Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Kleine Wasserfrosch bevorzugt in Mitteleuropa pflanzenreiche Moorgewässer, kleinere Wald-, Wiesen- und Feldweiher sowie Wiesengräben als Fortpflanzungsgewässer und Sommerlebensraum (Günther 1996, Plötner 2005). Ob ein Gewässer für ihn geeignet ist, hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: Es muss einen reichen Pflanzenbewuchs aufweisen und zudem gut besonnt sein. Größere Seen und weitgehend unbewachsene Abgrabungsgewässer werden nur selten besiedelt. Das gleiche gilt für Flüsse. Allerdings beherbergen Flussauen und Auengewässer mitunter größere Vorkommen des Kleinen Wasserfrosches. In stark vom Menschen überformten Gewässern fehlt die Art.

An den Gewässern halten sich die Tiere tagsüber an schlammigen Uferzonen zwischen dem Bewuchs in Sprungweite tieferer Wasserstellen auf.

Im Gegensatz zu den nahe verwandten Arten Teich- und Seefrosch weist der Kleine Wasserfrosch keine enge, ganzjährige Bindung an die Gewässer auf. So verlassen die Tiere bei der Nahrungssuche öfter das Gewässerumfeld. Auch werden regelmäßig Wanderungen über Land unternommen – z.B. sind die Jungfrösche in Klein(st)gewässern wie Wagenspuren oder Trittsiegeln von Weidetieren anzutreffen. Diese dienen als Ruheplätze und Trittsteine bei der Ausbreitung.

Zur Überwinterung werden meist Wälder in der Nähe der Fortpflanzungsgewässer aufgesucht. Hier graben sich die Tiere mithilfe ihrer großen Fersenhöcker in den lockeren Boden ein oder sie überwintern unter Moos, Blättern und kleinen Ästen (Günther 1996, Plötner 2005).

Der Kleine Wasserfrosch kommt häufig gemeinsam mit dem Teichfrosch vor. Verpaarungen zwischen beiden Arten finden regelmäßig statt. Alle „Grünfroscharten“ sind überwiegend tagaktiv. Bei der Nahrungswahl sind sie wenig wählerisch - sie fressen im wahrsten Sinne des Wortes alles, was ins Maul passt und nicht zu groß ist.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Der Kleine Wasserfrosch verlässt in der Regel im März oder April sein Winterquartier und begibt sich zum Laichgewässer. Der Zeitraum der Wanderung zum Laichplatz fällt somit mit der Frühjahrsbestellung der Felder und Pflegemaßnahmen im Grünland (Pflügen, Ansaat, Düngung, Spritzmitteleinsatz, Abschleppen) zusammen.

An den Laichgewässern tauchen die ersten Tiere ab Mitte März auf. Bis zur eigentlichen Laichperiode, die ab Ende April, oft erst ab Mitte Mai beginnt, verbleiben sie am Gewässer. Das eigentliche Fortpflanzungsgeschehen setzt ein, wenn das Gewässer mehrere Tage eine Temperatur von 15°C überschreitet (Günther 1996). Die Weibchen legen in Abhängigkeit von der Körpergröße mehrere Laichballen mit insgesamt ca. 400-3.000 Eiern. Anfang Juli ist das Fortpflanzungsgeschehen abgeschlossen.

Im Gegensatz zu Teich- und Seefrosch, die sich häufig das ganze Jahr am und im Gewässer aufhalten und lediglich zur Überwinterung benachbarte Fließgewässer aufsuchen können, unternimmt der Kleine Wasserfrosch regelmäßig Streifzüge über Land. Besonders nach warmen Regenfällen ist er auf Wiesen, Weiden und in den Wäldern im Umfeld der Gewässer auf Nahrungssuche anzutreffen. Diese Wanderungen fallen in den Zeitraum, in dem das Grünland zum zweiten oder dritten Mal gemäht wird. Gefährdet sind die Tiere dann, wenn feuchte Senken gemäht werden, da dies Bereiche sind, in denen sich v.a. Jungtiere bei trockener Witterung in größerer Stückzahl sammeln können. In der Regel kehren sie aber während trockener Witterungsphasen zu den Gewässern zurück (Günther 1996).

Ende August und während des Septembers beginnt die Rückwanderung zu den Winterquartieren, die in größerer Entfernung von den Gewässern liegen können (max. 15 km). Einige Tiere überwintern auch im Gewässer. Die Wanderung in die Winterquartiere fällt in den Zeitraum der herbstlichen Feldbestellung oder in die Ernte spätreifender Feldfrüchte.