Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Das Graue Langohr ist eine sehr standorttreue Art und in Mitteleuropa eine typische Dorffledermaus. Die Sommerquartiere befinden sich fast immer, Wochenstubenquartiere sogar ausschließlich in und an Gebäuden. Das Graue Langohr bezieht dabei oft geräumige Dachböden, in denen es frei hängt, aber auch Mauerhohlräume oder eher seltener Spalten hinter Wandverkleidungen (Dietz et al. 2007, Schober & Grimmberger 1998, Simon et al. 2004). Die Wochenstuben umfassen dabei meist nur 10-30, in manchen Fällen aber auch bis zu 180 Weibchen (Kiefer 1996). Bei hohen Temperaturen hängen die Tiere in kleinen Grüppchen verteilt im Quartier. Zwischen den Wochenstubenquartieren sind vor allem kleinräumige Wechsel bekannt (Simon et al. 2004).

Die Männchen können im Sommer in einer Vielzahl verschiedener Quartiere z.B. in Dehnungsfugen von Brücken, Höhlen und Stollen angetroffen werden. Vereinzelt halten sie sich auch in Vogel- und Fledermauskästen auf (Dietz et al. 2007, Schmidt 1985, Schober & Grimmberger 1998).

Das Graue Langohr hat zwei unterschiedliche Jagdstrategien. Zum einen jagt es kleinräumig in langsamem Flug dicht über dem Bewuchs, zum anderen schnell im offenen Luftraum entlang von linienförmigen Landschaftselementen wie z.B. Hecken oder Baumreihen. Es ist in der Lage, seine Jagd auf fliegende Beute mit dem Absuchen des Bewuchses nach sitzenden Insekten zu kombinieren. Dabei kann es von knapp über dem Boden bis in Höhen von über zehn Metern seine Beute jagen. Meist hält es sich zwischen zwei und fünf Metern auf (Bauerová 1982, Kiefer 1996, Kiefer & Veith 1998b). Der Anteil fliegender Insekten generell, sowie der Anteil der Nachtfalter in der Beute, ist beim Grauen Langohr wesentlich höher als bei seiner Schwesterart dem Braunen Langohr. Nachtfalter, die das Graue Langohr auch gerne an Straßenlaternen erbeutet, machen 70-100 % der Beute aus. Dabei dominieren vor allem die Eulenfalter (Castor et al. 1993). Bei Massenauftreten werden auch Blatthornkäfer bis zur Größe von Maikäfern gefressen (Appelt 1985, Dietz et al. 2007). Im Herbst werden dann auch Zweiflügler wie z.B. Kohlschnaken gejagt. Besonders große Beute wird gerne an spezielle Hangplätze getragen und dort verzehrt. Die Jagdgebiete können teilweise bis > 7 km vom Quartier entfernt liegen (Rahmel, mdl. Mitt. 2011), wobei quartiernahe Bereiche (< 1,4 km) zum Teil in einer Nacht mehrmals angeflogen werden (Flückiger & Beck 1995, Kiefer 1996, Kiefer & Veith 1998b).

Paarungsquartiere des Grauen Langohrs befinden sich sowohl in Gebäuden (z.B. in Dachstühlen) als auch in Stollen, Höhlen und Kästen (Häussler & Braun 2003, Kiefer 1996).

Bei Ortswechseln zwischen Sommer- und Winterquartieren wurden in Deutschland Distanzen von bis zu 18 km beobachtet (Kiefer & Veith 1998b). Im Winter suchen die Grauen Langohr