Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Geeignete Lebensräume für die Art sind windgeschützte und sonnige Stellen in Schlehen-Weißdorn-Heckenfluren sowie in luftfeuchten, lichten Laubwäldern mit Schlehen-Unterwuchs. Die Art ist charakteristisch für Nieder- und Mittelwälder (Freina & Witt 1987, Helsdingen et al. 1996). Nach Ebert (1994) gab es in Baden-Württemberg auch ein Vorkommen auf einem Kalkmagerrasen mit Schlehengebüsch. Details zur Lebensraumnutzung in Bayern sind bei Dolek et al. (2008) dargestellt.

Die Weibchen legen ihre Eier in Gruppen auf Ästen der Futterpflanzen ab. In Deutschland wird nahezu ausschließlich die Schlehe genutzt, es liegen jedoch seltene Beobachtungen an Weißdorn und Wildbirne vor. Das Gelege wird mit grau-schwarzen Haaren abgedeckt, die die Weibchen von der Hinterleibspitze abstreifen (Afterwolle). Diese Haarbedeckung wirkt wie gekämmt, während sie beim ähnlichen Gewöhnlichen Wollafter struppelig ist.

In der Literatur werden Vermutungen angestellt, dass zur Eiablage dicke Äste bevorzugt an verkrüppelten Schlehen genutzt werden (Bolz 1998, Helsdingen et al. 1996, Macek & Červenka 1999). Dies konnte durch aktuelle Untersuchungen jedoch nicht bestätigt werden, die Eiablage erfolgte an Ästen mittlerer Stärke an für den Standort typischen Zweigen (Dolek et al. 2008).

Die Überwinterung erfolgt als Ei. Die jüngeren Larven leben zunächst gemeinsam auf einem selbstgesponnenen Zelt, bevor sie sich vereinzeln (Bergmann 1953, Macek & Červenka 1999). Bis zur Vereinzelung im dritten Larvenstadium können hohe Sterberaten auftreten, wenn die Bedingungen nicht ausreichend günstig sind. Die großen Raupen sind weniger wählerisch und fressen z.B. das Laub zahlreicher heimischer Laubbäume wie Weißdorn, Birnbaum und seltener Birke, Ulme, Pappel, Eiche und Berberitze.

Die Puppe ist in einem pergamentartigen, eiförmigen Kokon am Boden eingeschlossen und kann auch bis in das nächste oder übernächste Jahr überliegen, d.h. erst dann schlüpfen.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Flugzeit der Falter beginnt Mitte September und dauert etwa bis Mitte Oktober (Drews & Wachlin 2003). Auf Grund fehlender Mundwerkzeuge nehmen die Falter keine Nahrung zu sich. Die Männchen sterben bereits kurz nach der Paarung, die Weibchen nach der Eiablage. Die Weibchen legen ihre Eier im Herbst in Gelegen (mit durchschnittlich 179 Eiern) an die Nahrungspflanze. Nach der Überwinterung schlüpfen die Raupen Ende April bis Anfang Mai und beginnen ein gemeinsames Gespinst anzulegen. Von dort aus fressen sie in der Umgebung, am Anfang die sich öffnenden Knospen der Schlehe. Insbesondere wenn es in der Umgebung des ursprünglichen Gespinsts zu Nahrungsengpässen kommt, können die Raupen auch abwandern und Zweiggespinste bilden. Während der Jungraupenphase auf dem Gespinst benötigen sie eine ausreichende Wärme und Luftfeuchte (Messungen im Steigerwald), sind aber empfindlich gegenüber Spätfrösten (hohe Sterblichkeit im Steigerwald) und anhaltenden Regenfällen mit kühlen Temperaturen. Sobald die Bestände zu dicht und zu hoch und beschattet werden, können sie für Eiablage und Raupenentwicklung nicht mehr genutzt werden. Ein regelmäßiger Stockhieb muss daher erfolgen. Dieser erfolgt in den Mittel- und Niederwäldern in Bayern im Winterhalbjahr, was unproblematisch ist, da die Hiebsflächen nach der üblichen Umtriebszeit von ca. 25-35 Jahren ohnehin meist keinen Lebensraum für den Heckenwollafter mehr darstellen. Längerfristig erhaltene Lichtungen stellen dagegen wichtige Lebensschwerpunkte und müssen im Einzelfall auf ihre Bedeutung hin beurteilt werden. Sie können in traditioneller Form mit bearbeitet werden, wenn der verbleibende Lebensraum ausreichend groß und qualitativ