Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Große Kuhschelle kommt hauptsächlich in Gebieten des pannonischen Raums (Österreich, Ungarn, Slowakei, Rumänien und Ukraine) vor, der durch ein sommerwarmes und relativ trockenes Klima geprägt ist. Ihr bevorzugter Lebensraum sind Halbtrocken- und Steppenrasen, wobei sie vollsonnige, aber auch leicht beschattete Standorte besiedeln kann (Oberdorfer 2001). Sie ist eine mehrjährige, krautige Pflanze mit einer kräftigen Pfahlwurzel und einem bei älteren Individuen verzweigten, schwarzgefärbten unterirdischen Spross (Rhizom). Dies ermöglicht ihr, in den typischerweise mit Schafen beweideten oder gemähten Lebensräumen zu überdauern, da sie in der Lage ist, nach Verbiss oder Zerstörung der oberirdischen Teile erneut auszutreiben. Auch das Abbrennen von Flächen im Februar oder März zur Entfernung der Streuauflage überlebt die Große Kuhschelle problemlos. Auf starke Trittbelastung reagiert sie ebenfalls sehr widerstandsfähig und bildet aus Knospen am Rhizom neue Tochterrosetten, die unterirdisch mit der Mutterpflanze verbunden bleiben (Wells & Barling 1971). Bleiben Beweidung oder Mahd aus und nehmen infolgedessen höherwüchsige Pflanzen, wie Gräser, Sträucher oder Bäume zu, büßt die Große Kuhschelle sehr schnell ihre Blühfähigkeit ein und verschwindet langfristig ganz.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Große Kuhschelle gehört zu den absoluten Frühlingsboten in den Kalkmagerrasen. Schon im März streckt sie ihre hellvioletten Blüten aus der noch braungefärbten Streuschicht. Ein unterirdisches Sprosssystem, an dem sich schon im vergangenen Herbst vollentwickelte Blütenknospen gebildet haben, macht diesen frühen Start möglich. Geschützt durch stark behaarte Deckblätter und eine Schicht aus abgestorbenen Laubblättern überwintern die Blütenknospen knapp unter bzw. auf dem Erdboden. Die Einwirkung von Feuer gegen Ende des Winters beeinflusst die Große Kuhschelle nicht negativ (Wells & Barling 1971). Eine Pflanze kann mehrere bis zu 15 cm hohe Blühsprosse ausbilden, die jeweils eine einzelne, große Blüte tragen. Die Anzahl keimfähiger Früchte pro Blüte schwankt stark und hängt möglicherweise mit ungünstigen Wetterphasen zusammen, in denen Bestäuber ausbleiben. Zwar wird vermutet, dass die Pflanzen zur Selbstbestäubung fähig sind, die Bestäubung durch Insekten scheint aber bessere Erfolge für den Fruchtansatz zu bewirken. Nach der Bestäubung beginnt sich der Blütenstiel zu verlängern und ragt schließlich über die übrige Pflanzendecke hinaus. Dies fördert möglicherweise die Freisetzung der Früchte und deren Ausbreitung durch den Wind bzw. durch das Anhaften an das Fell vorbeiziehender Weidetiere. Der Wind spielt allerdings eine eher untergeordnete Rolle bei der Ausbreitung, da nur sehr kurze Distanzen (selten mehr als 20 cm) dabei überbrückt werden können. Außerdem bleiben die Früchte häufig aneinander hängen und fallen so durch das höhere Gewicht schneller zu Boden. Dort verhindert der für Kuhschellen charakteristische, stark verlängerte Griffel durch das Hängenbleiben an anderen Pflanzen mitunter das Erreichen des Bodens und somit eine erfolgreiche Keimung. Die Schaffung offener Bodenstellen und einer lückigen Pflanzendecke fördert somit den Keimerfolg. Größere Entfernungen und damit neue Lebensräume können nur durch das Anheften der Früchte an das Fell von Weidetieren (im besonderen Schafe) erreicht werden. Eine Schafbeweidung kann somit die Ausbreitung des Bestandes in angrenzende geeignete Flächen begünstigen. Keimlinge benötigen ausreichend Feuchtigkeit und reagieren empfindlich auf Austrocknung. Daher sollten direkt nach der Ausstreu der Früchte kleinere Rohbodenstellen, die leicht von Moosen oder niedrigen Pflanzen überschattet werden zur Verfügung stehen. Auch im späteren Verlauf der Keimlingsentwicklung, die sehr langsam verläuft (auch nach 2 Jahren kann der Rosettendurchmesser gerade mal 5 mm betragen), brauchen die Keimlinge eine lückige Pflanzendecke, damit die kleinen Pflanzen nicht von höher wüchsigen Arten verdrängt werden und sie vor Fraßfeinden, wie Schnecken, zu schützen, die sich bevorzugt in den schattigen Wuchsbereichen aufhalten.

Verbreitung

Literatur

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