Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Östliche Smaragdeidechse besiedelt in Deutschland nur noch reliktartig zwei großräumig voneinander getrennte Bereiche. Zum einen im südlichen Brandenburg, zum anderen in Bayern bei Passau an der Donau.

In ihren beiden Verbreitungsgebieten in Deutschland besiedelt die Östliche Smaragdeidechse unterschiedliche Lebensräume.

In Brandenburg siedelt die Östliche Smaragdeidechse oft in besonnten Saumlebensräumen zwischen Verkehrswegen und lichtem Kiefernwald aber auch im Randbereich von Kiefernheiden auf nährstoffarmen Böden. Günstig wirken sich besonnte Böschungen, wie sie z.B. an Wirtschaftswegen oder Bahndämmen zu finden sind, auf die Vorkommen aus. Wichtig ist das ausreichende Vorhandensein von Versteckplätzen, bestehend z.B. aus kleineren Brombeer- und Heidekrautgebüschen, Knüppelholzhaufen und ausgefaulten Baumstubben, die als Zufluchtsstätten genutzt werden. Häufig befinden sich ihre Verstecke auch in Kleinsäugerbauen.

Die bayrischen Vorkommen besiedeln die südexponierten Nordhänge des Donautals. Die von ihr dort genutzten Lebensräume sind Wegränder, lichte Gebüsche und Ränder von Halbtrockenrasen, im Umfeld von Blockschutthalden und Randlagen um felsige Bereiche. Es werden aber auch Mauern und wenig genutzte Wiesen von der Östlichen Smaragdeidechse besiedelt. Ihr Lebensraum ähnelt sehr dem der Westlichen Smaragdeidechse.

Die östliche Smaragdeidechse wechselt kleinräumig zwischen Bereichen zur Thermoregulation (Regulierung ihrer Körpertemperatur), Jagd, Schutz vor Beutegreifern und schlechtem Wetter, Nacht- und Winterquartier. Geschlechtsreife Tiere, Männchen wie Weibchen, besetzen günstige Reviere, die vor allem Männchen gegen gleichgeschlechtliche Tiere aggressiv verteidigen. Die Weibchenreviere können sich mit denen der Männchen überschneiden. Die Überwinterung erfolgt in frostfreien Spalten und Lückensystemen aber auch Kleinsäugerbauen im Einzugsbereich der Sommerlebensräume. Zur Eiablage werden angrabbare Böden benötigt.

Die Östliche Smaragdeidechse nutzt jede Gelegenheit um Beute zu machen. Zur Beute zählen vor allem Kerbtiere (Insekten, Spinnen), Asseln und Schnecken, gelegentlich werden auch kleinere Wirbeltiere (z.B. kleine Schlangen) bis zur Größe eines Mäusenestlings überwältigt. Selten werden aber auch bewegungslose Objekte, wie Eier oder Beeren gefressen (Rykena et al. 1996).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Über den Jahresablauf der Östlichen Smaragdeidechse liegen vor allem Informationen aus den Brandenburgischen Populationen vor. Über die Population im Tal der Donau ist wenig bekannt. Die Winterruhe der Östlichen Smaragdeidechse endet in Brandenburg frühestens Ende März, meistens aber erst Mitte April. Die Männchen beenden die Winterruhe etwas früher als die Weibchen, zuletzt folgen die Jungtiere aus der Winterruhe. Die Paarungszeit liegt zwischen Ende April und Anfang Juni; die Eiablage fällt in den Zeitraum zwischen Ende Mai und Ende Juni. Erste Jungtiere sind Mitte August festzustellen, je nach jahreszeitlichem Wetterverlauf reicht die Schlupfzeit bis Ende Oktober. Die Winterruhe der geschlechtsreifen Tiere beginnt häufig im Monatswechsel August/September spätestens aber Ende September (Elbing 2001). Die Jungtiere können je nach vorherrschendem Wetter etwas länger aktiv sein.

Bei der Bewirtschaftung von Flächen innerhalb des Siedlungsgebiets von Populationen der Östlichen Smaragdeidechse sind zunächst die jahreszeitlich bedingten Aktivitätsphasen (s.o.) zu berücksichtigen. Im Frühjahr und Sommer ist die Östliche Smaragdeidechse bei geeignetem Wetter ganztägig aktiv. Im Sommer, bei hohen Temperaturen, fällt die tägliche Aktivitätsphase auf die Morgen- bzw. auf die Abendstunden. Die heißeste Zeit des Tages verbringt die Östliche Smaragdeidechse in ihren Verstecken oder im deckungsreichen, beschatteten Gelände.

Infolge von Nutzungsaktivitäten während der Winterruhe ist kaum mit Konflikten zu rechnen, wenn nicht in geeignete Winterquartiere (z.B. Trockenmauern, Blocksteinschüttungen, Böschungen, Waldsäumen und Heideflächen mit Verdacht auf Winterquartiere) eingegriffen wird. Zwischen März und Oktober steht die Aktivität der Östlichen Smaragdeidechse im engen Zusammenhang mit dem täglichen Temperaturverlauf. Um Populationen nicht zu stören, dürfen Bewirtschaftungsmaßnahmen nur an Tagen mit niedrigen Temperaturen und geschlossener Bewölkung oder an sehr heißen Tagen, bei sonnigem Wetter mit Temperaturen weit über 25°C durchgeführt werden. Wegen des Fluchtverhaltens der Östlichen Smaragdeidechse sind jedoch alle Maßnahmen, die nicht in die Versteck- oder Eiablageplätze eingreifen (z.B. Bodenbearbeitung) oder zur völligen Armut an Lebensraumelementen führen (flächiges Entbuschen, flächige Mahd) als unkritisch zu betrachten.