Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Wochenstubenquartiere der Großen Bartfledermaus befinden sich in Deutschland sehr häufig in Spaltenquartieren hinter Verkleidungen, Fensterläden, im Dachbereich zwischen Balken, Verschalung oder Latten und Dachbedeckung (z.B. Ziegel, Holz, Eternit) und in Hohlblocksteinen in und an Gebäuden, oftmals auf Dachböden. Außerdem werden in Wäldern Spaltenquartiere und abstehende Borke, Vogelnist- und Fledermauskästen (insbesondere von den Männchen während der Balz) als Quartiere genutzt (Boye et al. 2004, Dense & Rahmel 2002, Dietz et al. 2007, Forch 1994, Häussler 2003, Kraus 2004, Meschede & Heller 2000, Schmidt 2007, Thompson 1979). Die Wochenstubengröße beträgt meist 20-120, manchmal bis zu 350 Weibchen (Taake 1992). Die Weibchen nutzen mehrere Wochenstubenquartiere, zwischen denen sie regelmäßig wechseln (Kraus 2004, Ohlendorf 1983). Dabei können Quartierwechsel auch zwischen Haus- und Baumquartieren erfolgen (Dense & Rahmel 2002).

Die Jagdgebiete der Großen Bartfledermaus liegen in lichten Wäldern (vor allem feuchte oder staunasse Laubwälder wie Au- und Bruchwälder), Feuchtgebieten (auch Mooren), Gärten und an Gewässern (Dense & Rahmel 2002, Schober & Grimmberger 1998, Taake 1992). Ebenso patrouillieren sie im Jagdflug entlang von Hecken, Baumreihen, Waldrändern und Gräben (Dense & Rahmel 2002). Regelmäßig beflogene Jagdgebiete können dabei über 10 km vom Sommerquartier entfernt sein. Die Große Bartfledermaus fliegt häufig entlang von Leitelementen wie z.B. Baumhecken, Gräben, Feldgehölzen und nutzt stets dieselben Flugrouten (Dense & Rahmel 2002, Häussler 2003). Sie meidet dabei nach Möglichkeit völlig offene Landschaftsteile.

Die Große Bartfledermaus jagt in Abhängigkeit von der Lebensraumausstattung in sehr unterschiedlichen Höhen. In der Nähe von Pflanzenbewuchs fängt sie ihre Beutetiere passend zur Gehölzhöhe in niedrigem, schnellem und kurvigem Flug in Höhen zwischen 3-10 m. Über Gewässern können die Tiere sogar in 20 cm bis zu 3 m Höhe jagen. Bei der Jagd in den Baumkronen kann die Große Bartfledermaus jedoch auch in 20 m Höhe oder knapp unterhalb des Kronendachs beobachtet werden (Gerell 1999, Häussler 2003, Meschede & Heller 2000). Ihre Hauptnahrung sind Schmetterlinge und Schnaken, aber auch Spinnen, Weberknechte, Fliegen, Fenstermücken und Ohrwürmer (Dense & Rahmel 2002, Meschede & Heller 2000, Taake 1992).

Im Spätsommer schwärmen die Tiere vor möglichen Winterquartieren (unterirdischen Höhlen und Stollen) (Kraus 2004), wo sie sich vermutlich auch paaren (Häussler 2003, Hutson et al. 2008, Tupinier 2011). Die Große Bartfledermaus gilt als Mittelstreckenwanderer und legt zwischen Sommer- und Winterquartieren Entfernungen von bis zu 308 km zurück (Boye et al. 2004, Steffens et al. 2004).

Die Winterquartiere der Großen Bartfledermaus befinden sich in unterirdischen Hohlräumen, St