Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Gelbringfalter ist streng an Wälder gebunden, meidet jedoch als klassische Lichtwaldart alle dicht kronenschließenden Waldformen. Lebensräume sind halboffene, oft parkartig ausgebildete Baumbestände (Kronendeckung bis ca. 40-60 %) mit gräser- oder seggendominiertem Pflanzenbestand unter relativ luftfeuchten Bedingungen. Nährstoffeinträge oder auch nur eine Freisetzung von vorhandenen Nährstoffen führt sehr leicht zu negativen Entwicklungen mit einer Förderung stickstoffliebender Pflanzenarten, die die notwendige, eher magere Grasschicht verdrängen.

Aufwändige Untersuchungen in Schweden (Bergman 2001) und Tschechien (Konvicka et al. 2008) haben übereinstimmend gezeigt, dass ein enger Zusammenhang zwischen Artvorkommen bzw. Größe des Bestandes und der Deckung durch die Baum- und Strauchschicht besteht. Großräumig völlig offene, also baumfreie Flächen, wurden genauso wenig besiedelt wie Baumbestände mit dicht schließender Kronendeckung von 90 %.

Im bayerischen Artenhilfsprogramm (vgl. auch Geyer & Dolek in Vorb.) wurde die Eiablage betrachtet und festgestellt, dass das Optimum für die Eiablage in lichten Wäldern bei mittlerer Kronendeckung von ca. 40 % liegt. Eine ähnliche Kronendeckung haben Streitberger et al. (in Vorb.) bei Garmisch-Partenkirchen gefunden. Es gibt individuenarme Vorkommen in dichteren Wäldern, dort erfolgt die Eiablage ausschließlich an Wegkreuzungen, quelligen Hangbereichen und ähnlichen, kleinräumig lichten Bereichen.

Als Besonderheit konnte in Bayern (Iller-Lech-Schotterplatten) zusätzlich gezeigt werden, dass Lebensräume mit deutlich geringerer Kronendeckung (10-20 %) und baumfreie Flächen unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls zur Eiablage genutzt werden können: Dafür müssen auf den Flächen ausreichende Bodenfeuchte, Verbuschung sowie dichte Grasbestände optimal zusammenspielen (vgl.  Foto Lebensraum).

In den Lebensräumen müssen die kleinklimatischen Bedingungen richtig aufeinander abgestimmt sein. Nasse Standorte werden ebenso gemieden wie trockene Bereiche. Das Maximum der in Bayern nachgewiesenen Eiablagen entfiel eindeutig auf feuchte Standorte, Messungen erbrachten eine durchgehend hohe Luftfeuchte und moderate Temperaturen. In Tschechien sind die besiedelten Standorte zudem wärmer und nährstoffärmer als die nicht besiedelten Standorte (Konvicka et al. 2008), was beides bei deutschen Vorkommen nachvollzogen werden kann.

Die bodennahe Pflanzendecke muss gräserdominiert und darf nicht von stickstoffliebenden Pflanzen geprägt sein. Die meisten Standorte sind durch größere Vorkommen von unterschiedlichen Seggenarten (Carex sp.) geprägt, die vermutlich eine wichtige Bedeutung als Raupennahrung haben. Aus Bayern gibt es jedoch auch Beobachtungen von Eiablagen im Bereich von Süßgräsern (Geyer & Dolek in Vorb.), aus Schweden Raupenfunde an Süßgräsern (Bergman 1996). Für baden-württembergische Populationen ist die Nutzung mehrerer Seggenarten als Raupennahrung im Lebensraum nachgewiesen (Carex alba und C. montana, Ebert & Rennwald 1991; sowie C. flacca, S. Hafner, mdl. Mitt.).

