Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Grüne Mosaikjungfer hat in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet eine enge Bindung an die Krebsschere, die als Ort der Eiablage dient und deren Bestände Lebensraum der Larven sind. Nur ausnahmsweise wurde die Eiablage an anderen Pflanzen wie Rohrkolben oder Igelkolben beobachtet.

Die Art findet sich in stehenden bis langsam durchströmten Gewässern mit größeren, zumeist dichten Krebsscherenbeständen wie Altarmen in Flussniederungen, windgeschützten flachen Seebuchten und Flachseen, Weihern, Biberstauseen, Teichen, Tümpeln, Torfstichen, Moorkolken. Daneben besiedelt sie z.B. in Flussmarschen auch Gräben innerhalb von Grünland, das mit einer geringen Beweidungsdichte oder einer lediglich ein- bis zweischürigen Mahd bewirtschaftet wird. Die Mindestgröße der besiedelten Krebsscherenbestände liegt bei 5 m², größere Larvenkolonien finden sich jedoch erst ab 50 m² großen Beständen. Optimal sind dichte Krebsscherenrasen, in denen sich die Blätter benachbarter Exemplare berühren, aber immer noch Zwischenräume mit anderen Wasserpflanzen (z.B. Froschbiss, Wasserschlauch) vorhanden sind. Die Wassertiefe ist im Bereich der Krebsscheren-Rasen meist gering und liegt zwischen 0,4 und 0,8 m, selten erreicht sie 1,3 m (Mauersberger et al. 2005). Die Gewässer sind oft verwachsen, viele von ihnen verlanden im Laufe der Zeit. Sie weisen eine permanente Wasserführung auf und trocknen somit niemals vollständig aus. Die Gewässer unterliegen meist einer mittleren Nährstoffversorgung. Daneben werden auch anmoorige – so genannte dystrophe – Gewässer besiedelt (Münchberg 1956, Mauersberger et al. 2005).

An die Fortpflanzungsgewässer können sehr unterschiedliche Pflanzenbestände angrenzen. Oft finden sich Großröhrichte, Weiden- oder Erlengebüsche, Großseggenriede sowie andere Gras- oder Waldbestände wie z.B. Buchenwald. Waldelemente sind vor allem bei größeren Gewässern für die Art von Bedeutung, da dadurch windgeschützte Bereiche entstehen können.

Die Schlupforte sind zumeist Blätter der Krebsschere, wo dann auch die Larvenhäute (Exuvien) gefunden werden können. Nach dem Schlupf entfernen sich die Tiere bis mehrere Kilometer vom Fortpflanzungsgewässer, wo sie insektenreiche Lebensräume in Wiesen, Feuchtgrünland und über Waldlichtungen zum Jagen nutzen. Diese Zeit intensiver Nahrungsaufnahme wird auch Reifephase genannt. Auch die Paarung findet oft abseits vom Fortpflanzungsgewässer statt. Während die paarungsbereiten Männchen oft über den Krebsscherenbeständen patrouillieren, kommen die Weibchen nur zur Eiablage an die Fortpflanzungsgewässer.

Sowohl die Larven als auch die Imagines (Geschlechtsstadium der Libellen) haben eine rein räuberische Lebensweise und ernähren sich ausschließlich von anderen Tieren. Fressfeinde der Larven sind neben den Larven anderer im gleichen Lebensraum vorkommender Mosaikjungferarten auch Fische, vor denen die Larven der Grünen Mosaikjungfer jedoch in den dichten, mit Stacheln bewehrten Krebsscherenrasen gut geschützt sind. Gewässer mit hohen Siedlungsdichten der Art weisen oft eine geringe oder fehlende Besiedlung durch Fische auf (Mauersberger et al. 2005). Die Imagines dürften v.a. Vögeln oder Radnetzspinnen zum Opfer fallen.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Nach der Eiablage beginnt die insgesamt zwei bis drei Jahre dauernde Ei- und Larvalentwicklung, die sich ausschließlich in den Krebsscherenbeständen vollzieht. Zunächst überwintern die Eier im Gewebe der im Herbst absinkenden Krebsscherenpflanzen, bevor ab Ende April des Folgejahres das Vorlarvenstadium – die so genannte Prolarve – schlüpft. Nach ein oder zwei weiteren Überwinterungen in unterschiedlichen Larvenstadien beginnt die Schlupfzeit der Grünen Mosaikjungfer meist in der zweiten Junihälfte. Die früheste Schlupfbeobachtung gelangen am 10.06.2000 (Mauersberger et al. 2005). Die Mehrzahl der Tiere schlüpft bereits zu Beginn der Schlupfperiode. So waren bei einer Untersuchung in den Bremer Flussmarschen bereits nach 12 Tagen die Hälfte der Tiere geschlüpft (Tscharntke 1990). Noch im August können Exuvien (Larvenhäute) der Art gefunden werden, die dann aber überwiegend von bereits lange zurückliegenden Schlupfereignissen stammen dürften.

Die Hauptflugzeit, in der vor allem Fortpflanzungsaktivitäten stattfinden, liegt zumeist in der zweiten Julihälfte. Die Gesamtflugzeit endet in der letzten Augusthälfte oder Anfang September (Mauersberger et al. 2005). Während der Flugzeit zwischen Mitte Juni und Ende Juli sind die Tiere gegen eine Mahd ihrer Hauptaufenthaltsorte nahe der Gewässer, meist Seggenriede und Hochstaudenfluren, sehr empfindlich.

Ihr tageszeitliches Aktivitätsspektrum kennzeichnet die Grüne Mosaikjungfer als „Spätaufsteherin“. Die Tiere übernachten oft bodennah in Rieden über feuchten Bereichen in der näheren oder weiteren Umgebung ihrer Fortpflanzungsgewässer. Da sich dort aufgrund der Feuchte die Luft in den Morgenstunden nur zögernd erwärmt, verharren die Libellen dort oft bis zum späten Vormittag fast regungslos in der Pflanzendecke. Die Tiere können dann Fahrzeugen und Maschinen nicht ausweichen und sind daher empfindlich gegen eine Bewirtschaftung zu dieser Tageszeit.