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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Herzlöffel gilt als Überbleibsel aus dem wesentlich wärmeren und feuchteren Tertiär vor 65-3 Millionen Jahren (Käsermann 1999). Er kommt in wärmebegünstigten Tieflagen bis 500 m Höhe im Röhricht von mittel-nährstoffreichen, stehenden Gewässern, an Weihern, Altwassern, in flachen Buchten und auf Schlammböden vor (Casper & Krausch 1980, Oberdorfer 2001). Sein optimales Wachstum erreicht er in 20-40 cm tiefem Wasser. Tieferes Wasser oder ein Standort an Land resultieren in einem Ausbleiben von Blüten oder verkleinerten Blütenständen (Glück 1905, Kirchner et al. 1908). Die isolierten europäischen Vorkommen der Art lassen eine Ausbreitung durch Vögel vermuten. Das Vorkommen des Schwingrasens weist auf einen permanenten Aufstau oder nur kurze Trockenperioden (Sömmerung, Winterung) im Weiher hin. Diese Charakteristik scheint auch für den Herzlöffel vorteilhaft zu sein.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Der Herzlöffel blüht zwischen Juli und September. Allerdings kommt es nur in sehr warmen Sommern (22°C Wassertemperatur, 25-30°C Lufttemperatur) zu Blütenbildung und Samenreife. Die Bestäubung dieser Wasserpflanze erfolgt zwar hauptsächlich durch tierische Bestäuber, wie etwa Schwebfliegen und Bienen, allerdings kann sie sich auch selbst bestäuben. Je Exemplar sind ca. 22 Blüten mit 1-4 Samen pro Blüte zu finden. Die reifen Samen sind ballonartig gestaltet. Dadurch sind sie sehr gut schwimmfähig und an die Ausbreitung durch Wasser angepasst. Die reifen Früchte fallen von der Mutterpflanze ab und können bis zu 17 Tage auf der Wasseroberfläche schwimmen, bis sie vollgesogen auf den Grund sinken (Weiß & Poschlod 2009). Hier beginnen sie ohne Wurzelbildung zu keimen und steigen dadurch wieder auf. Durch die Strömung und anhaftend an das Gefieder von Wasservögeln kann die Art ausgebreitet werden. Ab einer bestimmten Keimlingsgröße sinkt dieser wieder auf den Grund ab und bildet nun Wurzeln.

Der Herzlöffel kann sich auch durch Überwinterungsknospen vermehren, die ab August an speziellen Stängeln unter Wasser gebildet werden. Diese fallen im Herbst von der Pflanze ab, überwintern im Schlammboden und bilden im Frühjahr neue Pflanzen, die nach 5 Monaten blühen können. Die 2 cm langen, 0,5 cm breiten und bis zu 52 Tage schwimmfähigen Überwinterungsknospen können zusätzlich durch Wasserströmung oder -vögel ausgebreitet werden. Sie benötigen eine Kälteperiode (Stratifikation), damit die typischen Blätter ausgebildet werden (Weiß & Poschlod 2009). Bei fehlender Stratifikation werden nur linealische Blätter ausgebildet. Im Herbst sterben sämtliche Pflanzenteile bis auf die Wurzeln ab. Aus dem verbleibenden Wurzeltrieb treibt im Frühjahr erneut eine Pflanze aus.

In Versuchen an der Universität Regensburg konnten fast nur Überwinterungsknospen zur Keimung gebracht werden. Samen wiesen eine äußerst geringe Keimfähigkeit auf und es konnten keine keimfähigen Samen im Schlammboden der Teiche nachgewiesen werden (Roauer 2007, Weiß & Poschlod 2009). Bei zu hohem Fischbesatz reagieren sowohl Jungpflanzen als auch etablierte Pflanzen empfindlich. Dabei kann zum einen die Wühltätigkeit der Fische aber auch der hohe Nährstoffeintrag zu einem Absterben der Pflanzen führen.