Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Mopsfledermaus hat ihre Wochenstubenquartiere ursprünglich fast ausschließlich im Wald in durch Blitzschlag hervorgerufenen Baumspalten und hinter abstehender Borke toter oder absterbender Bäume oder Äste. Regelmäßig findet man sie in Spaltenverstecken an Gebäuden, hinter Fensterläden, Hausverkleidungen und besonders an Scheunen (Heddergott 1992, Podany 1995, Richarz 1989, Rudolph et al. 2003, Sierro 2003, Simon et al. 2004, Steinhauser 2002). Die Wochenstuben sind typischerweise relativ klein, häufig nur bestehend aus 10-25 Weibchen, selten bis 80 Weibchen (Spitzenberger 1993, Weidner 2000). Gelegentlich werden sogar nur einzelne erwachsene Weibchen oder kleine Gruppen mit 2-3 Weibchen mit Jungtieren in Spaltenquartieren gefunden. Die Wochenstubenquartiere werden fast täglich gewechselt (Steinhauser 2002). Die Männchen sind in dieser Zeit in kleinen Gruppen in Spaltenquartieren an Bäumen oder Gebäuden zu finden (Rydell & Bogdanowicz 1997, Schober & Grimmberger 1998).

Die Weibchen nutzen Laubwälder und deren lineare Elemente innerhalb des Waldes als Jagdgebiete, wohingegen die Männchen offene Landschaften und Waldränder bevorzugen (Hillen et al. 2011). Die Mopsfledermaus jagt vor allem im freien Luftraum, meist dicht über Baumkronen. Die Jagdgebiete können bis zu 8 km vom Wochenstubenquartier entfernt liegen (Poszig et al. 2000, Simon et al. 2004). Auf dem Flug in die Jagdgebiete orientiert sie sich stark an Leitelementen wie Hecken, Feldgehölzen und Baumreihen entlang von Flüssen, die eine Verbindung zu den Jagdgebieten herstellen (Greenaway 2004). Sie weist zwei unterschiedliche Jagdflugverhaltensweisen auf. Zum einen jagt sie in mäßig schnellem Flug unter- und oberhalb der Baumkronen in Achten und Kreisen, zum anderen in äußerst schnellem Flug entlang von Waldwegen, mit Abstechern in den Waldbestand in 1,5-6 m Höhe (Schober & Grimmberger 1998, Siemers et al. 2001, Steinhauser 2002). Die Mopsfledermaus ist ein typischer Jäger von fliegenden Insekten und bevorzugt als Hauptnahrung Klein- und Nachtschmetterlinge. Weitere Beutetiere sind Netzflügler, Käfer, Spinnen und Zweiflügler (Siemers et al. 2001, Sierro & Arlettaz 1997, Steinhauser 2002).

Die Mopsfledermaus ist ortstreu. Die weiteste in Europa nachgewiesene Wanderung betrug 290 km (Kepka 1960).

Die Winterquartiere befinden sich meistens in vom Außenklima beeinflussten Höhlen, Stollen, Tunneln, Gewölben und Kellern. Sie finden sich aber auch an Gebäuden in Spalten zwischen der Außenmauer und der inneren Lehmwand eines Fachwerkhauses oder hinter abstehender Borke an Bäumen (Nagel & Braun 2003, Podany 1995, Spitzenberger 1993, Weidner & Geiger 2003). Die Mopsfledermaus gilt als besonders kälteharte Art. Sie wählt ihre Hangplätze zum Überwintern häufig in den überfrierenden Eingangsbereichen ihrer Winterquartiere mit Temperaturen von 2-5°C. Man findet die Mopsfledermaus sowohl in engen Spalten, als auch frei an der Wand oder Decke hängend. Meistens sind es weniger als 10 Tiere, mitunter hängen sie aber auch in großen Gruppen. In sehr großen Winterquartieren können es zum Teil über 1.000 Tiere sein (Hübner et al. 2006, Richarz 1989, Schober 2003, Sierro 2003, Spitzenberger 1993). Das größte bekannte Winterquartier in der Slowakei in einem alten Eisenbahntunnel beherbergt 6.800-7.800 Individuen (Uhrin 1995). In vielen Quartieren ist ein auffälliges Überwiegen der Männchen festzustellen (Weidner 2000).

