Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Gekielte Smaragdlibelle besiedelt sowohl an dem einzigen Fließgewässer mit aktuell bekannten Vorkommen in Deutschland – der Our (Rheinland-Pfalz) – als auch in anderen Teilen ihres Verbreitungsgebietes strömungsberuhigte Abschnitte von Fließgewässern. Solche Lebensräume finden sich z.B. als Kolke oberhalb von Stromschnellen oder als Buchten. Es handelt sich dabei um Fließgewässer, die unter natürlichen Bedingungen eine charakteristische Abfolge flacher, schnell fließender Bereiche wie Stromschnellen (riffles) einerseits und meist tiefer, strömungsberuhigter Kolke (pools) andererseits aufweisen. Fachleute sprechen auch von einer so genannten „riffle-pool-Morphologie“.

An der aktuell bekannten Nordostgrenze ihres Verbreitungsgebietes – in Westdeutschland – besiedelt die Art mit der Our ein Fließgewässer in wärmebegünstigter Lage, die aus der Öffnung dieses Flusstals nach Süden zu den Flüssen Sauer und Mosel hin resultiert. Aufgrund der vergleichsweise hohen Wassertemperaturen bis 28°C im Hochsommer stufen Ott et al. (2007) das Gewässer als „Warmwasserfluss“ ein.

Die von den Larven besiedelten Abschnitte sind lückig mit Ufergehölzen bestanden und weisen eine meist mittlere Beschattung auf. Stark besonnte Bereiche werden nur selten genutzt. Die Wassertiefe reicht von einigen Dezimetern bis über 2 m. Lebensraum der Larven sind die dichten Geflechte und Vorhänge der im Wasser flutenden Feinwurzeln der Ufergehölze (v.a. Schwarz-Erle, seltener auch Weiden-Arten). Auch in anderen Teilen des Verbreitungsgebietes wie z.B. in Südfrankreich finden sich die Larven fast ausschließlich in solchen Lebensraumelementen (Leipelt & Suhling 2001).

Neben Fließgewässern besiedelt die Art gelegentlich auch Stillgewässer wie Seen und Kiesgruben (Wildermuth 2008).

Fraßfeinde der Larven dürften vor allem Fische sein, gegen die sie jedoch durch ihre Lebensweise in den dichten Wurzelgeflechten gut geschützt sind. Auch frisch abgelegte Eier werden von Fischen gefressen, wie Beobachtungen an der Our durch Ott (mündl. Mitteilung) belegen. Dieser Autor vermutet auch, dass eingeführte Kamberkrebse (Neozoen) Larven der Gekielten Smaragdlibelle fressen.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Entwicklungsdauer der Larven beträgt nach Heymer (1964) 2–3 Jahre. Für die Our (Rheinland-Pfalz) wird eine dreijährige Entwicklung vermutet (Ott et al. 2007).

Die Schlupfzeit liegt in Mitteleuropa zwischen Mitte Juni und Ende Juli. Der größte Teil der Tiere schlüpft dabei oftmals bereits in den ersten Tagen, nach zwei Wochen finden sich hingegen meist nur noch einzelne Exuvien (Häute des letzten Larvenstadiums) (Ott et al. 2007). Der Schlupf vollzieht sich in Ufernähe überwiegend an Baumstämmen, Ästen, Zweigen oder Wurzeln sowie an krautigen Uferpflanzen meist in einigen Dezimetern, in Einzelfällen auch in bis über 2 m Höhe über dem Wasserspiegel.

Die Flugzeit erstreckt sich an der Our auf den Zeitraum Mitte Juni bis Anfang August. Die individuelle Gesamtlebensdauer der Imagines (Geschlechtsstadium) wird auf etwa vier Wochen geschätzt (Ott et al. 2007).

Nach dem Schlupf verlassen die Tiere das Gewässer, um während der so genannten Reifephase in den insektenreichen Lebensräumen der Umgebung Nahrung und damit die benötigte Energie für die Fortpflanzung aufzunehmen. Hierzu suchen die Tiere besonnte Gehölzstrukturen wie Hecken und Obstwiesen meist abseits der Gewässer auf (Ott et al. 2007). Auch andere insektenreiche Lebensräume wie Waldränder, lichte Wälder, Säume, Brachen und blütenreiches Grünland dürfte zum Reifefraß genutzt werden. Entsprechend blütenreiche Lebensräume sind daher in der Umgebung der Fortpflanzungsgewässer wichtig.

Die Reifephase ist relativ kurz. Dies lässt sich aus Beobachtungen von Eiablagen bereits eine Woche nach den ersten Exuvienfunden an der Our (Ott et al. 2007) schließen. Auch die Männchen kehren dann ans Gewässer zurück und patrouillieren stetig entlang der Ufer strömungsberuhigter Fließgewässerabschnitte. Die Länge dieser Abschnitte liegt meist zwischen 10 und 20 m (Wildermuth 2008). Treffen sie dabei auf ein anderes Männchen der Art, attackieren sie dieses und versuchen es zu vertreiben. Das gezielte Absuchen der Ufer durch die Männchen, bei dem auch Höhlungen inspi