Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Prächtige Dünnfarn besiedelt in Deutschland Spalten und Höhlungen silikatischer Felswände sowie Unterseiten von Blöcken in Blockfeldern. Er wächst bevorzugt auf Sandstein, aber auch auf Granit, Quarz und devonischen Schiefern (Waitzmann & Schweizer 2009). Er stellt hohe Ansprüche an die klimatischen Verhältnisse seiner Standorte. Während die Ausrichtung der Standorte eine untergeordnete Rolle spielt, ist eine konstant luftfeuchte Umgebung mit gleichmäßigen Temperaturen besonders wichtig. Diese Bedingungen findet er in windgeschützten Spalten und Höhlungen, welche zusätzlich meist in schattigen Wäldern und in der Nähe von Bächen oder Sickerquellen liegen. Gleichzeitig zeichnen sich diese Standorte durch extreme Lichtarmut aus. Angepasst ist der Gametophyt an diese Lichtarmut durch einen stark verlangsamten Stoffwechsel (Makgomol & Sheffield 2001).

Der Prächtige Dünnfarn gilt als sehr konkurrenzschwach. Da seine Standorte vor allem aufgrund der Lichtarmut Extrembedingungen aufweisen, sind sie für höhere Pflanzen ungeeignet. Daher kommt er dort teilweise als einzige Pflanzenart vor oder nur in Gesellschaft mit Moosen. Die besiedelten Felsstandorte liegen überwiegend in naturnahen Wäldern, während Felsformationen in mit Kiefern oder Fichten aufgeforsteten Parzellen nicht besiedelt sind (Huck & Michel 2002).

Bei den deutschen Vorkommen handelt es sich um Reliktvorkommen, welche unter den Klimabedingungen des Atlantikums/Subatlantikums (wärmste Periode der jüngsten geologischen Epoche der Erdgeschichte zwischen ca. 8.000 v. Chr. und ca. 4.000 v. Chr.) ein größeres, zusammenhängendes Gebiet besiedelten und seitdem an den heutigen Standorten überdauerten. In Mitteleuropa ist es dem Farn unter heutigen Klimabedingungen an seinen Standorten zu kalt, zu trocken und zu dunkel um den farnwedeltragenden Sporophyten und damit Sporen auszubilden. Statt dem Sporophyten kommt nur der hinsichtlich des Klimas etwas weniger anspruchsvolle Gametophyt vor (Johnson et al. 2000).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Der Lebenszyklus von Farnen ist geprägt durch einen sogenannten Generationswechsel. Hierbei wechseln sich der unscheinbare Gametophyt und der „eigentliche“ Farn, der die weithin bekannten Farnwedel ausbildet, ab. In Deutschland kommt der Prächtige Dünnfarn nur als unscheinbarer, moosartiger Gametophyt vor. Dieser ist aus Sporen entstanden, welche unter günstigeren Klimabedingungen (vermutlich zuletzt in der Warmzeit des Atlantikums/Subatlantikums ca. zwischen 8.000 v. Chr. und 4.000 v. Chr.) vom farnwedel-tragenden Sporophyten gebildet und ausgebreitet wurden. Da unter heutigen Bedingungen in Deutschland keine Sporophyten und damit Sporen mehr ausgebildet werden, kann kein genetischer Austausch zwischen den Vorkommen mehr stattfinden. Der Gametophyt vermehrt sich ausschließlich ungeschlechtlich über Brutkörper, die abfallen und neue Pflanzen bilden. Unter günstigen Bedingungen kann ein Gametophyt so jedoch Flächen von mehreren Quadratmetern einnehmen und einen Standort langfristig besiedeln. Damit die Möglichkeit zur dauerhaften Besiedlung gegeben ist, müssen die mikroklimatischen Bedingungen stimmen. Das heißt, die Standorte müssen hinsichtlich Beschattung und Luftfeuchte in ihrem jetzigen Zustand bestehen bleiben und jede Änderung ist zu vermeiden.