Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Kriechende Sellerie ist ein immergrüner, konkurrenzschwacher Doldenblütler mit einer Vorliebe für feuchten bis staunassen Untergrund. Diese Bedingungen findet er vor allem im zeitweise überschwemmten Bereich stehender oder langsam fließender Gewässer, aber auch in Gräben, Nasswiesen, Flutrasen oder feuchten Wegen. Als typische Pionierpflanze wächst er vielfach dort, wo natürlicherweise oder durch den Menschen verursacht „Lücken“ in der Pflanzendecke entstehen und dadurch genügend Licht für die konkurrenzschwache Pflanze vorhanden ist (Hauke 2003). Vor allem eine regelmäßige Mahd, Tritt oder Beweidung verursachen diese offenen Bodenstellen, in denen sich die Art ansiedeln und erfolgreich blühen kann. Aber auch im Wasser flutend oder untergetaucht kann diese Art in manchen Lebensräumen vorkommen. Häufig findet man den Kriechenden Sellerie in Weide- oder Mähweideflächen, aber auch in Spiel- und Liegewiesen im Bereich von Bade- oder Bootsanlegestellen (Fukarek & Voigtländer 1982, Wollert 1981).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Das Spross- und Blattwachstum des Kriechenden Selleries kann je nach Wasserstand und Witterung recht früh im Jahr erfolgen. Neben der generativen Vermehrung über Samen ist der Kriechende Sellerie auch in der Lage, sich vegetativ durch oberirdische Ausläufer fortzupflanzen und so größere Flächen mit nur einem einzigen Individuum zu besiedeln (Burmeier 2009). Welcher Fortpflanzungstyp vorherrscht, hängt von verschiedenen Faktoren ab, vor allem aber von der Nutzung (Mahd, Beweidung) und den Standortbedingungen der Lebensräume. So herrscht bei im Wasser lebenden oder häufig überfluteten Pflanzen hauptsächlich vegetative Vermehrung vor, während sich die Landformen des Kriechenden Selleries meist über Samen vermehren. Die Fähigkeit dieser Art Ausläufer zu bilden, die sich bewurzeln, erlaubt ihr, sehr schnell neu entstandene (Kleinst-)Lebensräume zu erobern und in sehr kurzer Zeit vergleichsweise große Bestände aufzubauen. Hinzu kommt, dass durch Verletzung (z.B. Tritt oder Mahd) abgetrennte Teilstücke der Pflanze sich bei Bodenkontakt bewurzeln können und damit auch eine schnelle und auch großflächige Besiedelung des Wuchsorts möglich ist (Burmeier 2006). Zusammen mit der niederliegenden Wuchsweise des Kriechenden Selleries sind dies ideale Anpassungen an nutzungsbedingte Störungen, wie Beweidungsdruck, häufige Mahd und Trittbelastung. Allerdings ist die Art konkurrenzschwach und wird schnell von der umgebenden Pflanzendecke überwachsen. Daher ist eine regelmäßige Störung der Lebensräume des Kriechenden Selleries durch Beweidung, Mahd, Tritt oder wechselnde Wasserstände enorm wichtig, um sein langfristiges Überleben zu sichern.

Die Blütezeit des Kriechenden Selleries erstreckt sich von Juni bis Oktober. Die anschließend gebildeten Samen benötigen eine Ruhephase und keimen erst im nächsten Frühjahr. Die Samenanzahl hängt nicht nur von der Fitness der Pflanze, sondern auch von der Störungsintensität im Sommer ab. Für die Keimung der Samen benötigt der Kriechende Sellerie Licht und oberflächliche Bodenverwundungen bzw. Störstellen, wie sie z.B. durch die Pflege der Lebensräume mit Beweidung regelmäßig entstehen. Allerdings ist die Sterblichkeit der Keimlinge auf beweideten Flächen vielfach sehr hoch.

Die Samen des Kriechenden Selleries sind langlebig und können eine Samenbank im Boden aufbauen. Dadurch sind sie in der Lage, unterirdisch ungünstige Umweltbedingungen zu überdauern und auch nach mehreren Jahren noch zu keimen. Dies ermöglicht der Art nach dem Eintreten geeigneter Wuchsbedingungen wieder in Erscheinung zu treten. Deshalb sollten auch auf Flächen mit ehemaligen Vorkommen des Kriechenden Selleries geeignete Wuchsbedingungen wiederhergestellt werden, da die Pflanzen möglicherweise aus der Samenbank reaktiviert werden können. Allerdings fehlen Daten, wie lange die Samen im Boden überleben können.

Die Ausbreitung der Samen erfolgt vermutlich mit Hilfe von Weidetieren, die an den Hufen anhaftende Samen transportieren bzw. Samen fressen und anschließend wieder ausscheiden. Zudem sind die Samen schwimmfähig und können entlang von Gewässern verdriftet werden. Trotzdem gilt das Ausbreitungspotenzial als ein Grund für die Seltenheit dieser Art.