Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Das Vorkommen des Quendel-Ameisenbläulings ist vom Vorkommen seiner Eiablage- und Raupenfutterpflanzen und seiner Wirtsameise, meist der Knotenameise Myrmica sabuleti abhängig. Die Weibchen des Quendel-Ameisenbläulings legen ihre Eier einzeln an noch nicht geöffnete Knospen von Thymian oder Dost. Die aus den Eiern schlüpfenden Raupen verbleiben ca. drei Wochen auf der Futterpflanze, bevor sie sich auf den Boden fallen lassen, um dort von Ameisen gefunden und in das Nest eingetragen zu werden. Sie überwintern im Ameisenbau und ernähren sich bis zu ihrer Verwandlung zum fertigen Schmetterling vom Ameisennachwuchs.

Die Knotenameise Myrmica sabuleti ist ausgesprochen wärmeliebend und meidet stark beschattete oder zu feuchte Böden – ebenso wie extrem trocken-heiße Standorte. Die Ansprüche der Wirtsameise bestimmen letztendlich auch die Wahl der Eiablagepflanze (Thymian oder Dost) durch den Falter. In kühleren und höheren Lagen bevorzugt M. arion den Thymian als Eiablagepflanze, denn hier finden sich die Ameisennester in genügender Dichte nur an den wärmsten Stellen, dort wo sich auch die Wuchsorte des Thymians befinden. Umgekehrt verhält es sich in sehr warmen oder tieferen Lagen. Dort sind die Wuchsorte des Thymians für M. sabuleti zu heiß – die Ameise weicht in weniger extreme Bereiche mit etwas stärker beschattender, aber noch lichter Pflanzendecke aus. Der Falter folgt seiner Wirtsameise, in dem er eine andere Eiablage- und Raupenfutterpflanze nutzt – statt des Thymians nun den Dost, der im Ausweichlebensraum regelmäßig anzutreffen ist.

Bevorzugter Lebensraum des Falters und seiner Wirtsameise sind trockenwarme und nährstoffarme Wiesen und Weiden (Magerrasen) mit lückigem Pflanzenbewuchs und stellenweise offenem Boden. Besiedelt werden vorzugsweise kurzrasige, ansonsten sehr unterschiedliche Typen von Magerrasen oder anderen mageren Pflanzengesellschaften, bevorzugt auf Kalk. Höherwüchsige Stadien dieser Lebensräume, die sich bei schwacher oder fehlender Nutzung bzw. Pflege des Pflanzenbewuchses entwickeln („Versaumung“), können von ihm noch genutzt werden, solange hinreichend lichte Pflanzenbestände vorhanden sind. Offene Bodenstellen wie Wühlstellen von Kaninchen, Trittschäden von Weidetieren oder flachgründige, steinige Stellen erlangen ihre entscheidende Bedeutung als Bestandteil des Lebensraums aufgrund der Tatsache, dass sie ideale Keimbetten für den Thymian (Thymus pulegioides, T. praecox) und den Gemeinen Dost (Origanum vulgare) darstellen und das richtige Kleinklima für die Wirtsameise bereit halten.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Flugzeit des Falters reicht außerhalb der Alpen von Mitte Juni bis Anfang/Mitte August. In den bayerischen Alpen ist die Flugzeit deutlich früher, beginnt schon im Mai und erreicht im Juni ihren Höhepunkt (Dolek & Bräu in Vorb.). Diese Flugzeitunterschiede zwischen den bayerischen Alpen und den nordbayerischen und weiteren deutschen Vorkommen sind sehr ausgeprägt. Ihre Ursachen sind noch unklar, sie könnten jedoch auf einer starken Differenzierung innerhalb der Art beruhen (z.B. zweijährige Entwicklung der Raupen, Flugzeitanpassung an regional günstige Phasen). Soweit Nutzungstermine den Ansprüchen der Art angepasst werden müssen, sind diese innerartlichen Unterschiede zu berücksichtigen.

Das Weibchen legt seine Eier einzeln an die noch nicht geöffneten Knospen von Thymian oder Dost. Die Raupe schlüpft nach ca. 8 Tagen und bleibt für weitere 2-4 Wochen auf der Futterpflanze. Dann lässt sie sich zu Boden fallen und wird von Ameisen in deren Nest eingetragen. Nur wenn sie dabei auf die richtige Wirtsameise Myrmica sabuleti stößt, überlebt die Raupe und kann sich i