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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Moor-Steinbrech ist eine mehrjährige, krautige Sumpfpflanze. Er bevorzugt nasse, konkurrenzarme und besonnte Standorte. Solche Bedingungen treten vor allem dort auf, wo der Grundwasserspiegel dauerhaft nahe der Bodenoberfläche ansteht oder oberflächennah ziehendes, kaltes Wasser vorhanden ist. Die Bodeneigenschaften sind am günstigsten, wenn der pH-Wert neutral oder leicht sauer ist und Stickstoffmangel vorherrscht (Vittoz et al. 2006). Die Wurzeln des Moor-Steinbrechs verlaufen sehr flach unter der Bodenoberfläche (1 bis 3 cm, bevorzugt in einer dicken Schicht aus Moosen) und hauptsächlich waagrecht. Dies ist typisch für viele Pflanzen von Feuchtgebieten, denn damit vermeiden sie, dass ihre Wurzeln direkt im Wasser stehen und werden trotzdem dauerhaft von Kapillarwasser feucht gehalten. Auf ein Austrocknen seiner Wuchsorte reagiert der Moor-Steinbrech sehr empfindlich (Hauke 2003).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

An den kühlen und feuchten Standorten des Moor-Steinbrechs treiben die Pflanzen relativ spät aus und gelangen erst im Spätsommer von Juli bis September zur Blüte (Hauke 2003). Als wichtigste Bestäuber des Moor-Steinbrechs gelten Schwebfliegen und andere Zweiflügler. Um Selbstbestäubung weitgehend auszuschließen, verfügt die Blüte über einen speziellen Mechanismus, bei dem zuerst der eigene Pollen freigegeben wird und sich anschließend erst die Narbe öffnet und mit Fremdpollen bestäubt wird. Die Samen reifen im Herbst und keimen nach der zwingend notwendigen Winterruhe im Frühjahr. Zu dieser Zeit sind geeignete Keimstellen äußerst wichtig. Am besten keimt die Art vermutlich an unbewachsenen oder wenig bewachsenen Stellen mit durchgängig feuchten Bodenbedingungen. Neben dieser geschlechtlichen Art der Vermehrung sind die Pflanzen auch in der Lage klonal (durch Ausläufer) Pflanzen zu erzeugen. Mit Hilfe von Ausläufern, die sich mit der Zeit bewurzeln, können so an geeigneten Standorten relativ schnell größere Bestände aufgebaut werden (Hauke 2003). Zudem verhindern sie mit diesen Ausläufern ein Überwachsen durch andere kleinwüchsige Pflanzen, besonders durch Moose.

Viele seiner Lebensräume wurden bereits durch Drainage und den Abbau von Torf zerstört. Das Einwandern höherwüchsiger Pflanzen gefährdet den Moor-Steinbrech zusätzlich. Für das Überleben dieser Art erscheinen moderate Beweidung oder Mahd der Standorte am besten, um Konkurrenzpflanzen möglichst fern zu halten. Durch den Tritt der Weidetiere werden Offenbodenstellen für die Keimung geschaffen und das Eindringen von Licht in die Pflanzengemeinschaft erleichtert. Bei fehlender Beweidung oder Mahd nehmen die Höhe der Pflanzengesellschaft sowie die Menge an Biomasse zu und es wird langfristig das Einwandern von Gehölzen gefördert. Zu starke Beweidung kann dagegen ungünstig sein, da sie zu große Störungen der Wuchsorte und Schädigungen der Pflanzen hervorruft.

Verbreitung

Literatur

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