Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Das Überleben des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings ist an Wiesengebiete mit Vorkommen des Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis) gebunden. In die Blütenköpfe legen die Falter ihre Eier und in diesen entwickeln sich auch die Jungraupen. Anschließend werden die Raupen von Wirtsameisen adoptiert und in deren Bauten eingetragen. Dort ernähren sie sich bis zur Verpuppung von der Ameisenbrut.

Regional kann es sehr unterschiedlich sein, welche Frisch- und Feuchtwiesen hauptsächlich genutzt werden (z. B. Völkl et al. 2008). Außerhalb des Alpenvorlandes sind dies v.a. artenreiche Wirtschaftswiesen frischer bis mäßig feuchter Standorte, im Alpenvorland v.a. einschürige, spät gemähte Streuwiesen wechselfeuchter Standorte, daneben aber auch Feuchtwiesen und feuchte Hochstaudenfluren in verschiedenen Regionen.

Die Blütenköpfe des Großen Wiesenknopfs stellen die einzige Nahrung der Jungraupen dar. Deshalb muss diese Pflanze vorhanden sein, zur Flugzeit junge Knospen zur Eiablage aufweisen und sich weiter entwickeln bis die Raupen die Blütenköpfe verlassen. Die Blütenköpfe des Großen Wiesenknopfs dienen zudem - wie auch beim verwandten Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling - als wichtige Nektarquelle für die Falter. Häufig finden auch Balz und Paarung auf den Blütenköpfen statt.

Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling nutzt als Nektarquelle häufiger als der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling auch verschiedene andere Pflanzen (Drews 2003, Schulte et al. 2007). Dies sind v.a. Blutweiderich (Lythrum salicaria) und Vogel-Wicke (Vicia cracca), aber auch Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense), Sumpf-Kratzdistel (C. palustre), Gewöhnlicher Dost (Origanum vulgare) sowie Kriechender Günsel (Ajuga reptans) und je nach Verfügbarkeit weitere Pflanzenarten.

Der Große Wiesenknopf ist damit das offensichtlich prägende Element des Lebensraums des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings. Dennoch ist er nur in seltenen Ausnahmefällen der limitierende Faktor für das Überleben der Art. Ursächlich sind in der Regel ungeeignete Mahdtermine oder das Fehlen der Wirtsameisen in ausreichender Dichte (z.B. Geißler-Strobel 1999).

Die Wirtsameisenbindung des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings ist komplex. Ursprünglich wurde die Knotenameise Myrmica scabrinodis für die einzige Wirtsameise gehalten. In einigen Regionen Europas wurden inzwischen Raupen und Puppen aber auch bei anderen Myrmica-Arten gefunden. Innerhalb Deutschlands ist nach aktuellem Kenntnisstand M. scabrinodis die Haupt-Wirtsameise. Es liegen jedoch auch Beobachtungen von anderen Myrmica-Arten als Wirtsameisen vor (M. rubra, M. ruginodis, M. vandeli; in Bayern), deren Bedeutung für den Erhalt der Art noch nicht abgeschätzt werden kann (Völkl et al. 2008; vgl. auch Dierks & Fischer 2009). M. scabrinodis besiedelt vor allem lockerwüchsige Grünlandbestände. Sobald diese stärker gedüngt werden oder mehrere Jahre brach fallen, tritt die Ameise weniger häufig auf. Entsprechend ist in Lebensräumen des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings die Erhaltung bzw. die Entwicklung eines günstigen, lückigen Aufbaus der Pflanzendecke durch regelmäßige Mahd und weitgehenden Verzicht auf Düngung von großer Bedeutung.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

In den meisten Vorkommensregionen Deutschlands fliegt der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling von etwa Ende Juni/Anfang Juli bis Anfang/Mitte August. Dabei gibt es deutliche regionale Unterschiede. Eine Sonderstellung nimmt das Alpenvorland ein: Im südlichen Teil des Voralpinen Hügel- und Moorlandes beginnt die Flugzeit schon ab Mitte Mai, im nördlichen Teil kann sich die Flugzeit gebietsweise stark unterscheiden (Völkl et al. 2008). In den weiter nördlich anschließenden Naturräumen Bayerns beginnt die Flugzeit bis zu 4 Wochen später.