Der Gelbringfalter gehört zu den typischen Waldschmetterlingen, die wenig als Blütenbesucher beobachtet werden (Ebert & Rennwald 1991, Weidemann 1995), soweit vorhanden (z.B. Liguster, Brombeeren) werden diese jedoch genutzt. Häufiger kann man die Falter an waldtypischen Nahrungsquellen, wie feuchter Erde, Losungen, Aas und Baumsäften aber auch an Tautropfen, Honigtau und Schweiß saugen sehen (Geh 2002).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Der Gelbringfalter bildet eine Generation pro Jahr aus. In Bayern und Baden-Württemberg umfasst die Hauptflugzeit etwa den Zeitraum Anfang Juni bis Anfang Juli. Die Art weist eine deutliche Vormännlichkeit auf (Konvicka et al. 2008, Weidemann 1995), d.h. die Männchen schlüpfen bereits einige Tage vor den Weibchen aus der Puppe.

Als sog. Eierstreuer heften die Weibchen die Eier bei der Eiablage nicht an ein Substrat an, sondern lassen sie einfach zu Boden fallen (u.a. Weidemann 1995, Bergman 1999, 2000). Dabei setzen sie sich auf Pflanzen in grasreichen Beständen, krümmen den Hinterleib und lassen das Ei fallen (Geyer & Dolek in Vorb.). Das Weibchen wählt so den räumlichen Aufbau der Pflanzendecke bzw. das Kleinklima der Eiablagestelle, nicht jedoch die konkrete Futterpflanze. Ein Weibchen kann nach schwedischen Untersuchungen im Mittel etwa 140 Eier ablegen.

An den Eiablagestellen spielen die genaue Lage im Wald und der Aufbau der Pflanzendecke für das Überleben eine große Rolle. In Südschweden beobachtete Bergman (1999), dass die meisten Eiablagen am Rand von Lichtungen im Waldrandbereich stattfanden. Dort war auch die Überlebensrate im Vergleich zu den schattigeren und voll besonnten Bereichen am höchsten. Solche Lichtungen mit breiten Waldrändern im Waldesinneren oder generell lichte Waldbestände werden in der modernen Forstwirtschaft jedoch vermieden und entstehen nur noch selten.

Im bayerischen Artenhilfsprogramm wurde deutlich, dass die tatsächliche Beschattung der Eier meist sehr hoch ist. Abweichungen nach oben (sehr hohe Beschattungsgrade) konnten bei Eiablagen auf Offenflächen festgestellt werden, wobei die erstaunlich hohe Beschattung durch die Nutzung des Schattenwurfs von Gehölzen, Büschen und dichten Grasbeständen erreicht wird. Abweichungen nach unten (geringere Beschattungsgrade) ergaben sich bei optimalen kleinklimatischen Bedingungen, so z.B. bei lichten Wäldern mit feucht-warmem Kleinklima.

Damit gibt es verschiedene Wege, wie die richtigen Bedingungen für die Entwicklung der Eier und Raupen erreicht werden können. Alle sind jedoch davon abhängig, dass im Rahmen der Waldnutzung Lichtungen mit breiten Innenwaldrändern oder lichte Waldbestände mit dichten Grasbeständen unter feuchten und moderat warmen Bedingungen entstehen und erhalten werden. Schlagfluren und nährstoffreiche Bestände sind ungeeignet.

Die Überwinterung erfolgt im 3. Larvenstadium (Bergman 2000), die Verpuppung erfolgt im Mai des folgenden Jahres als Stürzpuppe, d.h. frei hängend, im Gras. Soweit im Lebensraum überhaupt gemäht wird (was die Ausnahme ist), kann zwar auch eine direkte Schädigung erfolgen, den wesentlichen negativen Einfluss der Mahd dürfte jedoch die Veränderung des räumlichen Aufbaus der Pflanzendecke im Zusammenhang mit der Austrocknungsempfindlichkeit darstellen. Bereiche mit bracheartigen Grasbeständen müssen daher immer erhalten werden.

Da die Tiere nur selten aus ihren Lebensräumen heraus fliegen, führt die fortschreitende Isolation der Vorkommen zu einer Unterbrechung des Austauschs von Teilvorkommen und kann so zum Zusammenbruch größerer Bestände führen. Günstig wirken sich dagegen sehr breite offene Wegsäume aus, wie sie in manchen Wäldern zur einfacheren forstlichen Nutzung erhalten werden. Entlang dieser Waldinnenränder können lichte Waldbereiche oder Lichtungen gut verbunden werden, insbesondere wenn dort Raupenlebensräume ausgebildet sind.