Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Bevorzugte Lebensräume der Östlichen Moosjungfer sind saure, nährstoffarme Moorgewässer wie z.B. Kolke, Weiher oder kleinere Seen. Diese werden zumindest randlich von Torfmoosen und Kleinseggen bewachsen, die auf der Gewässeroberfläche so genannte Schwingriede bilden. Die Gewässer weisen zudem untergetauchte Pflanzenbestände wie Grundrasen aus Moosen oder Wurzelfilz von Kleinseggen auf, die Lebensraum der Larven sind (Mauersberger 2003). Gekennzeichnet sind die Gewässer außerdem durch eine meist breite Verlandungszone mit Röhrichten und Rieden aus Schilf, Seggen, Binsen u.a. Oft sind die Gewässer von Wald umgeben (Burbach 2003).

In den ostdeutschen Braunkohlenrevieren werden ähnlich gegliederte Gewässer der Tagebaue besiedelt (Beutler & Beutler 1981). Hier bilden Binsenarten, die sich unmittelbar nach Entstehen der Gewässer ansiedeln, sowie Torfmoose die für die Larven wichtigen Pflanzenbestände. In meist jedoch nur geringen Dichten findet sich die Art vor allem in Bayern außerdem in nährstoffarmen, kalkreichen Seen und Kiesgrubenweihern mit dichten Unterwasserrasen aus Armleuchteralgen sowie flachen Seen mit einer mittleren Nährstoffversorgung. An der Donau werden auch Altwässer besiedelt (Lang 1998, Burbach 2003).

Die Östliche Moosjungfer bevorzugt fischfreie Gewässer oder solche mit einer geringen Fischdichte. Die Fischlebensgemeinschaft dieser Gewässer besteht oft aus großen Flussbarschen, gegen die die Art durch ihre großen Dornen geschützt ist. Gewässer mit einer hohen Dichte verschiedener Fischarten werden von der Östlichen Moosjungfer nicht oder lediglich in kleineren Vorkommen besiedelt. Die Nahrung der Larven besteht vermutlich aus kleinen Tieren, die im freien Wasser oder auf der Gewässersohle leben, die der Imagines (Geschlechtsstadium) aus kleinen, fliegenden Insekten.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Für die Entwicklung der Larven der Östlichen Moosjungfer wird ein Zeitraum von mindestens 2 Jahren vermutet (Mauersberger 2003). Die vergleichsweise lange Schlupfzeit beginnt in frühen Jahren ab Mitte Mai und erstreckt sich bis Anfang August. Die sich anschließende Reifephase, in der die Tiere nach dem Schlupf viel Nahrung zur Reifung der Geschlechtszellen aufnehmen, beträgt bis zu 12 Tage (Wischhof 1997), so dass die Imagines (Geschlechtsstadium) ab Ende Mai am Gewässer erscheinen. Die Hauptflugzeit der Östlichen Moosjungfer liegt zwischen Mitte Juni und Ende Juli. Die Flugzeit endet in der zweiten Augusthälfte oder Anfang September.

Nach dem Schlupf verlassen die Tiere das Gewässer, um während der Reifephase in den insektenreichen Lebensräumen der Umgebung Nahrung und damit die benötigte Energie für die Fortpflanzung aufzunehmen. Dies geschieht z.B. in lichten Wäldern, Waldlichtungen, Brachen, blütenreichem Grünland oder Heideflächen. Entsprechend blütenreiche Lebensräume sollten daher in der Umgebung der Fortpflanzungsgewässer vorhanden sein. So lassen sich durch lediglich ein- bis zweimalige Mahd außerhalb der Flugzeit der Art zumindest auf einem Teil der Grünlandflächen an den Gewässern geeignete Lebensräume bereitstellen.

Zur Fortpflanzung kehren die Tiere wieder ans Gewässer zurück, wo die Männchen Sitzwarten auf Halmen am wasserseitigen Rand der Röhrichtzone besetzen. Die Kopulation wird in der unmittelbaren Umgebung des Fortpflanzungsgewässers vollzogen. Die Weibchen legen die Eier zumeist allein über den offenen Wasserflächen ab. Die Gesamtlebensdauer der Imagines (Geschlechtsstadium) beträgt etwa 4 bis 5 Wochen.