Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Haselmaus kommt in Deutschland überwiegend im Vorbergland, in den Mittelgebirgen und in den Alpen vor. Weite Teile der Tiefebenen sind nicht besiedelt (Juškaitis & Büchner 2010). Im Sommer werden kunstvoll gefertigte Schlaf- und Wurfnester freistehend in Stauden, Sträuchern und Bäumen verschiedenster Art oder in Baumhöhlen angelegt. Ein Tier baut pro Sommer 3-5 Nester (Storch 1978). Den Winter verbringen Haselmäuse in Nestern am Boden oder zwischen Wurzelstöcken. Die Tiere sind sehr ortstreu und nur in unmittelbarer Umgebung des Nests aktiv.

Haselmäuse ernähren sich je nach Angebot der Saison von Knospen, Blüten, Pollen, Blättern, Früchten und Samen. Im Frühsommer können bis zu 50 % Insekten und -larven aufgenommen werden. Wintervorräte werden nicht angelegt (Storch 1978, Richards et al. 1984). Im Herbst frisst sich die Haselmaus einen Fettvorrat an, von dem sie während ihres echten Winterschlafes zehrt. Haselmäuse können Zellulose nur sehr eingeschränkt verdauen. Im Gegensatz zu Echtmäusen oder Wühlmäusen ernähren sie sich deshalb nicht von Baumwurzeln.

Von hoher Bedeutung für die Haselmaus ist eine gut entwickelte Strauchschicht, die zahlreiche Blüten und Früchte trägt. Dazu ist ein ausreichendes Lichtangebot für die Sträucher die wichtigste Voraussetzung.

Aus Untersuchungen mit Nistkästen ist bekannt, dass das Höhlenangebot im Wald ein begrenzender Faktor für die Art ist. Haselmäuse nutzen neben den klassischen Spechthöhlen auch Rindentaschen, Baumgabelungen (Zwiesel) oder Astanbrüche für die Anlage ihrer Nester.

Haselmäuse können im Freiland ein Höchstalter von bis zu 6 Jahren erreichen (Juškaitis 1999). In guten Lebensräumen kommen sie mit Dichten von rund 3 Tieren je Hektar vor. Das ist im Vergleich zu den meisten anderen Kleinsäugern vergleichbarer Größe extrem wenig. So können Gelbhals-, Wald- oder Rötelmäuse in Mastjahren der Waldbäume Individuendichten von 100 je Hektar überschreiten.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

In Deutschland ist die Haselmaus von Anfang Mai bis Ende Oktober aktiv. Den Winterschlaf verbringen die Tiere in selbstgebauten Nestern am Boden im Laub, zwischen Wurzeln oder an Baumstümpfen (Storch 1978). In der Regel werden zwei Würfe pro Jahr geboren (Anfang Juni bis Anfang Juli und Ende Juli - Mitte September). Die Wurfgrößen liegen im Durchschnitt bei 4 Jungtieren (Löhrl 1960, Storch 1978, Schulze 1986).

Die Tiere bewegen sich überwiegend im Gezweig von Bäumen und Sträuchern fort, nur selten am Boden (Bright & Morris 1992). In der Oberlausitz (Sachsen) überwanden einzelne Jungtiere Flächen über 250 m ohne Gehölze, dies sind aber sehr seltene Ereignisse, die großräumig einen optimalen Lebensraum voraussetzen (Büchner 1997, Büchner 2008). Für erwachsene Tiere wirken bereits 20 m ohne „Astbrücken“ trennend. Waldwege oder Schneisen ab 6 m Breite ohne Kronenschluss wirken bereits als deutliche Barriere.

Im Lebensraum der Haselmaus spielen drei Faktoren eine Hauptrolle: Licht für die Strauchschicht, ein reichhaltiges Höhlenangebot und eine durchgängige Verbindung zwischen den verschiedenen Lebensstätten mittels Gehölzen. Daher sollten Durchforstungen nur in kleinen Parzellen von max. 2 ha Größe und unter Schonung von Strukturen stattfinden, die zur Nestanlage oder als Zufluchtstätte für Haselmäuse geeignet sind (Höhlenbäume, Efeu- und Geißblatt-Ranken, Brombeerdickichte usw., Bright & Morris 1996). Waldwege sollten nur so breit angelegt werden, dass sich über ihnen noch Zweige und Äste von beiden Wegseiten überlappen. Ein Belassen von Höhlenbäumen und Totholz im Bestand ist notwendig. Regional ist die naturschutzgerechte Nutzung von Mittel- und Niederwäldern wünschenswert. Von Bedeutung ist die Pflege artenreicher und gestufter Waldränder.

Verbreitung

Verbreitungskarte