Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Da von der Nymphenfledermaus bisher nur relativ wenige Nachweise vorliegen, ist der Kenntnisstand zur Ökologie der Art noch sehr lückenhaft. Aufgrund der bisherigen Nachweise lässt sich jedoch sagen, dass die Nymphenfledermaus eine reine Waldfledermaus ist, deren Wochenstubenquartiere ausschließlich in Bäumen zu finden sind. Als Quartiere werden schmale Spalten an Bäumen (lange Risse im Stamm oder entlang dicker Äste), Zwischenräume hinter abstehender Borke, enge, spaltartige Hohlräume an Bäumen und Baumhöhlen genutzt. Die bevorzugte Baumart ist die Eiche; Birke, Linde und Platane sind ebenfalls als Quartiere bekannt (Dietz et al. 2007, Lučan et al. 2009, Ohlendorf 2009b). Die Quartierbäume sind meist alte Bäume, die sich in der Alters- und Zerfallsphase befinden und daher einen hohen Anteil (> 25 %) toter Äste, einen großen Brusthöhendurchmesser (32-90 cm), eine ausgeprägte, große Krone haben und hochwüchsig sowie hochstämmig sind (Lučan et al. 2009). Die Quartiere befinden sich häufig in Höhen von mindestens 6 m (Lučan et al. 2009, Ohlendorf & Funkel 2008) und liegen, nach den bisherigen Erkenntnissen, etwa 100 bis 550 m von einem permanent wasserführenden Gewässer entfernt (Brinkmann & Niermann 2007, Dietz et al. 2007, Ohlendorf 2009b). Die wenigen, publizierten Zahlen zur Größe der Wochenstuben variieren sehr stark. So kann eine Wochenstube 3-5 Weibchen (Brinkmann & Niermann 2007, Helversen et al. 2001), aber auch bis zu 90 Weibchen (Lučan 2011, schriftl. Mitt.) umfassen. Die Nymphenfledermaus nutzt, wie andere waldbewohnende Fledermausarten, zahlreiche Quartiere im Verlauf der Wochenstubenzeit (Lučan et al. 2009). Etwa alle zwei bis vier Wochen findet ein Quartierwechsel statt. Außerhalb der Säugeperiode verweilen die Tiere nur 2-3 Tage in einem Quartier (Lučan 2011, schriftl. Mitt.). Die Männchen verbringen den Sommer einzeln.

Die Nymphenfledermaus jagt im Frühjahr und Sommer überwiegend in über 100 Jahre alten Altholzbeständen (z.B. feuchte bis nasse Eichen-Hainbuchen-Altholzbestände und Eichen-Roterlen-Eschenbestände (Brinkmann & Niermann 2007)). Im August und September, wenn die Wälder trockener und somit nahrungsärmer sind, findet man die Nymphenfledermaus auch in Gärten, v.a. in Obstgärten, an dichtem Pflanzenbewuchs entlang von Gewässern und über Stillwasserbereichen von kleineren Fließgewässern unter überhängenden Ästen der begleitenden Gehölze (Lučan 2011, schriftl. Mittl.). Die Zweiflügler, vornehmlich Mücken (Lučan et al. 2009), werden – so die Vermutung – im freien Flug erbeutet (Dietz et al. 2007). Die weiteste bisher nachgewiesene Entfernung zwischen Wochenstubenquartier und Jagdgebiet beträgt 1.440 m, wobei die Nymphenfledermaus offenbar nah am Bewuchs entlang fliegt (Brinkmann & Niermann 2007, Helversen et al. 2001).

Nymphenfledermäuse schwärmen, wie andere Myotis-Arten, im Spätsommer an Höhlen und Felsquartieren. Dort findet vermutlich auch die Paarung statt.

Da erst wenige Winterfunde der Nymphenfledermaus bekannt sind, kann noch keine Aussage über das Zugverhalten getroffen werden. Als Winterquartier nutzt sie, nach bisherigen Kenntnissen, Höhlen und in einem Fall einen Felsstollen als Winterquartier (Dietz et al. 2007, Ohlendorf 2009a). Eine im Januar 2009 in einem Stollen angetroffene Nymphenfledermaus hing frei bei einer Umgebungstemperatur von 8°C (Ohlendorf 2009a).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Ab Mitte April werden Nymphenfledermäuse in ihrem Sommerlebensraum angetroffen (Ohlendorf & Funkel 2008). Die Weibchen sind vermutlich von Mai bis August/September in ihren Wochenstuben und bringen ab Mitte Juni die Jungtiere zur Welt (Dietz et al. 2007). Während die Weibchen gemeinsam die Jungtiere in der Wochenstube großziehen, verbringen die Männchen den Sommer einzeln. Ab August schwärmen Nymphenfledermäuse an Höhlen (Ohlendorf & Hoffmann 2009). Dort finden wahrscheinlich auch die Paarungen statt. Inzwischen gibt es einen Winternachweis der Nymphenfledermaus in einem Stollen im Harz (Ohlendorf 2009a). Wann die Tiere genau in den Winterquartieren ankommen und wie lange sie dort verweilen, ist bisher noch nicht bekannt.

Die Nymphenfledermaus ist sowohl im Hinblick auf ihre Quartieransprüche als auch hinsichtlich ihrer Jagdgebietsansprüche auf alte, wenig forstwirtschaftlich genutzte Laubwaldgebiete angewiesen. Als Quartiere werden alte Laubbäume (v.a. Eichen), die sich in der Alters- und Zerfallsphase befinden und somit z.B. durch Spechte oder Fäulnis baumhöhlenreich sind, aufgesucht. Ein Einschlag von Alt- und Totholz besonders im Sommer führt daher zwangsläufig zum Verlust von Quartieren und somit auch zu einer Beeinträchtigung der Wochenstuben. Zwieselbäume sind als potenzielle zukünftige Höhlenbäume von großer Bedeutung.

Als Nahrungsgrundlage dienen vornehmlich Mücken, die in feuchten, alten Laubwäldern mit einem hohen Totholzanteil in Gewässernähe oder im Kronenbereich der Bäume erbeutet werden (Dietz et al. 2007, Lučan et al. 2009). Daraus ergeben sich vor allem zur Wochenstubenzeit, wenn die Weibchen einen erhöhten Energiebedarf aufweisen, Zusammenhänge mit der forstwirtschaftlichen Nutzung.