Das nachgewiesene Höchstalter beträgt 21 Jahre und 8 Monate (Abel 1960).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Ab Mai werden die Wochenstubenquartiere bezogen. In der Regel bekommt ein Weibchen ein bis zwei Junge (Schober & Grimmberger 1998, Weidner & Geiger 2003). Direkt nachdem die Jungtiere flugfähig sind, lösen sich die Wochenstuben im August auf (Spitzenberger 1993, Steinhauser 2002). Die Männchen verbringen den Sommer in der Nähe der Wochenstuben meist einzeln oder in kleinen Gruppen. Im Herbst erfolgt die Paarung und zumindest teilweise noch in den Winterquartieren (Schober & Grimmberger 1998). Die Mopsfledermaus hält sich von Ende Oktober bis Anfang April, vorwiegend in den Kälteperioden Ende Dezember bis Mitte Februar, in den Winterquartieren auf. Die Weibchen fliegen später als die Männchen in die Winterquartiere ein (Schober 2003, Sierro 2003). Oft suchen die Tiere zunächst andere Quartiere auf und dann erst bei Kälteeinbruch das eigentliche Überwinterungsquartier (Hübner et al. 2006, Sierro 2003). Auch außerhalb der Wintermonate halten sich die Tiere regelmäßig in unterirdischen Quartieren wie Gewölben und Stollen auf (Spitzenberger 1993).

Die Mopsfledermaus ist eine stark waldgebundene Fledermausart mit einem umfangreichen Bedarf an Baumquartieren (Wochenstuben mit häufigen Quartierwechseln, Männchen-, Balz-/Paarungs- und Winterquartiere). Ein Einschlag von Alt- und stehendem Totholz führt daher zwangsläufig zum Verlust von Quartieren und somit auch zu einer starken Beeinträchtigung der Wochenstuben. Bäume mit abstehender Borke und Rissbildung sind als potenzielle zukünftige Quartierbäume von großer Bedeutung (Greenaway 2004, Russo et al. 2010).

Die Mopsfledermaus nutzt Laubwälder und deren lineare Elemente sowie offene Landschaften und Waldränder als Jagdgebiete (Hillen et al. 2011). Sie jagt vor allem im freien Luftraum, vorwiegend dicht über Baumkronen. Auf dem Flug in die Jagdgebiete orientiert sie sich stark an Leitelementen wie Hecken, Feldgehölzen und Baumreihen entlang von Flüssen, die eine Verbindung zu den Jagdgebieten herstellen (Greenaway 2004). Zusammenhänge mit der Landnutzung ergeben sich daher aus allen Nutzungen, die die Nahrungsverfügbarkeit, vor allem in der Zeit der Jungenaufzucht, verringern. Dies können forstwirtschaftliche Maßnahmen wie die Umwandlung insektenreicher Laubmischwälder in Fichtenforste, Rückbau naturnaher Waldränder, Verringerung der Strauchschicht, Gifteinsatz zur Bekämpfung von Insekten u.ä. sein. Auch im Offenlandbereich kann die Vereinheitlichung der Landschaft durch Bewirtschaftung immer größerer Flächen und den einhergehenden Verlust an insektenreichen Landschaftsbestandteilen wie Hecken, Feldgehölzen und Säumen zur Reduktion der Nahrungsgrundlage führen.

Insektizideinsatz in jedweder Form führt nicht nur zur Verringerung der Nahrungsgrundlage der Mopsfledermaus, sondern auch zu einer Vergiftung der Fledermäuse.