Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Das Große Mausohr ist eine typische Gebäudefledermaus. Die Wochenstubenquartiere befinden sich meist in störungs- und zugluftfreien, mittelgroßen bis großen Dachräumen vor allem alter Gebäude (Kirchen, Schlösser, Klöster etc.) (Dietz et al. 2007, Dolch 2002, Kulzer 2003, Reiter & Zahn 2006, Simon & Boye 2004, Simon et al. 2004). Selten werden Brückenhohlräume, Baumhöhlen oder warme unterirdische Räume genutzt (Dietz et al. 2007, Dolch 2002, Kulzer 2003, Reiter & Zahn 2006). Während Schlechtwetterperioden übertagen die Wochenstubentiere mitunter vorübergehend in Baumhöhlen in Jagdgebietsnähe (Simon & Boye 2004). Die Weibchen kehren zum größten Teil jährlich in ihre Geburtswochenstube zurück (Simon & Boye 2004). Eine hohe Quartiertreue gilt sowohl für die Wochenstubenquartiere als auch für die Männchen-, Paarungs- und Winterquartiere (Dietz et al. 2007, Kulzer 2003). Das Große Mausohr kennt neben dem Wochenstubenquartier häufig noch ein Ausweichquartier (Horáček 1985, Kulzer 2003, Simon & Boye 2004, Simon et al. 2004, Zahn & Dippel 1997). Des Weiteren gibt es relativ regelmäßig einen Austausch zwischen verschiedenen Wochenstuben (Simon et al. 2004). Im Sommerquartier hängen Große Mausohren üblicherweise frei in einer oder mehreren Gruppen, sogenannten „Clustern“.

Die Männchen halten sich im Sommer üblicherweise an verschiedenen Hangplätzen auf (Zahn & Dippel 1997). Diese Plätze sind ebenfalls oft in Dachböden von Kirchen oder anderen großen Gebäuden zu finden (Haensel 1990, Horáček 1985, Kulzer 2003, Reiter & Zahn 2006, Zahn & Dippel 1997). Außerdem halten sie sich in Hohlräumen an Gebäuden, hinter Fensterläden, in Höhlen, Stollen, Baumhöhlen, Nistkästen oder Fledermauskästen auf (Dietz et al. 2007, Kulzer 2003, Reiter & Zahn 2006, Schmidt 1995, Simon & Boye 2004).

Die Hauptbeute des Großen Mausohrs stellen bodenbewohnende, große Laufkäferarten dar (Arlettaz 1996, Dietz et al. 2007, Kolb 1958, Kulzer 2003, Simon & Boye 2004, Wolz 2002). Abhängig von der Verfügbarkeit wird auch andere Nahrung wie Maikäfer, Mistkäfer, Falter und ihre Raupen, Wiesenschnaken und Spinnen angenommen (Arlettaz 1996, Dietz et al. 2007, Kulzer 2003, Simon & Boye 2004). Die Beute wird überwiegend vom Boden erfasst, während die Jagd im freien Luftraum eine deutlich geringere Rolle spielt (Arlettaz 1996, Güttinger 1997, Kulzer 2003). Daher bevorzugt das Große Mausohr als Jagdgebiet Bereiche, in denen der Boden frei zugänglich ist (Arlettaz 1996, Güttinger 1997, Kulzer 2003, Simon & Boye 2004).

Männchenquartiere können auch als Paarungsquartiere genutzt werden. Die Weibchen suchen die Männchen dort auf, legen dabei Distanzen von bis zu 70 km (regelmäßig) bzw. bis zu 150 km (in Einzelfällen) vom Wochenstubenquartier zurück (Schmidt 2003, Simon & Boye 2004, Simon et al. 2004) und bleiben dort einige Tage.

