Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Große Tümmler gilt zwar gemeinhin als der typische Delfin, doch ist die Art dank ihrer ökologischen Anpassungsfähigkeit eigentlich so vielgestaltig, dass eine taxonomische Aufteilung in mehrere eigenständige Arten wahrscheinlich ist. Bisher unterscheidet man zumeist mindestens zwei Ökotypen: Küstennah leben etwas kleinere, hellgrau gefärbte Tümmler, die oft ortstreu und in kleineren Gruppen leben, während fernab der Küsten größere Gruppen mit großen, dunklen Offshore-Tümmlern umher vagabundieren. Zwischen den beiden Tümmlerformen ist keine klare Grenze zu ziehen, da die Art lokal sehr variabel ist und die Wahl der Lebensräume von mehreren veränderlichen Faktoren abzuhängen scheint. Die küstennah lebenden Großen Tümmler können anscheinend in einer Vielzahl von Lebensräumen von flachen Buchten und Prielsystemen in Marschen bis zu tiefen Fjorden oder geschäftigen Häfen leben und zeigen meist keine besondere Scheu vor Schiffen. Einzeltiere suchen teilweise auch über längere Zeiträume aktiv die Gesellschaft von Menschen auf. In subtropischen Lebensräumen scheinen Große Tümmler relativ tolerant zu sein gegen Lärm und Verschmutzung. Große Tümmler sind dank ihrer Intelligenz in der Lage, eine Vielzahl von Jagdmethoden zu entwickeln und zu perfektionieren. So können sie u.a. kleine Beutefische an Land treiben und dort absammeln oder einzelne, benthisch lebende Fische im Sediment aufspüren. Entsprechend vielfältig ist ihre Fischnahrung, d.h. sie gelten als Nahrungsgeneralisten, die gelegentlich sogar Tintenfische verspeisen.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Der Lebenszyklus des Großen Tümmlers hängt wesentlich vom jeweiligen Ökotyp ab. In der Nordsee scheint heutzutage nur die Küstenform vorzukommen, die meist küstennah und relativ standorttreu in verhältnismäßig kleinen Gruppen vorkommt. Dabei gehören normalerweise die Mitglieder mehrerer Kleingruppen zu einem lokalen Verband und werden regelmäßig unter den Gruppen ausgetauscht. Dieses Verhaltensmuster kann auch in anderen Teilen der Welt beobachtet werden (z.B. an der US-Küste des Golfes von Mexiko), wobei die geographische Ausdehnung des lokalen Verbandes variieren kann und z.B. in Irland die gesamte Küste einzuschließen scheint, wie Wiedersichtungen über Entfernungen von bis zu 650 km nahe legen (O’Brien et al. 2010).

Der Große Tümmler gilt als am besten untersuchte Delfinart. Sein Lebenszyklus ist im Freiwasser vor allem in den USA, Australien, Neuseeland, Südafrika und im Mittelmeer eingehend studiert worden. In Florida ergaben Zahnschliffe, dass Große Tümmler bis zu 48 Jahre (Männchen) bzw. 57 Jahre (Weibchen) alt werden können. Im Alter von 5–13 Jahren werden sie geschlechtsreif und nach einer Tragezeit von etwa einem Jahr säugen sie ihr einzelnes Kalb etwa 1,5-2 Jahre lang. Ein Weibchen bekommt ihr nächstes Kalb etwa nach 3-6 Jahren meistens in den wärmeren Monaten von Mai bis September auf der Nordhalbkugel. Für Paarung und Geburt sind keine besonderen Gebiete bekannt, doch dürften zumindest zum Kalben störungsarme Bereiche aufgesucht werden. Jahreszeitliche Wanderungen sind bei den küstennah lebenden Tümmlern in Europa nicht bekannt, wohl aber entlang der Ostküste der USA.

Heute ist der Große Tümmler in der Deutschen Bucht nur noch ein sehr seltener Gast (z.B. 2004, als eine große Tümmler-Gruppe von 50-200 Tieren von Belgien bis zur Elbmündung verfolgt werden konnte).

Verbreitung

Literatur

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