Während der Flugzeit legen die Weibchen ihre Eier einzeln an die jungen Blütenknospen des Großen Wiesenknopfs. Dabei werden die Eier mit Hilfe einer Legeröhre tief in die jeweiligen Blütenköpfchen versenkt. Damit Blütenköpfe für die Eiablage zur Verfügung stehen, ist eine frühe Mahd in den meisten Fällen nur bis 1. Juni, manchmal bis 15. Juni möglich (regional und z.T. jahrweise unterschiedlich). Stettmer et al. (2008) geben einen Abstand von ca. 3 Wochen bis zum Flugzeitbeginn an. Dies kann witterungsbedingt variieren. In Regionen mit früh fliegenden Vorkommen (Alpenvorland) ist eine frühe Mahd nicht verträglich.

Die Raupen schlüpfen nach etwa acht Tagen und fressen dann für ca. 3 Wochen in den Blütenköpfen. Jegliche Nutzung (Beweidung, Mahd) während dieses Zeitraums zerstört die komplette Nachkommenschaft. Gezielte Untersuchungen in Bayern haben gezeigt, dass auch eine Mahd am 1. September dort noch zu erheblichen Individuenverlusten führt (Völkl et al. 2008). Allgemein sollte die Spätsommermahd erst ab 15. September stattfinden, da dann sicher gestellt ist, dass der Hauptteil der Raupen die Pflanzen verlassen hat.

Ihre weitere Entwicklung vollziehen die Raupen im Ameisennest der spezifischen Wirtsameisenart, wo sie sich räuberisch von der Ameisenbrut ernähren. Die Ameisennester sind klein und der Nahrungsbedarf groß – meist kann nur eine Schmetterlingsraupe pro Ameisennest überleben. Für ein Vorkommen des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings reicht es daher nur, wenn die lokale Wirtsameise hohe Nestdichten aufbauen kann oder der Lebensraum sehr groß ist.

Entscheidend für ein Vorkommen des Wiesenknopf-Ameisenbläulings ist das Mahdregime. Dieses muss gewährleisten, dass die Pflanzen rechtzeitig zur Blüte kommen und während der Flugzeit der Falter und solange sich die Raupen noch in den Blütenköpfen des Großen Wiesenknopfs befinden, nicht gemäht werden. Im Wirtschaftsgrünland sind deshalb oft klein parzellierte Nutzungsmosaike mit verschiedenen Bewirtschaftern ausschlaggebend für eine ausreichend hohe Wahrscheinlichkeit, dass in jedem Jahr zumindest einzelne Flächen mit zur Entwicklung geeigneten Mahdzeitpunkten als Lebensraum zur Verfügung stehen. Auch für die Vorkommen der Wirtsameisen ist das Mahdregime entscheidend.

Das langfristige Überleben des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings ist nur bei regelmäßiger Mahd möglich. Die Mahdhäufigkeit muss an die Produktivität des Standorts angepasst werden, mehr als zwei Schnitte pro Jahr sind aber nicht möglich. Für schwach produktive Streuwiesen am Alpenrand reicht eine Streumahd im Herbst. Hier kommt ohnehin die früh fliegende Form vor, die einem frühen Schnitt entgegen steht. In Wirtschaftswiesen ist eine zweischürige Mahd erforderlich; Ausnahme bilden sehr schwach produktive Magerwiesen; hier genügt ggf. eine Frühmahd oder ein Wechsel aus ein bis zweischüriger Nutzung. Für die meisten Standorte sind zwei Schnitte zwingend notwendig, da ansonsten eine (oft unauffällige) Veränderung der Pflanzendecke stattfindet (inkl. Verfilzung in der Streuschicht), die den Lebensraum für die Wirtsameisen schnell verschlechtert.