Bereits Ende August zur spätsommerlichen Schwärmzeit tauchen die ersten Tiere in den Winterquartieren auf, die bis zu 200 km von den Sommerquartieren entfernt liegen können (Simon & Boye 2004). Die Winterquartiere liegen in Felshöhlen, Grotten, Stollen, Kasematten, tiefen Kellern und Tunneln (Bogdanowicz & Urbanczyk 1983, Daan & Wichers 1968, Dietz et al. 2007, Eisentraut 1934, Haensel 1974, Horáček 1985, Kulzer 2003, Simon & Boye 2004, Spitzenberger 1988), in denen die Tiere oft frei an Decke, Vorsprüngen oder Wänden hängen (Horáček 1985, Kulzer 2003, Simon & Boye 2004). In Quartieren mit stärkeren Luftbewegungen verkriechen sie sich in Nischen, Spalten und Hohlräumen (Horáček 1985, Kulzer 2003, Simon & Boye 2004). Im Verlauf des Winters erwachen die Tiere gelegentlich und verändern ihren Hangplatz den Temperaturverhältnissen entsprechend. In den Winterquartieren finden sich überwiegend Einzeltiere oder kleinere Gruppen (Dietz et al. 2007).

Für Große Mausohren wird ein Höchstalter von 25 Jahren angegeben, wobei noch 18 Jahre alte Weibchen erfolgreich Junge aufziehen können (Dietz et al. 2007, Simon & Boye 2004).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Großen Mausohren verlassen ihr Winterquartier in der Regel ab März, mitunter auch erst gegen Ende April (Simon & Boye 2004). Ab dieser Zeit erscheinen dann die ersten Tiere in den Sommerquartieren (Braun 1989, Horáček 1985, Kulzer 2003, Reiter & Zahn 2006). Im April, oder spätestens im Mai, sind die Wochenstuben komplett (Braun 1989, Dietz et al. 2007, Horáček 1985, Kulzer 2003, Simon & Boye 2004). Es gibt Nachweise von über 2.000 Tieren in einer Wochenstube, allerdings sind es meist weniger als 150 erwachsene Weibchen (Boye et al. 1999, Simon & Boye 2004). Die Geburten finden zwischen Ende Mai und Anfang Juli statt (Dietz et al. 2007, Horáček 1985, Kulzer 2003). Üblicherweise wird nur ein Jungtier pro Weibchen geboren, Zwillingsgeburten sind selten (Kulzer 2003, Simon & Boye 2004). Die Geburtstermine hängen sehr von den klimatischen Bedingungen ab, wobei eine Tragzeit von 60-70 Tagen angenommen wird (Kulzer 2003). Ab August, in besonders warmen Sommern bereits Ende Juli, verlassen die Weibchen die Wochenstube. Bis Oktober haben sich die Wochenstuben dann weitgehend aufgelöst, lediglich einige Jungtiere verbleiben mitunter noch länger (Braun 1989, Dietz et al. 2007, Horáček 1985, Kulzer 2003). Die Paarungszeit reicht von August bis Oktober mit einem Schwerpunkt in der zweiten August- und der ersten Septemberhälfte (Horáček 1985, Kulzer 2003, Zahn & Dippel 1997). Es kommt aber auch noch über den Winter hinweg zu Paarungen (Simon & Boye 2004). Die Phase der Überwinterung beginnt ab September oder Oktober (Horáček 1985, Simon & Boye 2004). Der eigentliche Winterschlaf dauert ungefähr bis Februar (Horáček 1985).

Zur Jungenaufzucht benötigen die Großen Mausohren ausreichend nahrungsreiche Jagdgebiete, die sie über traditionelle Flugrouten erreichen. Zusammenhänge mit der Landnutzung ergeben sich daher bei allen forst- oder landwirtschaftlichen Nutzungen, die auf die vom Großen Mausohr benötigten offenen bzw. niedrig bewachsenen, insektenreichen Bodenflächen in Wäldern und im Offenland einen Einfluss haben. Darüber hinaus ist der Verlust der als Leitelemente und Jagdgebiete genutzten Landschaftsbestandteile (Hecken, Waldränder etc.) durch Vergrößerung der Ackerschläge zu nennen. Außerdem ist die Reduzierung des Insektenreichtums durch den Einsatz von Herbiziden und Insektiziden auf landwirtschaftlichen Flächen und im Wald (Maikäferbekämpfung) problematisch. Schließlich können durch den Anbau nicht standortheimischer Baumarten Jagdgebiete im Wald in ihrem Insektenreichtum eingeschränkt oder durch forstliche Nutzung, insbesondere Kahlschläge, zahlreiche Quartiere zerstört werden.

Verbreitung