Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Auen natürlicher Fließgewässer gelten als ursprünglich wichtigster Lebensraum der Gelbbauchunke. Hier führte die Überschwemmungsdynamik immer wieder zur Neubildung zeitweilig wasserführender (temporärer) Klein- und Kleinstgewässer. Mit dem Ausbau der Bäche und Flüsse ging dieser Lebensraum in Deutschland weitestgehend verloren. Es ist der Gelbbauchunke allerdings gelungen, auf Bereiche auszuweichen, in denen infolge menschlicher Tätigkeiten ebenfalls ein ständiges Angebot an neuentstehenden Kleingewässern verfügbar ist. Dies ist v.a. in Abgrabungen der Fall. Ebenso geeignet sind aber auch wassergefüllte Wagenspuren auf militärischen Übungsplätzen oder im Wald (Nöllert & Günther 1996, Gollmann & Gollmann 2002). Die Larvalgewässer sind i.d.R. klein, flach, nicht oder nur wenig bewachsen, gut besonnt und weisen einen schlammigen Grund auf, in den sich die Tiere bei Gefahr eingraben. Daneben nutzen Unken auch vielfältiger gestaltete Tümpel als Aufenthaltsgewässer. Die Gelbbauchunke ist zur erfolgreichen Larvalentwicklung auf Gewässer angewiesen, die weitgehend frei von Fressfeinden sind. Das ist v.a. bei neu entstandenen Kleingewässern der Fall. Ansonsten werden die kleinen Laichpakete bspw. von Molchen vollständig verzehrt, Insektenlarven (Libellen, Wasserkäfer) dezimieren die Kaulquappen. In älteren Tümpeln kommt es deshalb durch den Fraßdruck ihrer Feinde regelmäßig zum Gesamtausfall des Nachwuchses. Die erwachsenen Unken sind hingegen vor Feinden sehr gut geschützt, da sie bei Bedrohung ein die Schleimhäute reizendes Gift absondern, das auch beim Menschen zu heftigen, aber nicht langanhaltenden Reaktionen führen kann.

Die Tiere bevorzugen bergiges Gelände („Bergunken“), wo die Unken nach Abschluss der Larvalentwicklung und Übergang zum Landleben v.a. in Mischwäldern, Gehölzen, Feuchtwiesen oder auf ungenutzten Brachflächen anzutreffen sind. Schutz finden sie z.B. unter Steinen oder Totholz. Diese Orte werden sowohl als Tagesversteck als auch im Winter genutzt, soweit sie eine ausreichend hohe Luft- und Bodenfeuchtigkeit besitzen. Als Nahrung dient ein breites Spektrum wirbelloser Tiere. Gelbbauchunken sind ausgesprochen langlebig: nach Freilandbeobachtungen werden die Tiere über 15 Jahre alt, in Gefangenschaft mit bis zu 27 Jahren noch deutlich älter. Die Geschlechtsreife wird mit zwei Jahren erreicht, der Großteil pflanzt sich jedoch erst im 3. Sommer fort (Nöllert & Günther 1996).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Da Gelbbauchunken bevorzugt nur zeitweilig wasserführende Gewässer zur Fortpflanzung aufsuchen, laufen sie Gefahr, dass der Nachwuchs mit Trockenfallen des Gewässers verloren geht. Um dieses Risiko zu minimieren, zeigen die Tiere keine zeitlich eng begrenzte Laichzeit. Vielmehr nutzen sie kurzfristig von Mai bis August (September) geeignete Witterungsverhältnisse zur Fortpflanzung – meist nach erfolgten Niederschlägen. Während der Laichperiode wechseln Einzeltiere häufiger zwischen den Gewässern, wobei sich die Tiere während dieser Zeit wahrscheinlich nur wenige hundert Meter von den Gewässern entfernen. Nach Abschluss des Fortpflanzungsgeschehens können räumlich entfernt liegende Sommerlebensräume aufgesucht werden (Samietz 1989). Ausgeprägte kollektive Wanderungen vom Winterlebensraum zum Laichgewässer treten bei der Gelbbauchunke nicht auf.

Die Entwicklungsdauer der Larven ist abhängig von der Wassertemperatur und schwankt zwischen 37 und 67 Tagen. Bei niedrigen Wassertemperaturen (etwa 12-15°C) kommt ihre Entwicklung zum Stillstand. Jungunken werden an den Laichgewässern von Juni bis September angetroffen. Sie können besonders bei und kurz nach Regenfällen weitere Strecken über Land wandern und so neue Lebensstätten besiedeln. Die von Blab (1986) festgestellte Überlandwanderung von 4 km dürfte dabei im maximalen Bereich liegen (Nöllert & Günther 1996). Die meisten Wanderbewegungen spielen sich eher in einem Radius von 1.000 bis 1.500 m um das Laichgewässer ab (Gollmann & Gollmann 2002).

Mitte bis Ende September verschwinden die letzten Unken aus den Gewässern und suchen ihre Winterquartiere auf.

Aufgrund der über das ganze Sommerhalbjahr verteilten Wanderungen der Gelbbauchunken fallen diese mit den unterschiedlichsten Landnutzungsaktivitäten zusammen. Aufgrund der nachtaktiven Lebensweise und der Lage der Tagesverstecke in zumeist nicht genutzten Bereichen, sind direkte Beeinträchtigungen durch Land- und Forstwirtschaft kaum zu erwarten. Lesen Sie mehr zu möglichen indirekten Auswirkungen von Mineraldünger und Spritzmitteln unter  "Gefährdungsdispositionen Amphibien". Der vor allem im Winterhalbjahr durchgeführte Holzeinschlag kann bei Nutzung schwerer Maschinen zu Gefährdungen der Tiere in den Winterverstecken führen.