 1994c), manchmal auch über 200 Individuen (Zahn et al. 2002). Die Weibchen wechseln während der Wochenstubenzeit ihre Quartiere sehr häufig (Heise 1983).

Die Männchen leben im Sommer getrennt von den Weibchen einzeln oder in kleinen Gruppen (Heise 1982, Hochrein 1999). Sie suchen ebenfalls Quartiere an Bäumen auf (Heise 1982, Schorcht et al. 2002).

Die Jagdgebiete der Rauhautfledermaus können sowohl in unmittelbarer Umgebung ihrer Quartiere, als auch in bis zu 6,5 km Entfernung liegen (Arnold & Braun 2002). Auf dem Flug zwischen Quartier- und Jagdgebiet orientiert sie sich stark an Leitelementen wie Waldrändern, Waldwegen, Gewässerläufen, Uferbereichen, Baum- und Heckenreihen sowie Bahn- und Straßendämmen. Oftmals fliegt sie zur Jagd die gleichen Strecken mehrfach hin und her. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Zweiflüglern wie Stech- und Zuckmücken (Beck 1995, Schmidt 1991). Daher besitzen vor allem Waldgebiete mit Gewässern bzw. Feuchtgebiete, wie Schilfflächen und Feuchtwiesen, eine hohe Bedeutung als Jagdgebiet (Schmidt 1991, Schorcht et al. 2002, Zahn et al. 2008). Die Rauhautfledermaus jagt typischerweise im freien Luftraum. Dabei hält sie sich sowohl in geringen Höhen von 3-5 m über Wegen, Schneisen oder Wasseroberflächen als auch in größeren Höhen von 5-20 m auf. Offenlandbereiche oder größere Wasserflächen überfliegt sie dabei ohne Probleme (Ahlén 1990, Arnold & Braun 2002, Arnold et al. 1996, Braun 2003).

Ihre Paarungsquartiere entsprechen den sommerlichen Quartiertypen (Boye & Meyer-Cords 2004). Die Männchen beziehen die Paarungsquartiere im Herbst sowohl in der Nähe der Wochenstuben als auch entlang der Zugwege oder nahe der Winterquartiere (Meschede & Heller 2000). Sie locken die vorbeiziehenden Weibchen mit Balzrufen an und bilden mit ihnen Paarungsgruppen, die 3-10 Tiere umfassen (Dietz et al. 2007).

Die Rauhautfledermaus gehört zu den weit ziehenden Fledermausarten (Hutterer et al. 2005). Zwischen den Sommer- und den Winterquartieren unternimmt sie Wanderungen von mehreren hundert Kilometern (Heise 1982, Hochrein 1999). Die bislang weiteste nachgewiesene Strecke zwischen Sommer- und Winterquartier liegt bei 1.905 km (Petersons 1990). Im Spätsommer zieht sie von Nordost in südwestliche Richtung und kann dabei 29-80 km pro Nacht zurücklegen (Braun 2003, Dietz et al. 2007). In dieser Zeit gibt es eine Konzentration von Rauhautfledermäusen in Auwaldgebieten und den Bereichen an mittleren und großen Flussläufen (Boye & Meyer-Cords 2004, Meschede 2004).

Als Winterquartier nutzt die Rauhautfledermaus, einzeln oder in kleinen Gruppen, natürlicherweise Baumhöhlen und -spalten (Meschede 2004). Dass bislang nur wenige überwinternde Tiere in Baumhöhlen gefunden wurden, liegt wahrscheinlich an der schwierigeren Nachweisbarkeit (Meschede & Heller 2000). Außer Baumhöhlen sind auch Winterquartiere in Felsspalten und Spalten an Gebäuden, z.B. Mauerrisse und Höhlen, sowie in Holzstapeln bekannt (Bauer & Wirth 1979, Haensel 1997, Hochrein 1999).

Das bislang ermittelte Höchstalter beträgt 14 Jahre (Schmidt 2000).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Nach dem Frühjahrszug zwischen März und Mai, je nach Witterung, beziehen die Weibchen im April/Mai ihre Wochenstubenquartiere (Arnold et al. 1996, Heise 1982, Petersons 1990, Schmidt 2000). In der zweiten Junihälfte werden meist zwei Jungtiere pro Weibchen geboren (Heise 1984, Schmidt 1994a), die nach etwa vier Wochen flugfähig sind (Schmidt 1994b). Nach der Jungenaufzucht ab Mitte Juli verlassen die Weibchen ihre Wochenstuben und suchen die Paarungsquartiere auf, in die sie von den Männchen gelockt werden (Heise 1982, 1985). Die Hauptpaarungszeit ist in Deutschland regional unterschiedlich. Sie beginnt frühestens Ende August und dauert in manchen Gebieten sogar bis Mitte Oktober (Arnold et al. 1996, Fiedler 1998, Schmidt 1994b). Auch Frühjahrspaarungen sind möglich (Braun 2003). Nach dem Herbstzug ab Oktober/November beziehen die Tiere einzeln oder in kleinen Gruppen die Winterquartiere.

Die Rauhautfledermaus ist eine stark waldgebundene Fledermausart mit einem umfangreichen Bedarf an Baumquartieren (Wochenstuben mit häufigen Quartierwechseln, Männchen-, Balz-/Paarungs- und Winterquartiere). Ein Einschlag von Alt- und Totholz besonders im Sommer führt daher zwangsläufig zum Verlust von Quartieren und somit auch zu einer Beeinträchtigung der Wochenstuben. Schwachholz, Alt- und Totholz mit abstehender Borke und Zwiesel sind als Quartierbäume von großer Bedeutung.

Die Jagdge