Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

In Gefangenschaft können Luchse ein Alter von bis zu 25 Jahren erreichen, Angaben zu frei lebenden Tieren liegen nicht vor. Abhängigkeiten der Luchsdichte von einem bestimmten Beutetier sind aus Mitteleuropa nicht nachgewiesen, obwohl zum größten Teil Rehe gefressen werden (z.B. Mayer et al. 2012). Nach Hucht-Ciorga (1988) sind im Bayerischen Wald ca. 72 % aller Beutetiere Rehe, daneben auch Gams und Fuchs. Nur selten werden Feldhase, Murmeltier, Haus- und Wildkatze geschlagen (Jobin 1997).

Der Luchs frisst meist mehrere Tage nacheinander an seinen relativ großen Beutetieren. Verluste entstehen besonders in schneereichen Wintern ohne Verharschung, in denen der Luchs beim Laufen durch die Schneedecke bricht und dann keine Beute schlagen kann. Die Häufigkeit der Art wird außerdem durch Konkurrenzarten und menschliche Bejagung beeinflusst (Hemmer 1993). Neben dem Menschen kann nur der Braunbär dem Luchs gefährlich werden. Hauptsächliche Verlustursachen sind illegale Abschüsse und Verkehrsopfer (Breitenmoser-Würsten 1997, Vandel 1996). Hohe Wolfsbestände und hohe Luchsdichten scheinen sich auszuschließen (Hemmer 1993).

Luchsreviere müssen neben ihrer enormen Größe auch die Faktoren Störungsarmut und Durchlässigkeit (Unzerschnittenheit) aufweisen. Die meisten heutigen Vorkommen des Luchses liegen in bewaldeten Landschaften, was mehr auf die relative Störungsarmut dieser Gebiete zurückzuführen ist, als auf die gebotenen Strukturen. Bedeutsame Elemente in den Lebensräumen stellen trockene, gegen Wind und Regen geschützte Ruhe- und Wurfplätze dar, die meist auch einen guten Überblick über die Landschaft ermöglichen. Südexponierte Lagen werden bevorzugt genutzt (Haller & Breitenmoser 1986).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Der Luchs ist hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktiv (Hemmer 1993). Weibliche Luchse pflanzen sich ab dem 2. Winter fort, männliche Tiere wahrscheinlich erst im 3. Winter. Die Hauptpaarungszeit liegt in den Monaten Februar und März. Nach ca. 73 Tagen werden meist 2-3 Junge, seltener bis zu fünf Junge geboren (alle Angaben aus Hemmer 1993). In den ersten Wochen sind die Jungen an ihren Wurfplätzen in Felsspalten oder unter den Wurzeltellern umgefallener Bäume sehr empfindlich gegenüber Störungen aller Art. Diese „stationäre Phase“ ist beim Luchs auf den Zeitraum zwischen Mitte Mai und Ende Juli einzugrenzen (Wölfl schriftl. Mitt.).

Luchse haben nicht nur einen, gemessen an der kleinräumigen Strukturierung Mitteleuropas, enorm hohen Raumanspruch, sie sind auch ausgesprochen mobile Tiere. Haller & Breitenmoser (1986) konnten bei einem telemetrierten männlichen Luchs innerhalb eines Jahres ein Streifgebiet von 450 km² feststellen. Innerhalb von drei Tagen legte ein anderer männlicher Luchs in den Schweizer Alpen während der Paarungszeit eine Entfernung (Luftlinie) von 40 km zurück (Haller 1997). Seine große Mobilität macht den Luchs sehr anfällig für Verluste durch den Straßenverkehr (vgl. z.B. Breitenmoser-Würsten 1997).