Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Osterluzeifalter ist zwingend an gute Vorkommen der Gewöhnlichen Osterluzei (Aristolochia clematitis) gebunden. In anderen Ländern Europas werden auch andere Osterluzei-Arten genutzt (z.B. Aristolochia rotunda, A. pistolochia und A. pallida). Diese Arten kommen jedoch in Deutschland nicht vor, während die Gewöhnliche Osterluzei weit verbreitet ist. Diese findet sich insbesondere in Weinbaugebieten (Oberdorfer 1990). Sie hat insgesamt ihren Schwerpunkt im submediterranen Raum und dort im Flaumeichenwaldgebiet. Je nach der genutzten Osterluzei-Art können die Lebensräume in Europa sehr unterschiedlich sein (van Swaay et al. 2010).

Aus Österreich sind so genannte „Heißländen“ oder „Brennen“ als Standorte des Falters bekannt: Es handelt sich dabei um Wiesen und Trockenrasen in lichten Auwäldern. Für Tschechien wird vor allem auf aufgelassene Flächen (Ruderalflächen) und historisch auf Weinberge verwiesen. Der Hinweis auf besonnte Dämme oder Böschungen entlang von Bach- und Flussläufen, Gräben, Kanälen, Bahnstrecken, Straßen usw. taucht immer wieder auf. So erfolgte zum Beispiel der Fund in Sachsen an einer Bahnstrecke, wo sich an einer lang gezogenen Abgrabung ein großer Osterluzei-Bestand befindet (Reinhardt et al. 2007).

In Österreich wurden die Falter nie an Pflanzen bei der Nektaraufnahme beobachtet (Höttinger 2003), während die Falter in Slowenien nicht wählerisch waren und sehr viele Pflanzenarten nutzten (Čelik in Vorb.). Vielleicht lässt sich dieser Unterschied durch die unterschiedliche Verfügbarkeit von Nektarpflanzen zur frühen Flugzeit des Osterluzeifalters erklären.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Flugzeit des Falters beginnt in den europäischen Nachbarländern meist Anfang April und dauert bis Ende Juni. Oft kann man aber bereits Ende März erste Exemplare beobachten. Die Falter halten sich die meiste Zeit im Bereich besonnter Osterluzeipflanzen auf (Čelik in Vorb.). Zur gleichen Zeit findet auch die Laubentfaltung in den Auwäldern statt, wo die Lebensräume eingestreut sein können. Während dieser Zeit hat die Gewöhnliche Osterluzei bereits erste Blätter getrieben und die Weibchen legen ihre Eier auf den Blättern der Futterpflanze ab. Die Eiablage erfolgt nach SBN (1987) gruppenweise auf die Blattunterseite der Osterluzei, aber auch einzeln auf die Blattoberseite und andere Pflanzenteile (eigene Zufallsbeobachtungen in Italien, Pamperis 2009, Lafranchis 2000). Bevorzugt belegt werden besonnte bis halbschattig stehende, geschützte Pflanzen. Der Zustand des kleinräumigen Lebensraums insbesondere in Bezug auf Besonnung und Störungen scheint von besonderer Bedeutung für die Wahl der Eiablageorte zu sein (Örvössy et al. 2005). Gerade in den gehölzbetonten Lebensräumen muss wahrscheinlich stark auf ausreichende Besonnung geachtet werden. Dies lässt sich langfristig nur durch entsprechende Nutzung sichern.

Etwa acht Tage nach der Eiablage schlüpfen die anfangs grauschwarzen Raupen. Später wird die Raupe auffallend bunt mit sechs Reihen orangefarbener, behaarter Zapfen bei heller Grundfarbe und schwarzen Flecken (SBN 1987).

Die Raupen leben zunächst gesellig (bei gruppenweiser Eiablage) und fressen die zarten Pflanzenteile der Osterluzei (SBN 1987). Der Erhaltung der Nahrungspflanzen kommt beim Osterluzeifalter eine Schlüsselrolle zu. Solange die Raupen an den Pflanzen fressen (ca. Mai bis Juli) dürfen keine Störungen (wie Mahd) an den Pflanzen erfolgen.

Die erwachsene Raupe verlässt meist die Pflanze nach etwa vier Wochen und verpuppt sich als Gürtelpuppe unter Steinen, an Ästen, an Pflanzenstängeln oder an der Blattunterseite der Futterpflanze. Die hellbraune oder beige Puppe überwintert, manchmal sogar zweimal. In diesem Stadium müsste der Schmetterling dann weniger empfindlich gegenüber Nutzungseinflüssen sein. Die Verpuppungsstrukturen müssen jedoch bei allen Nutzungen erhalten bleiben.

Verbreitung