Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Langflügelfledermaus nutzt Höhlen und Stollen zur Jungenaufzucht und zählt deshalb zu den sogenannten „höhlenbewohnenden“ Fledermausarten. In Österreich und Ungarn wurden einige Wochenstuben im Dachraum von Gebäuden gefunden (Bauer & Steiner 1960, Boye 2004). Dies gilt jedoch als Ausnahme. Neben Höhlen und Stollen werden auch Keller und andere unterirdische Räume genutzt. In diesen hängen die Tiere in dicht gedrängten Pulks an der Decke. Im Gegensatz zu den meisten anderen einheimischen Fledermausarten können Weibchen und Männchen der Langflügelfledermaus auch während der Jungenaufzucht dasselbe Quartier nutzen, wenn auch räumlich etwas getrennt.

Über die Nutzung und Auswahl der Jagdgebiete ist bisher nicht viel bekannt. Weid & v. Helversen (1987) beobachteten Langflügelfledermäuse in Höhe der Baumkronen und gelegentlich in Kopfhöhe über Waldwegen jagend. Nach Dietz et al. (2007) erbeuten Langflügelfledermäuse ihre Nahrung im Flug um Straßenlaternen, im Kronenbereich von Laubwäldern, über Gewässern sowie nahe am Pflanzenbewuchs. Die Langflügelfledermaus fliegt in einem schnellen und wendigen Flug mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 50 km/h (Boye 2004). Auf ihren Flugroten zum Jagdgebiet nutzt sie meist Wege oder Schneisen und fliegt teilweise nur 1-2 m über der Erdoberfläche. Als Nahrung dienen fliegende Insekten wie z.B. Schmetterlinge, Zweiflügler, Termiten, Florfliegen, Köcherfliegen und Käfer (Boye 2004, Freeman 1981).

Die Art führt regelmäßig saisonale Wanderungen zwischen Sommer- und Winterquartieren durch. Die häufigsten Entfernungen bei Wanderungen werden mit 40-100 km, die längsten mit über 800 km angegeben (Dietz et al. 2007). Sowohl im Herbst als auch im Frühjahr werden während dieser Wanderungen Zwischenquartiere, in Stollen (Spitzenberger 1981), Felshöhlen und –spalten (Leopold 2004), genutzt.

Winterquartiere der Langflügelfledermaus befinden sich zumeist in großen Höhlen oder Stollen mit Temperaturen zwischen 7 und 13°C (Schnetter 1960, Schober & Grimmberger 1998) und Luftfeuchten zwischen 95 bis 98 % (Bauer & Steiner 1960). In den Quartieren überwintern mehrere tausend Individuen, die frei hängend dichte Pulks bilden. Mitunter wird ein Quartier das ganze Jahr über besiedelt und dient als Wochenstube, Paarungs- und Winterquartier.

Die ehemaligen Vorkommen in Deutschland waren Überwinterungsgesellschaften bzw. Tiere auf der Wanderung, die im Sommer in Frankreich ihre Wochenstubenquartiere bezogen. Es wird davon ausgegangen, dass auch Paarungen in diesen Winterquartieren stattgefunden haben. Nach Boye (2004) ist die Langflügelfledermaus deshalb als sich ehemals in Deutschland fortpflanzende Art zu betrachten. In Deutschland sind bisher allerdings keine Aufzuchtstätten bekannt.

Das nachgewiesene Höchstalter liegt bei 16 Jahren (Schober & Grimmberger 1998).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Zwischen Ende Februar bzw. März endet, je nach Witterungsverlauf, der Winterschlaf der Langflügelfledermäuse. In den Wochenstuben werden dann ab April zunächst gemischte Kolonien mit Männchen und Weibchen gebildet. Zwischen Mitte Juni und Anfang Juli werden die Jungtiere geboren. Sie beginnen mit 37-41 Tagen zu fliegen und sind nach etwa 14 Wochen ausgewachsen (Boye 2004). Die Paarung findet im Herbst, teilweise aber auch während Wachphasen im Winterquartier statt. Anders als bei den meisten europäischen Fledermausgattungen, wird bei den Langflügelfledermäusen nach der Begattung die Eizelle sofort befruchtet und entwickelt sich, je nach Körpertemperatur des Weibchens, über den Winter langsam weiter (Oxberry 1979). In den gemäßigten Breiten wird allerdings die Einnistung bis zum Frühjahr hinausgezogen. Im Spätherbst ziehen die Tiere zu den meist über 100 km entfernten, großen Winterquartieren.

Da über die Nutzung und Auswahl der Jagdgebiete der Langflügelfledermaus kaum etwas bekannt ist, ist eine Einschätzung von auftretenden Konflikten mit land-, forst- und fischereiwirtschaftlicher Bodennutzung nicht möglich. Von einem negativen Einfluss des Einsatzes von Schädlingsbekämpfungsmitteln auf die Nahrungsverfügbarkeit der Langflügelfledermaus kann aber ausgegangen werden. Langflügelfledermäuse reagieren zudem sehr empfindlich auf Störungen in ihren Quartieren.