Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Große Moosjungfer findet sich in Gewässern mit einer mittleren Dichte der Pflanzenbestände. Sie meidet sowohl bewuchslose als auch stark bewachsene Gewässer mit dichten und hochwüchsigen Pflanzenbeständen. Sie besiedelt daher bevorzugt Gewässer mittlerer Stadien des Pflanzenbewuchses (Sukzession) mit einer meist hohen Vielfalt unterschiedlich gegliederter Pflanzenbestände. Neben offenen Wasserflächen finden sich Bestände aus bis an die Wasseroberfläche reichenden Unterwasserpflanzen. Diese sind vor allem Wasserschlauch- (Utricularia vulgaris, U. australis, U. minor), Tausendblatt- (Myriophyllum spicatum) und Hornblatt-Arten (Ceratophyllum demersum, C. submersum), Torf- und Wassermoose sowie Armleuchteralgen. Oft sind auch Bestände von Schwimmblattpflanzen aus z.B. Schwimmendem Laichkraut (Potamogeton natans) oder der Weißen Seerose (Nymphaea alba) sowie lockere Riedbestände vor allem der Schnabel-Segge (Carex rostrata) vorhanden. Die Gewässer sind zumeist von lockeren Gehölzbeständen umgeben oder befinden sich in Wäldern. Nur selten liegen sie in der offenen Landschaft.

Die Fortpflanzungsgewässer der Großen Moosjungfer haben einen meist mittleren Nährstoffgehalt und können sehr unterschiedlich groß sein: die Größe der offenen Wasserfläche liegt zwischen 5 und mehr als 20.000 m². Die Gewässer bzw. deren besiedelte Zonen sind mit einer Wassertiefe von meist unter 0,8 m sehr flach. Häufig werden Moorgewässer mit einem von Huminstoffen braun gefärbten Wasserkörper und einem dunklen Untergrund aus Torfschlamm besiedelt. Die Beschattung durch Ufergehölze ist meist gering, so dass die Gewässer eine hohe Sonneneinstrahlung aufweisen. Beides – der dunkle Untergrund und eine hohe Sonneneinstrahlung – führen zu vergleichsweise hohen Wassertemperaturen und günstigen Verhältnissen für die als wärmebedürftig geltende Große Moosjungfer (Wildermuth 1992, Sternberg et al. 2000, Mauersberger 2003).

Ihren Lebensraumansprüchen entsprechend ist die Große Moosjungfer v.a. in Süddeutschland eine Bewohnerin von Moorgewässern wie größeren Schlenken und Kolken, Torfstichen sowie Gewässern der Moorrandzone – den so genannten Laggs. Sie findet sich aber auch regelmäßig in anderen Gewässertypen, weshalb sie nicht als „Hochmoorlibelle“ angesehen wird (Sternberg et al. 2000). So besiedelt sie in Niederungen mit grundwassergespeisten Niedermooren Kleingewässer und Gräben. In Nordostdeutschland bewohnt die Art auch Feldsölle – das sind Kleingewässer in eiszeitlich entstandenen Toteislöchern. Daneben findet sie sich in Kleinseen, Weihern und Biberstauseen. Aber auch durch den Mensch entstandene, so genannte Sekundärgewässer wie nicht mehr genutzte Fischteiche und Abgrabungsgewässer in Sand-, Lehm- und Kiesgruben sind Fortpflanzungsgewässer der Art.

Die Große Moosjungfer bevorzugt fischfreie Gewässer. Sie kommt aber auch zusammen mit Fischen vor, wenngleich in geringerer Dichte (Mauersberger 2010). Gewässer mit Fischbeständen können vermutlich nur dann besiedelt werden, wenn sich randlich Bereiche mit dichtem Pflanzenbewuchs finden, in denen sich die Larven verstecken können. In Gewässern, deren Fischfauna vom Flussbarsch dominiert ist, konnten in einer Studie keine Vorkommen der Großen Moosjungfer festgestellt werden (Mauersberger 2010). Fraßfeinde der Larven der Großen Moosjungfer sind außerdem andere Großlibellenlarven wie z.B. die der Blaugrünen Mosaikjungfer (Aeshna cyanea). Treten diese Arten in großer Zahl auf, werden entsprechende Gewässer von der Großen Moosjungfer gemieden.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Entwicklungszeit der Larven dürfte je nach Temperatur der Gewässer und Witterungsverlauf im Regelfall zwei bis drei Jahre betragen (Münchberg 1931, Wildermuth 1994). Beobachtungen aus Brandenburg belegen, dass zumindest in einigen Gewässern ein Teil der Population auch eine einjährige Entwicklung durchlaufen kann (Brauner 2006).

Die Schlupfzeit beginnt – je nach Witterungsverlauf und Wärme der Gewässer – zwischen Ende April und Mitte Mai, in höheren Lagen oft erst ab Ende Mai (Sternberg et al. 2000). Die Schlupfperiode ist vergleichsweise kurz, im Durchschnitt schlüpft die Hälfte der Population innerhalb der ersten zwei Wochen (Wildermuth 1994). Die Hauptflugzeit liegt