Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Das Moor-Wiesenvögelchen lebt in seinem letzten Vorkommen in Deutschland auf sekundären Pfeifengraswiesen eines ehemaligen Torfabbaugebietes, die in feuchten Senken in Kleinseggen- und Kopfbinsenbestände übergehen. Vorkommen in den europäischen Nachbarländern finden sich auch in vordergründig sehr unterschiedlichen Lebensräumen. Allen Standorten ist aber gemeinsam, dass es sich um (z.T. sehr langjährige) Brachen handelt, die eine ausgeprägte Streuschicht und eine lückige, z.T. bultige Pflanzendecke aufweisen.

Die aktuellen Untersuchungen haben gezeigt, dass den Raupen schon im zeitigen Frühjahr Futterpflanzen zur Verfügung stehen müssen (Bräu et al. 2010). Das an den Standorten häufige und weit verbreitete Pfeifengras, das als Nahrungspflanze vermutet wurde, hat zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgetrieben und kann daher nicht genutzt werden. Es muss also eine Übergangsnahrung vorhanden sein, die den Winter grün überdauert. Für das deutsche Vorkommen ist dies v.a. die Hirse-Segge (Carex panicea). Dieser Nahrungspflanze kommt somit im Frühjahr eine essentielle Bedeutung zu, später wird auch das Pfeifengras häufig gefressen.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Falter fliegen hauptsächlich im Juni bis etwa Mitte Juli in einer Generation. Während dieser Zeit erfolgt die Eiablage der Weibchen vorrangig an Gräsern oder Streu, einzelne Eiablagen wurden sogar an Faulbaum und anderen Pflanzen beobachtet (Bräu et al. 2010). An einem Standort in Italien wurden Eiablagen regelmäßig an Heidekraut festgestellt (Bonelli et al. 2010). Dies dürfte durch den dortigen Lebensraum bedingt sein, in dem Heidekraut und Pfeifengrasbestände eng verzahnt sind. Diese Beobachtung und die Daten aus Deutschland deuten darauf hin, dass die Eiablagepflanze relativ zufällig gewählt wird: Die Pflanze, die häufig ist, hat auch gute Chancen ein Ei angeheftet zu bekommen, sogar wenn sie als Raupennahrung völlig unbrauchbar ist, wie z.B. das Heidekraut.

Die Eier werden einzeln abgelegt. Bei der Eiablage wurden zwei Typen festgestellt, die vermutlich temperaturabhängig sind. Die meisten beobachteten Eiablagen erfolgten in etwa 20-30 cm Höhe über dem Boden an die grünen Blätter der Pflanzen (Pfeifengras, Hirse-Segge). Beim zweiten Typ werden die Eier dicht über dem Boden in der Streuschicht abgelegt. Die Eiablage erfolgt hauptsächlich an gut besonnten Pflanzen.

Die hellgrünen Raupen schlüpfen nach etwa 10-19, im Schnitt 14 Tagen Ende Juli (Drews 2003). Am deutschen Standort wurde Fraß an Hirse-Segge und Pfeifengras beobachtet (Bräu et al. 2010). Die kleinen Raupen überwintern dann und verfärben sich, unabhängig von einer Häutung, gelblich-bräunlich. Im Zuchtversuch unter Freilandbedingungen waren sie im Herbst bei gutem Wetter noch sehr lange aktiv. Nach der Überwinterung, an den ersten warmen Tagen etwa Ende März bis Anfang April werden die Raupen wieder aktiv und benötigen Nahrung. Das Pfeifengras ist zu dieser Jahreszeit völlig vertrocknet und hat noch nicht neu nachgetrieben. Daher kommt nun der Hirse-Segge, die grün überwintert, eine Schlüsselrolle zu.

Die gesamte Entwicklung des Moor-Wiesenvögelchens ist somit auf eine lang anhaltende und stabile Brachesituation der Lebensräume angewiesen. Die notwendige Streu und der bultige Aufbau entstehen erst durch eine mehrjährige Brachephase. Gleichzeitig darf das Gehölzaufkommen nicht zu stark sein, sondern sollte auf einem sehr geringen Niveau verharren bzw. muss durch Nutzung oder Pflege dort gehalten werden. Nur bei nahezu voller Besonnung lassen sich die hohen Wärmebedürfnisse des Moor-Wiesenvögelchens erfüllen. Zusätzlich werden Gehölze jedoch als Abschirmung und Windschutz z.B. am Rand der Flächen benötigt, da die Art wenig flugstark ist.

Verbreitung